19.02.2026, 11:55 Uhr
Die guten Zeiten für Schwellenländeranleihen sind nicht vorbei – aber sie werden anspruchsvoller. Nach einer kräftigen Rallye mit hohen Kuponrenditen und engeren Spreads erwartet Candriam für 2026 eine deutliche...
Das oberste US-Gericht kippt US-Präsident Donald Trumps bisherige Zollpolitik, der Präsident schlägt mit neuen 15-Prozent-Zöllen zurück. Für Investoren entsteht eine Phase erhöhter Unsicherheit – aber auch neuer Chancen abseits des US-Marktes, so Edmond de Rothschild Asset Management-Experte Michaël Nizard.
Die Nachricht schlug an den Märkten ein: Der Supreme Court hat US-Präsident Donald Trumps wichtigstes Zollinstrument für rechtswidrig erklärt. Der effektive US-Zollsatz fiel schlagartig von 19,6 Prozent – dem höchsten Stand seit 1935 – auf 9,1 Prozent. Doch die Erleichterung währte nur kurz. Trump griff umgehend zu einem alternativen Rechtsinstrument und kündigte über die sozialen Medien an, den neuen globalen Einfuhrzoll auf 15 statt der zunächst geplanten 10 Prozent zu setzen. Die Rechtsgrundlage, Sektion 122 des Trade Act von 1974, erlaubt allerdings nur temporäre Massnahmen für 150 Tage.
Für Anleger ergibt sich daraus ein hochgradig instabiles Regime, analysiert Michaël Nizard, Leiter Multi-Asset & Overlay bei Edmond de Rothschild Asset Management.
Die Bandbreite der möglichen Entwicklungen ist beträchtlich: Im optimistischen Fall laufen die temporären Zölle nach 150 Tagen aus und der effektive Satz pendelt sich bei rund 9 Prozent ein – ein deutlich investorenfreundlicheres Umfeld als in den vergangenen Monaten.
Im Basisszenario verhandelt Washington neue bilaterale Abkommen, die irgendwo zwischen 10 und 15 Prozent landen. Im pessimistischen Fall findet Trump einen weiteren Rechtsweg, um das Zollniveau dauerhaft hochzuhalten. Diese Unsicherheit dürfte die Volatilität in den kommenden Monaten hochhalten – und spricht gegen eine zu starke Konzentration auf den US-Markt.
Das im vergangenen Jahr ausgehandelte Handelsabkommen zwischen Washington und Bruxelles steht auf der Kippe. Die EU-Mitgliedstaaten haben zwar zugestimmt, doch die Ratifizierung durch das Europäische Parlament dürfte ins Stocken geraten, nachdem Trump die Bedingungen einseitig verändert hat. Die Europäische Kommission hat bereits «vollständige Klärung» verlangt.
Für Anleger mit Positionen in europäischen Exportwerten – insbesondere in der Automobil-, Maschinenbau- und Luxusgüterbranche – erhöht sich das Risiko erneut. Gleichzeitig stärkt die Situation die Investitionsthese für Unternehmen, die primär vom europäischen Binnenmarkt profitieren, etwa im Bereich Infrastruktur, Verteidigung und Energiewende.
Auch der britische Markt wird in Mitleidenschaft gezogen: London hatte sich einen Zollsatz von 10 Prozent gesichert, der nun auf 15 Prozent steigt.
Ein oft übersehener Aspekt: Die US-Zolleinnahmen waren ein wesentlicher Baustein der fiskalischen Planung Washingtons. Laut Schätzungen des «Budget Lab» rechnete man für 2026 bis 2035 mit rund 2,4 Billionen Dollar an Zolleinnahmen. Nach dem Supreme-Court-Urteil dürften diese Projektionen deutlich zusammenschmelzen. Das könnte die ohnehin angespannte US-Haushaltslage verschärfen und mittelfristig auf die Treasury-Renditen drücken – oder diese nach oben treiben, falls der Markt höhere Defizite einpreist.
Für Nizard bestätigt die jüngste Eskalation eine Entwicklung, die sein Haus seit Monaten als zentrale Anlagethese verfolgt: die geografische Rotation weg von US-Aktien. Die Logik dahinter ist doppelt: Einerseits belasten die Zölle die amerikanische Wirtschaft durch höhere Importkosten und gedämpftes Konsumentenvertrauen. Andererseits reagieren andere Wirtschaftsräume – allen voran Europa – mit eigenen Impulsprogrammen auf die geopolitische Zeitenwende.
Konkret setzt Edmond de Rothschild AM auf zwei kürzlich lancierte Strategien: «Global Resilience» investiert in Unternehmen mit robusten Geschäftsmodellen, die sich in einem instabilen Umfeld behaupten. «Mission Europa» zielt auf Firmen, die von der europäischen Antwort profitieren – etwa höhere Verteidigungsausgaben, beschleunigte Energiewende und Reindustrialisierung.
Daneben hält das Haus an seiner Übergewichtung japanischer und Schwellenländeraktien fest. Beide Märkte hätten in den vergangenen Monaten die US-Börsen outperformt – ein Trend, der durch die neuerliche Zollunsicherheit weiteren Rückenwind erhalten dürfte.
Anleger stehen vor einer grundsätzlichen Frage: Wie viel US-Exposure ist angemessen in einer Welt, in der die amerikanische Handelspolitik von Gerichtsurteilen, Social-Media-Posts und 150-Tage-Fristen abhängt? Die Volatilität der Rahmenbedingungen selbst – nicht nur der Zollsätze – dürfte zum bestimmenden Faktor der kommenden Quartale werden. Wer breit diversifiziert ist und auf Qualität setzt, dürfte besser durch diese Phase kommen als Anleger, die auf eine schnelle Normalisierung wetten.