Trendwende bei der Nachhaltigkeit: Realität verdrängt Hype

Die Realität verdrängt den Hype beim nachhaltigen Investieren (Bildcollage/AI: Freepik)
Die Realität verdrängt den Hype beim nachhaltigen Investieren (Bildcollage/AI: Freepik)

Der Vermögensverwalter Anmundi sieht einen Paradigmenwechsel beim nachhaltigen Investieren: Weg von der reinen Energiewende, hin zu Resilienz und dem Schutz natürlicher Ressourcen.

19.01.2026, 09:55 Uhr
Anlagestrategie | Nachhaltigkeit

Redaktion: asc

Nachhaltiges Investieren wird erwachsen. So lässt sich die Botschaft zusammenfassen, die Amundi mit seinen soeben veröffentlichten «Responsible Investment Views 2026» sendet. Der französische Vermögensverwalter, mit einem verwalteten Vermögen von über zwei Billionen Euro einer der Grössten in Europa, skizziert darin sechs Schwerpunktthemen, die das nachhaltige Anlegen im kommenden Jahr prägen dürften.

«Verantwortungsbewusstes Investieren entwickelt sich von einer Vision zur Realität», erklärt Elodie Laugel, Chief Responsible Investment Officer bei Amundi. Die Zeiten, in denen ESG-Kriterien vor allem als Marketinginstrument dienten, scheinen vorbei. Stattdessen rücken handfeste finanzielle Risiken in den Vordergrund.

Physische Klimarisiken werden zum Anlagekriterium

Besonders auffällig ist der neue Fokus auf Klimaanpassung. Laut einer Umfrage von Morgan Stanley rechnen 60 Prozent der Unternehmen in den nächsten fünf Jahren mit erheblichen finanziellen Auswirkungen physischer Klimarisiken – von Extremwetterereignissen über Wasserknappheit bis hin zu unterbrochenen Lieferketten. Für Investoren bedeutet das: Klimarisikoanalysen gehören künftig zwingend zur Sorgfaltsprüfung.

Parallel dazu gewinnt das Thema Naturkapital an Bedeutung. Die weltweiten Investitionen in diesen Bereich – etwa in Wälder, Ackerland oder Wasserrechte – belaufen sich derzeit auf rund 200 Milliarden Dollar jährlich. Um die Biodiversitätsziele zu erreichen, müsste sich diese Summe jedoch bis 2030 verdreifachen. Privates Kapital, das bisher nur 18 Prozent der Finanzströme ausmacht, soll diese Lücke schliessen.

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Elodie Laugel, Chief Responsible Investment Officer bei Amundi (Bild: Anmundi)
Elodie Laugel, Chief Responsible Investment Officer bei Amundi (Bild: Anmundi)

Energiewende: Von der Kapazität zur Integration

Bei der sauberen Energie verschiebt sich derweil der Engpass. Die Erzeugungskapazitäten wachsen rasant – die Internationale Energieagentur erwartet bis 2027 ein Nachfragewachstum von vier Prozent, wobei über 90 Prozent davon durch erneuerbare Energien gedeckt werden sollen. Das Problem liegt nun woanders: bei den Netzen, der Speicherung und der Systemintegration. Politische Rahmenbedingungen wie Genehmigungsverfahren und Marktregeln werden zum entscheidenden Faktor.
Gleichzeitig fragmentiert sich die globale Energielandschaft. Europa setzt auf schnellen Netzausbau und heimische Technologien, die USA auf Anreize und Lokalisierung – senden aber widersprüchliche Signale. Asien, angeführt von China, dominiert bereits die Produktion von Clean-Tech-Komponenten.

KI als Chance und Risiko

Auch die künstliche Intelligenz findet Eingang in die Nachhaltigkeitsagenda – in doppelter Hinsicht. Einerseits verbessert sie die Datenanalyse und ermöglicht neue Erkenntnisse. Andererseits birgt sie das Risiko, soziale Ungleichheiten zu verschärfen und Arbeitsmärkte zu destabilisieren. Amundi erwartet, dass sich 2026 die regulatorischen Konfliktlinien im KI-Bereich klarer abzeichnen werden

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