30.03.2026, 08:59 Uhr
Was als breiter Technologieboom begann, ist zu einer Debatte über Bewertungen, Beschäftigung und gesellschaftliche Ordnung geworden. Frédéric Leroux, Head of Cross Asset bei Carmignac, analysiert, warum Anleger...
Vanguard zeigt mit einer neuen Simulation, dass selbst der sprichwörtliche «Pechvogelinvestor» mit einem globalen Aktienportfolio langfristig deutlich besser fährt als mit Bargeld auf dem Sparkonto.
Für die Simulation konstruiert Vanguard einen hypothetischen Anleger, der es 30 Jahre lang schafft, sein Geld immer genau kurz vor den grössesten Einbrüchen an den Aktienmärkten zu investieren – vom Asienkrisenjahr 1997 bis zu den Verwerfungen rund um den «Liberation Day» 2024. Investiert wird ausschliesslich in einen Fonds auf den globalen FTSE All-World Index, Buy-and-Hold, ohne Umschichtungen und mit wiederangelegten Erträgen.
Die Rechnung: Insgesamt zahlt der Anleger in diesem Zeitraum 45’000 Schweizer Franken ein, verteilt auf acht Tranchen. Trotz des konsequent schlechten Timings steigt der Wert des Portfolios bis Februar 2026 auf 98’590 Schweizer Franken. Das entspricht einem Plus von 53’590 ein Gewinn von beziehungsweise 119 Prozent.
Die Liste der Einstiegszeitpunkte liest sich wie ein Kompendium der Krisen der letzten Jahrzehnte: Die ersten 2’500 Franken fliessen im September 1997, kurz vor der Asienkrise; nach einem Monat liegt das Depot bereits mit 226 Franken im Minus. Im Juli 1998 folgen 2’500 Franken unmittelbar vor der Russlandkrise und dem LTCM-Kollaps, nach einem Monat summiert sich das Minus auf 906 Franken.
Im Januar 2000 investiert der fiktive Anleger 10’000 Franken auf dem Höhepunkt der Dotcom-Euphorie; bis September 2002 summieren sich Technologiecrash, 9/11 und der Afghanistan-Krieg zu einem zwischenzeitlichen Verlust von 38 Prozent. Es folgen weitere Tranchen kurz vor der globalen Finanzkrise 2007, vor dem Corona-Crash Ende 2019, vor dem Ukrainekrieg, Inflation und Zinswende Ende 2021 sowie vor Zollunsicherheiten rund um den «Liberation Day» Ende 2024.
Zum Vergleich simuliert Vanguard dasselbe Einzahlungsschema, jedoch als reines Cash-Szenario auf Basis der Zinsgeschichte der Schweizerischen Nationalbank. Die 45’000 Franken wären auf dem Sparkonto bis Februar 2026 lediglich auf 49’358 Franken angewachsen – was einem ein Plus von 9,7 Prozent entspricht. Negative Zinsen wurden dabei konservativ mit 0 Prozent angesetzt; für die Zeit vor Einführung eines offiziellen Leitzinses diente der 3-Monats-Libor in CHF als Näherung.
In diesem Vergleich schlägt selbst der «unglücklichste» Aktieninvestor das Sparkonto um Längen. Die Mehrrendite erklärt Vanguard mit längerfristigem Wirtschaftswachstum, Produktivitätsfortschritten, Innovation und dem Zinseszinseffekt wiederangelegter Dividenden.
«Entscheidend ist nicht, den perfekten Zeitpunkt zu erwischen, sondern möglichst lange investiert zu bleiben», zitiert die MItteilung Jonathan Decurtins, Head of Wholesale bei Vanguard Schweiz. Allzeithochs und -tiefs liessen sich in Echtzeit kaum identifizieren, wer wegen hoher Kurse aussteige oder mit dem Einstieg warte, verpasse häufig einen wesentlichen Teil der Wertentwicklung.
Vanguard leitet daraus eine einfache Empfehlung ab: Disziplin, breite Diversifikation, lange Anlagedauer, tiefe Kosten und die Bereitschaft, Schwankungen auszuhalten, seien entscheidender als ambitioniertes Market Timing. Neue Höchststände an den Märkten seien keine Ausnahmesituation, sondern ein normaler Bestandteil funktionierender Märkte mit langfristigem Aufwärtstrend.
Für Banken, Vermögensverwalter und Berater bietet die Extremfall-Studie eine zusätzliche Argumentationshilfe in der Kundendiskussion über Einstiegszeitpunkte und Cash-Bestände. Gerade in einem Umfeld geopolitischer Risiken, höherer Zinsen und laufender Regimewechsel an den Märkten unterstreicht das Szenario, dass systematisches Zuwarten ein grösseres Risiko birgt als falsch getimtes Investieren.
Institutionelle wie private Anleger erhalten damit einen empirisch untermauerten Reminder, ihre Anlagestrategie nicht von kurzfristigen Schlagzeilen oder der Angst vor dem nächsten Crash bestimmen zu lassen. Die zentrale Botschaft bleibt: Zeit im Markt schlägt den Versuch, den Markt zu timen – selbst für den vermeintlich unglücklichsten Investor.