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Der Natur schaden ist ein Investmentrisiko, sie bewahren eine Chance

Naturerhaltende Prozesse sind genauso wichtig wie die Reduktion von Schadstoffen. (Bild: Shutterstock.com/Avigator Fortuner)
Naturerhaltende Prozesse sind genauso wichtig wie die Reduktion von Schadstoffen. (Bild: Shutterstock.com/Avigator Fortuner)

Klimaschutz zielt oft auf spezifische Nachhaltigkeitsaspekte, wie CO2-Reduktion, Übergang zu erneuerbaren Energien und Erhalt der Biodiversität. Doch es ist an der Zeit, einen umfassenderen Ansatz zu verfolgen, der den Erhalt der Natur als essenziellen Teil betrachtet. Das fordert Jenn-Hui Tan, Chief Sustainability Officer von Fidelity.

21.12.2023, 15:32 Uhr
Nachhaltigkeit

Redaktion: hf

Der Verlust von Natur und des inhärenten Naturkapitals ist eines der gravierendsten Risiken der nächsten Dekade. Immer mehr Land- und Meeresflächen werden nutzbar gemacht bzw. ausgebeutet. Diese Praxis ist für über 50 Prozent der weltweiten Beeinträchtigungen von Ökosystemen verantwortlich. Beispielsweise werden mehr als 80 Prozent des globalen Abwassers unbehandelt in die Umwelt abgelassen – eine weitere ernsthafte Bedrohung für die Meere.

Jede wirtschaftliche Tätigkeit ist von der Natur abhängig. Sie erbringt viele wesentlichen «Leistungen» wie etwa die Bestäubung von Pflanzen oder die Bereitstellung sauberen Wassers. Es wird geschätzt, dass mehr als 50 Prozent des weltweiten BIP in mittlerem oder hohem Masse von der Natur abhängig sind.

Alles hängt an der Natur

Im Umkehrschluss heisst das: Je mehr die Natur Schaden nimmt, desto grösser werden die finanziellen Risiken für die Wirtschaft und die Finanzmärkte. Investoren stehen daher in der Pflicht, diese Risiken in ihre Investitions- und Analyseprozesse einzubeziehen.

Um dem Naturverlust effektiv entgegenzuwirken, müssen Finanzmarktakteure sowohl Synergien als auch Wechselwirkungen zwischen Klima und Natur verstehen. Um es deutlich zu sagen: Das Netto-Null-Ziel ist ohne Naturerhalt nicht möglich.

Naturverlust und Klimawandel hängen also zusammen; es bieten sich aber auch Chancen: Analysen der Global Commission on Adaptation zeigen, dass weltweite Investitionen von 1,8 Bio. US-Dollar in fünf naturbezogene Zielbereiche von 2020 bis 2030 einen wirtschaftlichen Gesamtnutzen von 7,1 Bio. US-Dollar generieren können.

Gemeint sind zum Beispiel Frühwarnsysteme, eine klimaresiliente Infrastruktur, eine umweltschonende Agrarproduktion in Trockengebieten, der weltweite Mangrovenschutz oder Projekte, um Wasserquellen widerstandsfähiger zu machen.

Privates Kapital gesucht

Das Umweltprogramm der Vereinten Nationen schätzt, dass, um internationale Verpflichtungen zu erfüllen, bis 2050 Investitionen von 8,8 Bio. US-Dollar erforderlich sind. Dabei geht es um Investitionen in den Naturschutz direkt, aber auch um Anwendungen, Prozesse und ähnliches.

Derzeit werden jährlich nur etwa 146 Mrd. US-Dollar investiert, und privates Kapital macht davon lediglich 17 Prozent aus. Im Bereich Klimaschutz stammen hingegen schon mehr als die Hälfte aller Investitionen aus dem Privatsektor. Es gibt also eine erhebliche Lücke, die geschlossen werden muss.

Breite Auswahl an Anlageinstrumenten

Heute gibt es bereits vielfältige Finanzinstrumente und alternative Anlageklassen, die Unternehmen mit naturerhaltenden Praktiken finanzieren. Die Rede ist hier etwa von nachhaltigen Anleihen, Debt-for-Nature-Swaps, sogenannte Blue Bonds oder die stetig wachsenden Märkte für Kohlenstoff- und Biodiversitätskredite.

Auch nachhaltige thematische Anlagestrategien in Biodiversität, Wasser, Abfall oder Klimalösungen gewinnen an Bedeutung. Die Möglichkeiten für Investoren, sich im Bereich Naturerhalt zu engagieren, sind vielfältig.

Wofür man sich auch immer entscheidet: Finanzströme von naturschädigenden hin zu naturerhaltenden Aktivitäten umzulenken, führt zu besseren langfristigen finanziellen, Umwelt- und sozialen Ergebnissen für Anleger und die Gesellschaft insgesamt.

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