15.01.2026, 14:20 Uhr
Schweizer Unternehmen setzen verstärkt auf künstliche Intelligenz. Doch hinter den ambitionierten KI-Plänen der Führungsetagen tut sich laut einer Studie eine deutliche Kluft zur Belegschaft auf. Viele...
Nach Jahren der Unsicherheit mehren sich die Zeichen für eine Erholung im Biotechnologiesektor. Politische Klarheit, beschleunigte Innovationen und eine neue M&A-Welle könnten laut Candriam-Experte Servaas Michielssens einen frischen Wachstumszyklus einläuten.
Die Biotechnologiebranche hat turbulente Jahre hinter sich. Doch nun scheint sich das Blatt zu wenden. «Nach Jahren der Unsicherheit zeigt der Biotechnologiesektor deutliche Anzeichen für eine Erholung», so Servaas Michielssens, Head of Thematic Global Equity bei Candriam. Die politischen Ängste hätten nachgelassen, die Innovation sei nach wie vor stark, und führende Pharmakonzerne seien wieder aktiv auf der Suche nach Übernahmezielen.
Was für ein Wandel: Noch vor einem Jahr drückten die US-Wahlen schwer auf die Stimmung. Der Nasdaq Biotechnology Index fiel auf ein Mehrjahrestief. Sorgen um die Gesundheitspolitik, mögliche Zölle und die operative Stabilität der FDA belasteten die Bewertungen erheblich.
Heute präsentiert sich die Lage fundamental anders. «Die politische Unsicherheit hat abgenommen, und die Fundamentaldaten stehen wieder im Mittelpunkt», so Michielssens. Die befürchtete Schwächung der FDA habe sich als unbegründet erwiesen – die Behörde arbeite weiter auf gewohntem Niveau.
Auch bei den Arzneimittelpreisen sei Klarheit eingekehrt: Pfizer habe mit einer Regierungsvereinbarung den Ton gesetzt, weitere Unternehmen seien gefolgt. Die Preissetzungsmacht der Branche bleibe intakt, dies sei ein entscheidender Faktor für das Geschäftsmodell der Industrie. Ein symbolträchtiges Beispiel hierzu: Eli Lilly erreichte als erstes Pharmaunternehmen überhaupt eine Marktkapitalisierung von einer Billion US-Dollar.
Der Sektor durchläuft einen fundamentalen Wandel. Biotechnologie-Investments galten lange als Wette auf binäre Ereignisse – klinische Ergebnisse, Zulassungsentscheidungen oder Übernahmen. «Dieser Wandel steht noch ganz am Anfang», erklärt der Candriam-Experte weiter. Biopharmaunternehmen seien heute breiter aufgestellt und vielseitiger als frühere Generationen.
Viele verfügten über eine starke Markteinführungsstrategie und beschleunigtes Umsatzwachstum.Die Zahlen sind beeindruckend: Für die kommenden Jahre rechnet Michielssens mit einer durchschnittlichen jährlichen Umsatzwachstumsrate von 17 bis 19 Prozent im Biotechnologieportfolio – ein Wachstum, das in anderen Sektoren selten zu finden ist.
Mehrere strukturelle Faktoren treiben diese Entwicklung: Der Einsatz künstlicher Intelligenz in der Forschung verkürzt die Entwicklungszeiten. Digitale Geschäftsmodelle ermöglichen globale Expansion ohne traditionelle Vertriebskosten. Zudem belohnen diszipliniertere Anleger Unternehmen mit effizienter Kapitalallokation.
Die grossen Pharmaunternehmen stehen unter Druck – bis 2033 laufen Patente im Wert von rund 400 Milliarden US-Dollar aus. Die Branche reagiert: Schätzungsweise 85 Prozent der US-Arzneimittelzulassungen im Jahr 2024 stammten von Biotechnologieunternehmen.
«Angesichts nachlassender politischer Sorgen schließen Pharmaunternehmen beschleunigt neue Vereinbarungen ab», beobachtet Michielssens. Ein seltener Bieterkrieg zwischen Novo Nordisk und Pfizer um das Unternehmen Metsera zeige, wie dringend die Sicherung differenzierter Assets geworden sei. Die Bilanzen der Branche seien mit einer Gesamtkapazität für Zukäufe von bis zu 1,2 Billionen US-Dollar ausserordentlich gut aufgestellt. «Wir glauben, dass dies erst der Anfang eines M&A-Zyklus ist.»
Der Abschwung der vergangenen Jahre wirkte wie ein Ausleseverfahren. Restriktivere Finanzierungsbedingungen und höhere Zinsen zwangen Unternehmen, ihre Pipelines zu straffen und Ressourcen auf die zukunftsträchtigsten Projekte zu konzentrieren. Schwächere Akteure wurden übernommen, fusionierten oder verschwanden vom Markt.
Das Ergebnis: ein gesünderes, qualitativ höherwertiges Chancenspektrum. Die klinischen Erfolgsquoten hätten sich verbessert, so der Analyst. Für 2026 erwartet er qualitativ hochwertige Börsengänge.
Die Bewertungen haben sich deutlich erholt. Die Biotech-Indizes waren von ihrem Höchststand 2021 bis zum Tiefpunkt 2023 um etwa 55 bis 60 Prozent gefallen. Mittlerweile habe sich das Verhältnis zwischen Unternehmenswert und Free Cashflow von einem 25-Jahres-Tief wieder auf den historischen Medianwert normalisiert.
«Der Biotechnologiesektor ist einer der wenigen Sektoren, die in der Lage sind, ein zweistelliges Umsatzwachstum zu erzielen, das weitgehend unabhängig vom breiteren Konjunkturzyklus ist», resümiert Michielssens. Mit mehreren Produkteinführungen in der Anfangsphase, einer anschwellenden M&A-Welle und strukturellen Verbesserungen im Branchenumfeld sei der Sektor für eine dauerhafte Performance in den kommenden Jahren gut aufgestellt.