27.03.2026, 11:48 Uhr
Die Private-Credit-Branche, die eine Dekade lang als krisenresistente Renditemaschine galt, erlebt ihren ersten echten Stresstest im industriellen Massstab. Was sich im ersten Quartal 2026 abspielt, ist mehr als ein...
ESG ist erwachsen geworden – und das ist gut so. Die Euphorie mag vorbei sein, aber die Substanz bleibt. Investoren fordern heute messbare Ergebnisse statt schöner Worte. Und erneuerbare Energien sind zur wirtschaftlich attraktivsten Option geworden. Warum nachhaltiges Investieren heute anspruchsvoller, aber auch vielversprechender ist als je zuvor, schreibt Eric Pedersen, Head of Responsible Investments bei Nordea Asset Management.
Die Schlagzeilen der letzten Monate lesen sich wie ein Nachruf: ESG-Backlash in den USA, regulatorisches Zögern in Europa, sinkende Mittelzuflüsse in nachhaltige Fonds. Doch wer hinter die politische Kulisse schaut, erkennt ein anderes Bild, so der Experte von Nordea Asset Management, Eric Pedersen, in einer Analyse.
Laut Pedersen sind Wind-, Solar- und Batteriespeichertechnologien längst nicht mehr Ideologie – sie sind Ökonomie. Sie haben sich still und leise zur günstigsten und schnellsten Möglichkeit entwickelt, die Stromversorgung auszubauen: für Haushalte, Transport, Rechenzentren und eine wachsende Zahl industrieller Prozesse. Paradoxerweise gehören dazu mittlerweile sogar Ölfelder, die auf günstige erneuerbare Energie als Betriebsenergie setzen.
Die Ära, in der jede Strategie mit dem Label «ESG» automatisch Milliarden anzog, ist vorbei. 2020 und 2021 war das anders: Damals genügte oft der Name. Heute stellen Investoren härtere Fragen. Was sind die tatsächlichen Auswirkungen? Wie glaubwürdig ist die Transformationsstrategie eines Unternehmens? Wie solide ist das Stewardship-Programm des Managers?
Diese Verschiebung ist kein Rückzug. Sie ist Ausdruck einer Reifung des Makts, ist Pedersen überzeugt. Der Fokus bewegt sich weg von Labels und Inputs hin zu messbaren Ergebnissen – bei realen Klimaauswirkungen, Reputationsintegrität und finanzieller Rendite. Gerade institutionelle Anleger machen ein robustes Investment-Stewardship-Programm zur Voraussetzung bei der Managerauswahl.
Die jüngste Renditeentwicklung liefert dazu passendes Datenmaterial: Der S&P Global Clean Energy Transition Index legte 2025 um 44 Prozent zu – und liess damit sowohl den S&P 500 (+16%) als auch den S&P Global Oil Index (+11%) weit hinter sich.
Gleichzeitig steigt der Strombedarf strukturell: Elektrifizierung der Wirtschaft, KI-Infrastruktur, Cloud-Rechenzentren. Technologiegiganten verfolgen weiterhin ambitionierte Clean-Energy-Ziele. Die Deckung dieses Bedarfs ohne katastrophale Emissionsanstiege ist keine Wahl, sondern eine Notwendigkeit – und ein Investitionsthema.
Unter den Energieversorgern steht die RWE exemplarisch für den Wandel: Das deutsche Unternehmen verbindet einen konsequenten Kohleausstieg mit dem systematischen Ausbau erneuerbarer Kapazitäten und positioniert sich damit als einer der Hauptprofiteure der europäischen Energiewende. Aktives Engagement durch Investoren hat diesen Kurs mitgeprägt – und die Glaubwürdigkeit wissenschaftlich fundierter Klimaziele des Konzerns gestärkt.
Nicht alle Klimarisiken sind gleichermassen sichtbar. Methanemissionen verursachen etwa schätzungsweise 30 Prozent der heutigen globalen Erwärmung – und bleiben im Investorendiskurs oft unterrepräsentiert. Individuelles Engagement reiche hier nicht aus, so Nordea. Gefragt sind koordinierte Koalitionen entlang der gesamten Wertschöpfungskette.
Nordea Asset Management leitet seit 2022 ein kollektives Engagement-Programm mit gleichgesinnten Investoren, das auf substanzielle Methanreduktionen in Energie, Versorgung und Abfallwirtschaft zielt. Parallel wandten sich 44 institutionelle Investoren mit einem verwalteten Vermögen von über 4,5 Billionen Euro an die EU-Institutionen – mit einer klaren Forderung: Die angekündigte EU-Methanemissionsverordnung muss eingehalten und zügig umgesetzt werden.
Was heisst das für Anleger? Kurzfristige regulatorische Schwankungen erzeugen Verwirrung und nähren das falsche Narrativ, Nachhaltigkeit und Wettbewerbsfähigkeit seien unvereinbar. Für Unternehmen und Investoren, die strategisch denken, sind sie vor allem eines: Lärm. Und für Pedersen ist deshalb klar: Die Gewinner von morgen werden diejenigen sein, die ihre Ausrichtung halten – unabhängig von wechselnden politischen Stimmungslagen.