Aktives Fondsmanagement kann von steigender Volatilität profitieren

Bild: Pixabay
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Seit die ETFs eine beispiellose Erfolgsgeschichte schreiben, wird über die Vor- und Nachteile von aktivem Fondsmanagement immer wieder intensiv diskutiert – kürzlich auch bei "Friends of Funds". Die aktiven Manager tun sich zuweilen schwer damit, gute Argumente für ihre Strategien zu finden.

11.12.2018, 14:56 Uhr

Redaktion: rem

Ein aktiver Fondsmanager kommt gelegentlich in Erklärungsnot, wenn ihm von Kunden vorgerechnet wird, wie viel mehr sie nach Gebühren mit Exchange Traded Funds (ETFs) verdient hätten und sie darum nun in ebensolche ETFs anlegen würden. Marco Infuso, Head of Institutional Sales ComStage ETFs Switzerland, Commerzbank, drückte es am letzten "Funds of Friends"-Event im Jahr 2018 in Zürich so aus: "Wenn man einem Kunden nicht mehr erklären kann, wieso er für einen aktiv gemanagten Fonds 20 Mal höhere Gebühren bezahlen soll, wird es schwierig, mit aktiven Strategien überzeugend unterwegs zu sein."

Als einziger Vertreter der ETF-Branche in der vierköpfigen Gesprächsrunde zum Thema "Alpha-Generierung im volatilen Marktumfeld", unter der Leitung von Thomas van Ditzhuyzen, Leiter Investment Solutions und Mitglied der Geschäftsleitung der Schweizerischen Mobiliar Asset Management, brachte Infuso das Problem des aktiven Managements auf den Punkt. Denn gemäss einschlägigen Studien schafft es eine Mehrzahl aktiv gemanagter Fonds nicht, die Benchmark zu schlagen bzw. ein Alpha zu erzielen. Gleichzeitig forderte Infuso mit dieser Aussage die anderen Panel-Teilnehmer heraus.

Tatjana Puhan, Head Equity & Asset Allocation bei Swiss Life Asset Managers, hielt ihm entgegen, dass ETFs eher statisch seien, wohingegen doch das Marktumfeld sich immer wieder verändere. Ein aktiver Manager könne sich diesem anpassen und vor allem auch die Risiken überwachen. Sein Vorteil gegenüber den ETFs sei, dass er in schlechten Zeiten den Markt outperformen bzw. Alpha generieren könne. Diego Föllmi, Partner bei Hérens Quality AM, ein Asset Manager, der insbesondere mit qualitativer Analyse in Firmen hineinschaut, fügte an: "In volatilen Zeiten trennt sich die Spreu vom Weizen."

Roland Vögele, CEO der MV Invest, brachte ein, dass im Immobilienbereich, der ein ineffizienter Markt ist, der Long-Short-Ansatz verbreitet sei. Viele Investoren legten indes passiv in Immobilien an. Aber seine Firma wende auch qualitative und quantitative Strategien an, denn: "Der Markt wird einmal zurückschlagen, da muss man vorbereitet sein", so Vögele.

Die Vorteile aktiver Strategien kommunizieren
In der Tat haben In den letzten Jahren die ETFs eine beispiellose Erfolgsgeschichte geschrieben dies aufgrund relativ tiefer Kosten und steil ansteigender Börsen. Wird das Marktumfeld nun aber schwieriger und steigen die Volatilitäten, so könnte vielleicht bald wieder die Stunde der "Alpha-Tiere" schlagen, welche einen Anlageansatz verfolgen, der auf Marktkenntnissen und Geschicklichkeit basiert.

Aber wie können aktive Fondsmanager die Kosten grundsätzlich rechtfertigen? Roland Vögele stellte fest, dass aktive Manager einen schweren Stand gegenüber passiven Produkten hätten und Schwierigkeiten dabei bekundeten, die Vorteile ihrer Strategien richtig zu kommunizieren. "Kunden müssen verstehen, was wir machen. Aber wir brauchen Anlaufzeit, bis sich die Vorteile einer Strategie nachhaltig herauskristallisieren", ergänzte Diego Föllmi. Sinnvollerweise müssten die Investoren den Fondsmanagern 3 bis 5 Jahre Anlaufzeit geben, damit die Performance einer Strategie überschaubar und transparent werde.

