Real Estate Conferences Day: Die Zukunft der Immobilie ist digital

Neben den permanenten Faktoren Demographie und rasante Urbanisierung wirkt sich auch immer mehr die Digitalisierung direkt und indirekt auf den Immobiliensektor aus. Neben einem zusätzlichen Distributionskanal eröffnen sich damit auch weitere Chancen im Markt.

01.06.2017, 08:57 Uhr

Redaktion: hgr

Die Anforderungen an das Asset Management in der Asset Klasse Real Estate bedingt immer mehr schnelleres und flexibles Handeln gegenüber den Mitbewerbern und pro-aktives Asset Management um Risiken und Potential frühzeitig zu erkennen. Ein Wandel vom Verwalter zum Asset Manager ist im anspruchsvollen Geschäftsflächenmarkt unabdingbar, so Roger Hennig, Head of Real Estate, Schroders, wie anlässlich der Asset Management 2017 Veranstaltung der Academy for Best Execution am 18. Mai deutlich aufzeigte.

Den nicht traditionellen Asset-Klassen wird 2017 eine hohe Bedeutung beigemessen und Immobilien gehören dazu. Real Estate Investitionen im Ausland bleiben auch weiterhin interessant. Die Renditen schweizerischer Immobilienfonds und aktien sind im Vergleich zu Obligationszinsen geradezu fürstlich. Im Schweizer Markt werden aufgrund der Produktknappheit weiterhin Preiserhöhungen erwartet, obwohl das Transaktionsvolumen eher tiefer als in 2016 ausfallen wird. Die Entwicklung der Hypothekenzinsen wird ebenso einen Einfluss auf die weitere Preisentwicklung haben und teilt die Lager. Während cash.ch nach Trumps Einzug ins Weisse Haus prognostizierte, dass der "Trump-Sieg Schweizer Hypozinsen tief halten wird", titelte die Finanz und Wirtschaft "Die Wahl Trumps lässt Hypo-Zinsen steigen".

Standardisierung für Notariate und Grundbuchämter
Der Immobilientransaktionsmarkt setzt sich pro Jahr aus ca. CHF 60-70 Mrd. Wohn- und ca. CHF 30-40 Mrd. Gewerbeimmobilien zusammen. Im Schnitt wechseln pro Jahr ca. 25000 Einfamilienhäuser, 25000 Eigentumswohnungen, 2500 Mehrfamilienhäuser und 2500 Gewerbeimmobilien den Besitzer. Die Zukunft der Immobilie ist digital, erklärte Andreas Bleisch von Wüest Partner. Digitale Marktplätze etablieren sich für jegliche Güter und gerade Immobilien sind reif für den Online-Handel. Die Vorteile für den Käufer liegen auf der Hand: Niedrigere Such- und Prüfkosten, vereinfachte Compliance und mit entsprechenden Suchprofilen wird eine kürzere Transaktionszeit erreicht. Der Anbieter findet mehr potentielle Käufer, reduziert seine Transaktionskosten und erreicht eine höhere Prozesssicherheit. Für Makler ergibt sich ein zusätzlicher Distributionskanal, der Finanzier vermittelt Hypotheken und Berater, Treuhänder und Anwälte vermitteln Aufträge. Langfristig sollte damit auch eine Standardisierung für Notariate und Grundbuchämter erfolgen.

Die Due Diligence im Immobilienbereich stellt den Käufer vermehrt vor Herausforderungen. Mag früher die Meinung vorgeherrscht haben, Immobiliengeschäfte wickelt der Notar ab, ist heute der Rechtsbeistand unabdinglich. Bei Erstreckungsrisiken, öffentlichem Baurecht, Lex Koller, Lex Airbnb, Bewilligungen, Konzessionen, Baubewilligungen, Umweltschutzgesetz und bäuerlichen Bodenrecht über kantonale Allgemeinverfügungen lassen sich viele Stolpersteine finden. Die typischen Fehler sind laut JLL, externe Akquisitionsbewertungen als Ersatz für die eigene Due Diligence zu sehen, dass Verkehrs- und Konstruktionsflächen in den Mietflächen enthalten sind, dass Liegenschaftssteuer übersehen werden und die bestehenden Mietverträge kaum Kostenumlagen erlauben. Dazu werden eventuelle Sanierungsplanungen nach zu konservativen Lebenszeittabellen vorgenommen.

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