In die rasch voranschreitende Energiewende investieren

Recycling ist ein zentrales Themen beim nachhaltigen Verhalten, ob privat oder kommerziell. (Bild: Shutterstock.com/Sunset Paper)
Recycling ist ein zentrales Themen beim nachhaltigen Verhalten, ob privat oder kommerziell. (Bild: Shutterstock.com/Sunset Paper)

Die Umstellung auf netto Null erfordert drastische Veränderungen. Vermögensverwalter spielen dabei eine zentrale Rolle. Sie lenken Kapital zu Unternehmen mit zukunftsweisenden Lösungen. Investoren eröffnen sich vielversprechende Möglichkeiten. Wo man sie findet, erläutert David Page, Leiter Makro-Research von Axa Investment Managers.

16.09.2022, 11:22 Uhr
Nachhaltigkeit

Redaktion: hf

Regierungen und Unternehmen weltweit haben sich verpflichtet, ihre Emissionen in den nächsten 30 Jahren auf netto Null zu reduzieren. Um dieses Ziel zu erreichen und Unternehmen von kohlenstoffintensiven und verschwenderischen Praktiken abzubringen, sind umfangreiche Investitionen erforderlich. Die Allokation von Vermögenswerten wird vor diesem Hintergrund zunehmend auf die Dekarbonisierung ausgerichtet. Aktive, verantwortungsvolle Investoren spielen bei der Energiewende eine zentrale Rolle.

Die Vermögensverwaltung hat sich in den letzten Jahren dramatisch verändert, erklärt Makro-Chefanalyst von Axa IM, David Page. Das öffentliche Bewusstsein, die Regierungspolitik und die Regulierung wenden sich vermehrt der Nachhaltigkeit zu, was auch im Asset Management seinen Niederschlag findet. Investoren steht eine immer grössere Bandbreite von nachhaltigen Vermögenslösungen zur Verfügung.

Einer der wichtigsten und sich am stärksten entwickelnden Sektoren im Zusammenhang mit der Energiewende ist die Technologie. Solar-, Wind- und andere erneuerbare Energien gehören inzwischen zu den etablierten Energiequellen. Doch bis sie die Energieerzeugung aus fossilen Brennstoffen ersetzen können, ist es noch ein weiter Weg.

Für Investierende, die an der Entwicklung und an den langfristigen Wachstumschancen von neuen Technologien der Energiewende partizipieren möchten, beleuchtet David Page einzelne, "vielversprechende Möglichkeiten", wie er darlegt:

Erneuerbare Energien

Ein Teil der Umstellung auf eine kohlenstoffarme Wirtschaft ist die vollständige Elektrifizierung vieler energieintensiver Aktivitäten von Unternehmen und Konsumenten. Das reicht von Elektroautos über die Abschaffung von Gasheizungen bis hin zum Ziel, auch grössere industrielle Produktionsprozesse ausschliesslich mit Strom zu betreiben.

Alternative Treibstoffe, vor allem Wasserstoff und die Technologie, die es ermöglicht, Wasserstoff zu einer kommerziell nutzbaren Energiequelle zu machen, sind für Page interessante Möglichkeiten für Investoren. Es gibt in diesem Bereich eine Vielzahl von Unternehmen, die zur Realisierung einer auf erneuerbarer Energie basierenden Wirtschaft und Gesellschaft beitragen.

Smarte Energie

Die Produktionskapazitäten für erneuerbare Energien werden rasch ausgeweitet. "Doch die entsprechende digitale und physische Infrastruktur muss verbessert werden", so der Chef-Analyst. Die durch den Einmarsch Russlands in die Ukraine verursachte Belastung der europäischen Energieversorgung zeigt deutlich, dass Europa nicht in der Lage ist, sich in absehbarer Zeit von fossilen Brennstoffen zu lösen. Um netto Null zu erreichen, müssen in den nächsten dreissig Jahren schätzungsweise 5,8 Bio. US-Dollar jährlich in die Energieinfrastruktur investiert werden (siehe BloombergNEF’s New Energy Outlook, August 2021).

Verkehr

Elektrofahrzeuge sind eine der bekanntesten Investitionen in die Energiewende. Dabei geht es nicht nur um die Fahrzeuge selbst, sondern auch um die Infrastruktur für Elektrofahrzeuge, zum Beispiel Ladetechnik, Batterien, Telemetrie und Chips. Diese Unternehmen braucht es, um Elektroautos überhaupt produzieren zu können – und die für 2040 prognostizierten Zahl von 66 Mio. verkaufte Fahrzeuge pro Jahr zu erreichen. Zum Vergleich: 2020 wurden weltweit gut drei Millionen Elektrofahrzeuge verkauft.

Landwirtschaft

Auch in der Landwirtschaft bieten sich spannende Möglichkeiten, da die Konsumenten von Unternehmen und Gesellschaften eine effizientere Landwirtschaft fordern: von Wassereffizienz und Fleisch aus dem Labor bis hin zu Präzisionslandwirtschaft und platzsparenden, vertikalen Farmen. Vor allem die Wassernutzung dürfte in Zukunft zu einem zentralen Nachhaltigkeitsfaktor werden.

Auch die Suche nach Alternativen zu tierischen Produkten hat für immer mehr Verbraucher hohe Priorität. Wie Page mit Verweis auf einen Bloomberg Intelligence-Report vom August 2021ausführt, dürfte der Markt für pflanzenbasierte Lebensmittel von 29,4 Mrd. US-Dollar 2020 auf 162 Mrd. US-Dollar im Jahr 2030 wachsen.

Recycling

Abfallmanagement und Recycling betreffen sämtliche Unternehmen und Branchen. Alle müssen nach Lösungen suchen, um die Menge der verwendeten Rohstoffe zu verringern. Auf dem Weg zur Kohlenstoffneutralität wird die Reduktion oder gar der weitest mögliche Stopp von Abfall für viele Unternehmen zu einer wichtigen Priorität. Der weltweite Markt für Elektronikrecycling etwa dürfte von 40 Mrd. US-Dollar in diesem Jahr auf 66 Mrd. US-Dollar 2026 wachsen.

Netto Null: drastische Änderungen – und viele Chancen

Die Umstellung auf netto Null erfordert neue Unternehmenspraktiken. Axa IM ist sich bewusst, dass Vermögensverwalter bei der Unterstützung dieses Prozesses eine entscheidende Rolle spielen, was wiederum neue Möglichkeiten eröffnet. "Die schiere Anzahl der im letzten Jahr aufgelegten ESG-Fonds zeigt, in welche Richtung die Kapitalallokation geht", erläutert David Page. Allein im vierten Quartal 2021 stieg die Zahl der nachhaltigen Fonds weltweit um 9%, wie Daten von Morningstar zeigen.

Es braucht die gemeinsamen Anstrengungen aller Wirtschaftsprotagonisten, um den Kohlenstoffausstoss zu reduzieren und die Ziele des Pariser Abkommens von 2015 zu erreichen. "Vermögensverwalter müssen nach Wachstumschancen suchen und diejenigen Unternehmen unterstützen, die die richtigen Lösungen für eine stärkere und nachhaltigere wirtschaftliche Zukunft liefern", folgert der Leiter Makro-Research des zur französischen Versicherungsgruppe gehörenden Asset Managers.

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