13.10.2026, 11:17 Uhr
Das Fintech 21Shares hat ein synthetisches Pre-IPO-ETP auf den vor einem möglichen Börsengang stehenden KI-Konzern Anthropic lanciert. Damit sollen Anleger über das an der Wiener Börse gehandelte Instrument Zugang...
Am Freitagmorgen kostet die grösste Kryptowährung wieder knapp 82'000 US-Dollar. Für eine Trendwende fehlt aber einiges: Die ETF-Anleger halten sich zurück, und Fed-Chef Kevin Warsh lässt sich nicht in die Karten blicken.
Am Donnerstag fiel Bitcoin auf der Plattform Bitstamp bis auf 79'693 US-Dollar und damit erstmals seit rund einem Monat unter die Marke von 80'000 US-Dollar. Die Käufer griffen jedoch rasch zu: Laut dem Fachportal CoinDesk dauerte der Ausflug unter die Marke nur rund zwei Stunden, danach stieg der Kurs zeitweise auf rund 82'500 US-Dollar. Am Freitagmorgen notierte Bitcoin um 7.45 Uhr Schweizer Zeit bei rund 81'970 US-Dollar, knapp 1,8 Prozent höher als 24 Stunden zuvor.
Längerfristig bleibt das Bild verhalten. Im Sommer war Bitcoin zeitweise auf rund 60'000 US-Dollar gefallen, im August und September erholte sich der Kurs. Im Oktober ging es bisher nicht weiter aufwärts. Zum Rekordhoch von rund 126'000 US-Dollar vom Oktober 2025 fehlt noch immer gut ein Drittel.
Der Rückschlag war Teil eines breiten Rückzugs aus riskanten Anlagen. Timo Emden vom Handelshaus Captrader sprach von einem «Unsicherheitscocktail aus Zinssorgen, KI-Zweifeln und einem sinkenden Risikoappetit der Anleger». Besonders unter Druck standen Chip- und KI-Werte: Der südkoreanische Leitindex Kospi fiel am Donnerstag auf den tiefsten Schlussstand seit April.
Die Gegenbewegung verlief ebenso im Gleichschritt. Am Freitagmorgen legte der Kospi fast 3 Prozent zu, Samsung Electronics und SK Hynix gewannen je über 2 Prozent, der breite MSCI-Index für den Raum Asien-Pazifik stieg um 1,3 Prozent. Bitcoin bewegt sich derzeit also weniger wie ein eigenständiger Wertspeicher als wie eine Technologieaktie.
Im Hintergrund wirkt vor allem die Inflation. Die US-Konsumentenpreise stiegen im September um 3,7 Prozent gegenüber dem Vorjahr, erwartet worden waren 3,6 Prozent. Die Produzentenpreise legten sogar um 6,3 Prozent zu. Die US-Notenbank hatte den Leitzins bereits im September um einen Viertelprozentpunkt auf 3,75 bis 4,00 Prozent angehoben, erstmals seit 2023. Die Rendite zehnjähriger US-Staatsanleihen stieg am Freitagmorgen auf 5,07 Prozent. Das macht zinslose Anlagen wie Bitcoin weniger attraktiv.
Direkt nach den Konsumentenpreisen stieg die am Markt eingepreiste Wahrscheinlichkeit einer weiteren Zinserhöhung an der Fed-Sitzung vom 27. und 28. Oktober zeitweise auf fast 50 Prozent. Laut dem FedWatch-Tool der CME lag sie am Donnerstag wieder bei rund 27 Prozent. Can-Luca Köymen, Investmentstratege bei der Zürcher Kryptobank Sygnum, bringt es auf den Punkt: «Für Bitcoin sind höhere Renditen und ein festerer Dollar der kurzfristige Gegenwind.»
Mit Spannung erwartet worden war der Auftritt von Fed-Chef Kevin Warsh an der Jahrestagung von Internationalem Währungsfonds und Weltbank in Bangkok in der Nacht auf Freitag. Ein Signal für die nächsten Zinsschritte gab er nicht. «Ich halte nichts davon, Sitzungen vorwegzunehmen», sagte Warsh. Die Fed habe klargemacht, dass sie Preisstabilität gewährleisten werde. Die Sitzungen im Oktober und Dezember seien die Momente, an denen sich das Bild zu Wachstum, Beschäftigung und Inflation kläre.
Seit der September-Sitzung habe sich die Welt weitgehend so entwickelt, wie die Fed es erwartet habe, so Warsh. Marktbeobachter werten das als leicht restriktiven Unterton, denn die meisten Fed-Mitglieder hatten im September für dieses Jahr mindestens eine weitere Zinserhöhung erwartet. Deutlicher wurde Beth Hammack, Präsidentin der Fed von Cleveland: Die Notenbank müsse womöglich entschlossener handeln, falls sich eine Inflationsmentalität festsetze. Der Dollar gab im asiatischen Handel leicht nach, Gold legte zu.
Die grossen Investoren sind derzeit kaum auf der Käuferseite. Aus den US-Spot-Bitcoin-ETF flossen am Mittwoch netto rund 261 Millionen US-Dollar ab, nachdem sie am Dienstag noch rund 176 Millionen US-Dollar angezogen hatten. Am Donnerstag waren die Flüsse laut Farside Investors mit einem Nettozufluss von rund 5 Millionen US-Dollar praktisch ausgeglichen. Eine anhaltende institutionelle Nachfrage, die eine Erholung tragen könnte, ist damit noch nicht erkennbar.
Verstärkt wurde die Bewegung durch den Abbau von Hebelpositionen. Laut dem Datenanbieter Coinglass wurden innerhalb von 24 Stunden gehebelte Kryptopositionen im Umfang von über 929 Millionen US-Dollar zwangsweise geschlossen, mehrheitlich Wetten auf steigende Kurse.
Ether, Solana, XRP und Tron legten im asiatischen Handel am Freitag jeweils rund 1 Prozent zu, BNB trat an Ort. Ether war am Donnerstag auf 2'314 US-Dollar gefallen, den tiefsten Stand seit dem 20. August. Klarer Ausreisser war Zcash mit einem Plus von rund 8 Prozent auf etwa 1'190 US-Dollar.
Charttechnisch richtet sich der Blick auf zwei Zonen. Die Marke von 80'000 US-Dollar hat sich vorerst als Unterstützung erwiesen, ein erneuter Bruch würde die schnelle Erholung infrage stellen. Darüber liegt der Widerstand bei 84'000 US-Dollar, wo der Anstieg nach den Inflationsdaten am Mittwoch ins Stocken geraten war. Das Krypto-Handelshaus QCP Capital erwartet für das vierte Quartal eine Handelsspanne zwischen 80'000 und 90'000 US-Dollar.
Bis auf Weiteres bleibt der jüngste Anstieg eine Gegenbewegung nach einem Ausverkauf. Ob daraus mehr wird, entscheidet sich weniger am Kryptomarkt selbst als bei den Zinsen – spätestens an der Fed-Sitzung Ende Oktober.