25.05.2026, 09:56 Uhr
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Mit «The Watch Keepers» vermittelt Audemars Piguet gebrauchte Uhren der eigenen Marke selbst, zunächst in der Schweiz und in Europa. Die Manufaktur prüft, zertifiziert und gibt zwei Jahre Garantie, kauft aber keinen Bestand an. Laut NZZ verlangt sie eine gestaffelte Kommission von bis zu 20 Prozent.
Audemars Piguet (AP) ist der nächste grosse Uhrenhersteller, der den Zweitmarkt nicht mehr allein Händlern und Plattformen überlässt. Auf der neuen Plattform «The Watch Keepers» können Besitzer ihre Uhren direkt über die Manufaktur in Le Brassus verkaufen. Zum Start sind laut finews.com jeweils rund 100 Uhren aus verschiedenen Kollektionen und Jahrgängen im Angebot. Watches by SJX zählte am Lancierungstag erst 42 Inserate. Die Plattform ist in der Schweiz und in Europa verfügbar, weitere Märkte sollen folgen.
Das Modell ist ein Kommissionsgeschäft. AP sei weder Käufer noch Verkäufer, sondern Vermittler, schreibt Watches by SJX. Die Uhr bleibt bis zum Verkauf im Eigentum des Verkäufers, liegt aber bei AP. Zugelassen sind nur Uhren, deren Erstverkauf mindestens zwei Jahre zurückliegt. Seriennummer und Eigentumsnachweis werden online geprüft. Danach geht die Uhr per versichertem Kurier in den Kundendienst der Manufaktur, wo Uhrmacher Echtheit und Zustand anhand der eigenen Archive kontrollieren. Laut Monochrome Watches bewertet AP Gehäuse, Zifferblatt und Band nach einem Fünf-Stufen-System und erstellt die Fotos selbst. Der Verkäufer wählt zwischen Festpreis und Auktion. Käufer erhalten ein Echtheitszertifikat und zwei Jahre Garantie.
Bei den Gebühren hielt sich AP zunächst bedeckt. Die NZZ nannte die Staffel: 20 Prozent auf die ersten 25'000 Franken des Verkaufspreises, 15 Prozent auf die nächsten 25'000 Franken und 10 Prozent auf den darüber liegenden Betrag. Bei einer Uhr für 52'000 Franken ergibt das 5'000 plus 3'750 plus 200 Franken, also 8'950 Franken oder 17,2 Prozent des Preises. Mit steigendem Verkaufspreis sinkt der Satz und nähert sich 10 Prozent. Bei einer Royal Oak für 100'000 Franken wären es 13'750 Franken oder 13,75 Prozent.
AP-Chefin Ilaria Resta sagte der NZZ, man unterscheide nicht zwischen Kunden der Boutiquen und Kunden der CPO-Plattform. Marc Montagne, Leiter des CPO-Geschäfts, begründet das Programm mit der starken Nachfrage von Sammlern und dem Ziel, den gesamten Lebenszyklus der Uhren zu begleiten.
AP folgt zwei Vorbildern mit unterschiedlichen Modellen. Richard Mille ist laut finews.com seit 2015 mit zertifizierten Occasionsuhren aktiv und verkauft über eigene Verkaufspunkte. Rolex lancierte sein Certified-Pre-Owned-Programm Ende 2022, setzt aber auf die offiziellen Händler, darunter Bucherer und Beyer in Zürich. Bucherer gehört seit 2023 selbst zu Rolex.
Für den Fachhandel ist der AP-Ansatz unbequemer. Rolex lässt die Händler am Zweitmarkt mitverdienen, AP schaltet sie aus. Mit der eigenen Plattform verlagert sich ein Teil des Occasionsgeschäfts zur Manufaktur. Für unabhängige Händler und Marktplätze bedeutet das Konkurrenz mit dem stärksten Argument im Zweitmarkt, dem Echtheitsnachweis direkt vom Hersteller.
Für Verkäufer ist die Rechnung einfach: Die Kommission von 13 bis 20 Prozent muss durch einen höheren Preis aufgewogen werden, den das Herstellerzertifikat einbringt. Ob Käufer diesen Aufpreis zahlen, wird sich erst zeigen. Rückenwind gibt der Markt. Der ChronoPulse-Index von Chrono24, der Preise von 13 Marken und über 140 Modellen abbildet, stieg im dritten Quartal um 0,7 Prozent auf 1'471 Punkte und liegt 7,5 Prozent über dem Vorjahr. Audemars Piguet legte im Quartal um 2,0 Prozent zu. An der Spitze stand Vacheron Constantin mit 6,7 Prozent im Quartal und 17,7 Prozent auf zwölf Monate, gefolgt von Patek Philippe mit 3,0 und 17,0 Prozent. Rolex gab im Quartal um 0,2 Prozent nach, liegt auf zwölf Monate aber 6,0 Prozent im Plus.
Wie viel Sammler für Spitzenstücke zahlen, zeigt sich in den kommenden Tagen in Genf. Sotheby's versteigert im Hotel Mandarin Oriental 184 Lose, darunter eine Taschenuhr mit Grande Complication von A. Lange & Söhne aus der Zeit um 1914 (Schätzung 500'000 bis 1 Million Franken) und eine «Millennium» von George Daniels von 2001 (300'000 bis 600'000 Franken). Die Live-Auktion beginnt am 8. November.
In Zürich endet derweil eine Ära. Beyer an der Bahnhofstrasse schliesst laut SRF Ende 2026. Die Familie ist seit 266 Jahren im Uhrenhandel tätig, an der Bahnhofstrasse seit 1877. Patek Philippe übernimmt den Standort und 25 der rund 60 Mitarbeitenden. Das Uhrenmuseum Beyer gehört nicht zum Verkauf und sucht einen neuen Standort in Zürich.