Tatjana Puhan erläuterte, dass sich Swiss Life Asset Managers als Versicherer im aktiven Risikomanagement mit quantitativen Ansätzen positioniere. "Wir versuchen, die emotionale Komponente mit systematischem Framework zu kontrollieren", erklärte sie. In Bezug auf komplexe Indexprodukte - zu denen unter anderem Smart Beta-ETFs, eine Art Hybrid von passivem Investment und aktivem Management, gehören - sagte die Expertin, dass hier ein bunter Blumenstrauss eigentlich aktiver Elemente, umhüllt mit einem ETF als Wrapper, als passive Produkte verkauft würden. Im Übrigen sei die Positionierung über komplexe ETFs nicht unbedingt gut für Privatanleger.

"Smart Beta, was ist smart daran", fragte Marco Infuso in die Runde und brach nochmals eine Lanze für ETFs: "Kunden haben bei ETFs eine ausgeprägte Renditekontrolle, denn bei einem ETF weiss man genau, was man tut, bei einem aktiv gemanagten Fonds hingegen nicht." Darüber hinaus sei ein ETF kein langweiliger Baustein und passive Produkte eigneten sich durchaus auch als Core-Investments. Mit diesem Statement war sogleich wieder die Opposition zwischen aktiv und passiv in der Diskussion. Tatjana Puhan nahm noch Bezug auf die Kennzahl "Active Share". "Wir haben einen Active Share von 120 bis 150%", betonte sie.

Verkappte Indexfonds
Der Active Share basiert auf dem einfachen Grundsatz, dass ein aktiv gemanagter Fonds von der Benchmark abweichen muss, um sie zu schlagen. Er zeigt also auf, wie aktiv ein Fondsmanager tatsächlich ist, indem er misst, wie stark die Zusammensetzung eines Fonds von derjenigen seiner Benchmark abweicht. Ein Vorteil des Active Share-Konzepts ist laut Experten zudem die Möglichkeit, so genannte Closet Indexer zu entlarven. Das sind Fonds, die in Wirklichkeit nicht aktiv verwaltet werden, sondern vielmehr verkappte Indexfonds sind. Diese Fonds weichen allenfalls minimal von ihrer Benchmark ab, nehmen aber ordentlich Gebühren, so dass der Investor am Ende nur eine minimale Chance hat, besser als die Benchmark abzuschneiden.

Allerdings, so raten die Experten, sollte man nicht nur auf diese Kennzahl setzen, sondern noch andere Faktoren beachten. Demnach lässt sich in Kombination mit dem Tracking Error also der ungewollten Abweichung zwischen der Wertentwicklung eines Indexfonds oder eines Portfolios gegenüber derjenigen seiner Benchmark über einen bestimmten Beobachtungszeitraum - viel besser einschätzen, wie aktiv ein Fonds verwaltet wird.

Natürlich steht ein aktiver Fondsmanager dafür ein, dass es möglich ist, aufgrund von Informationsvorteilen und spezifischem Selektions-Knowhow nachhaltig bessere Resultate zu liefern als mit Indexanlagen. Dem werden wohl die Vertreter der ETF-Branche entgegenhalten, dass die aktiven Manager den Beweis erbringen müssen, nach Gebühren wirklich auch besser zu performen als eine Indexlösung.

Vielleicht schlägt jetzt in einem Umfeld zunehmender Volatilität tatsächlich wieder die Stunde des aktiven Fondsmanagements. Den Investoren ist das letztlich egal, sie wollen lediglich die beste Rendite bei angemessenem Risiko erzielen.

Am nächsten "Friends of Funds"-Anlass stehen die Regulierungswerke FIDLEG und FINIG im Fokus. Hier geht es zur Anmeldung.

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