12.03.2026, 09:25 Uhr
Eine neue Studie des Department of Finance der Universität Zürich, erstellt im Auftrag der Bank von Roll, kommt zu einem überraschenden Schluss: Edelmetalle spielen eine weit wichtigere Rolle im langfristigen...
Der Goldpreis bewegt sich weiterhin nahe historischer Höchststände. Nachdem das Edelmetall Anfang 2026 zeitweise über 5’400 US-Dollar je Feinunze gestiegen war, konsolidierte der Markt zuletzt leicht, bleibt jedoch klar über der Marke von 5’000 Dollar.
Der starke Preisanstieg der vergangenen Jahre ist das Ergebnis mehrerer struktureller Kräfte: geopolitische Spannungen, hohe Staatsverschuldung, anhaltende Käufe der Zentralbanken sowie die Suche vieler Anleger nach realen Vermögenswerten in einem unsicheren makroökonomischen Umfeld.
Hinzu kommen neue geopolitische Risiken. Der Konflikt im Nahen Osten hat zuletzt erneut Inflationsängste geschürt und sorgt für steigende Energiepreise, was wiederum die geldpolitischen Erwartungen beeinflusst. Höhere Inflation und eine unsichere Zinsentwicklung erhöhen traditionell die Attraktivität von Gold als Absicherungsinstrument gegenüber Währungs- und Marktrisiken.
Gleichzeitig bleibt die strukturelle Nachfrage hoch. Zentralbanken bauen ihre Goldreserven seit Jahren aus, um ihre Abhängigkeit vom US-Dollar zu reduzieren und ihre Währungsreserven breiter zu diversifizieren. In einer zunehmend fragmentierten Weltwirtschaft gewinnt Gold dadurch erneut an Bedeutung als monetärer Reservewert.
«Gold bleibt für viele Anleger ein strategischer Diversifikator – gerade in einem Umfeld erhöhter geopolitischer und makroökonomischer Unsicherheit», sagt David Kunz, Börsenexperte bei BX Swiss. In Zeiten steigender Schuldenstände und latenter Währungsrisiken fungiere das Edelmetall weiterhin als Krisen-, Inflations- und Absicherungsbaustein.
Auch innerhalb eines diversifizierten Portfolios erfülle Gold weiterhin eine stabilisierende Funktion. Historisch habe sich das Edelmetall in Marktphasen, in denen Aktienmärkte unter Druck geraten, häufig vergleichsweise robust gezeigt.
Aus Sicht der Vermögensallokation bleibt Gold auch für Multi-Asset-Portfolios attraktiv. Lombard Odier hält an der Übergewichtung fest und verweist darauf, dass Rohstoffe weiterhin Diversifizierungsvorteile bieten können – sowohl bei positiven Konjunkturüberraschungen als auch bei Angebotsstörungen infolge geopolitischer Spannungen.
Auch Matt Bance, Portfoliomanager bei T. Rowe Price, sieht Gold weiterhin als wichtigen Portfolio-Baustein. Das Haus bevorzugt Gold innerhalb der Allokation und bleibt gleichzeitig bei der Duration untergewichtet. Gold könne – ähnlich wie Anleihen – dazu beitragen, Kursrückgänge bei Aktien in Phasen wirtschaftlicher Schwäche und sinkender Realrenditen abzufedern, habe sich zuletzt jedoch robuster gegenüber steigenden Realrenditen gezeigt als klassische Staatsanleihen.
Während Bitcoin häufig als «digitales Gold» bezeichnet wird, habe die Kryptowährung im vergangenen Jahr deutlich schwächer abgeschnitten. Der Unterschied unterstreiche den Status von Gold als Reserveanlage mit monetärer Funktion.
Die Bendura Bank sieht den langfristigen Ausblick für Gold weiterhin klar positiv, beurteilt die kurzfristige Lage jedoch zurückhaltender. Geopolitische Spannungen – insbesondere im Zusammenhang mit dem Iran – sowie möglicher Abwärtsdruck auf US-Zinsen und den US-Dollar könnten dem Edelmetall kurzfristig Unterstützung geben.
Strukturell bleibt das Umfeld aus Sicht der Bendura Bank konstruktiv. Gold habe in den vergangenen Jahren eine starke Wertentwicklung gezeigt und gewinne aufgrund seiner niedrigen Korrelation zu Aktien zunehmend an Bedeutung als Diversifikator im Portfolio. Zudem dürften Zentralbanken ihre Goldkäufe fortsetzen, da viele Länder den Anteil ihrer in US-Dollar gehaltenen Reserven reduzieren. Auch wachsende Zweifel an der Tragfähigkeit staatlicher Schulden könnten langfristig inflationärere Politiken begünstigen – ein Umfeld, in dem Gold weiterhin als eines der wirksamsten Absicherungsinstrumente gilt.