01.04.2026, 07:30 Uhr
Mit einem angestrebten Emissionsvolumen von 75 Milliarden US-Dollar und einer Unternehmensbewertung von über 1,75 Billionen Dollar übertrifft das Unternehmen des Milliardärs Elon Musk alles bisher Dagewesene. Nun...
Der Konflikt im Nahen Osten hat die globalen Finanzmärkte im März in Aufruhr versetzt. Swiss Life Asset Managers analysiert die Folgen des Ölpreisschocks auf Konjunktur, Kapitalmärkte und Schwellenländer – und bleibt trotz erhöhter Unsicherheit bei globalen Aktien übergewichtet.
Die faktische Schliessung der Strasse von Hormus hat rund 20 Prozent des weltweiten Seeöltransports unterbrochen und damit einen Energiepreisschock ausgelöst, der die Finanzmärkte seit Wochen in Atem hält. Der Ölpreis ist um rund 50 Prozent gestiegen, Inflationserwartungen sind gestiegen, Anleiherenditen haben angezogen und globale Aktien haben seit Ende Februar rund 8 Prozent verloren. Trotzdem lautet das Hauptszenario der Ökonomen und Strategen von Swiss Life Asset Managers: Die Lage deeskaliert – und die aktuellen Verwerfungen schaffen für geduldige Anleger Chancen.
Zunächst ein historischer Vergleich: Wer Parallelen zum Energiepreisschock von 2022 zieht, liegt aus Sicht von Swiss Life Asset Managers nur bedingt richtig. Damals trafen steigende Energiepreise auf eine stark expansive Geld- und Fiskalpolitik, pandemiebedingt angestaute Nachfrage und ausgeprägte Lieferkettenprobleme. Heute präsentiert sich die Ausgangslage anders: Die Geldpolitik gilt als neutral, der Arbeitsmarkt ist entspannter und energieintensive Industrien haben seit 2022 bereits strukturelle Anpassungen vorgenommen. Zweitrundeneffekte – etwa über steigende Löhne oder breit angelegte Preisüberwälzung – werden deshalb als begrenzt eingeschätzt.
Das bedeutet jedoch nicht, dass der Schock folgenlos bleibt. Für die Eurozone erwarten die Ökonomen nun eine temporär höhere Inflation 2026 und haben ihre Prognose entsprechend nach oben revidiert. Die Europäische Zentralbank, die im März ihren Leitzins stabil liess, dürfte im Jahresverlauf eine Zinserhöhung vornehmen – eine Kehrtwende gegenüber den noch im Februar eingepreisten Zinssenkungen.
Die USA treffen die höheren Energiepreise weniger hart als Europa: Als Nettoenergie-exporteur profitiert der amerikanische Energiesektor von steigenden Preisen, und lokales Erdgas bleibt von den globalen Preisverwerfungen weitgehend abgeschirmt. Der Kaufkraftverlust der Haushalte durch höhere Benzinpreise beziffert Swiss Life auf rund 0,4 Prozent des BIP – verkraftbar, wie die Ökonomen urteilen. Das Fed dürfte den temporären Inflationsanstieg ignorieren und 2026 noch eine Zinssenkung vornehmen.
Für die Schweiz bringt der Irankrieg eine unerwartete Konsequenz: Negative Inflationsraten und eine Rückkehr zu Negativzinsen der SNB sind vom Tisch. Seit Ende Februar ist der Heizölpreis in Zürich um 54 Prozent gestiegen; diese Preissteigerungen fliessen bereits im März in den Landesindex der Konsumentenpreise ein. Die SNB liess ihren Leitzins im März bei 0 Prozent und signalisierte keine unmittelbaren Anpassungsschritte.
Der März war für Anleger ein brutaler Monat. Fast alle grossen Anlageklassen rentierten negativ – es gab kaum einen sicheren Hafen. Globale Aktien, Staats- und Unternehmensanleihen gaben gleichzeitig nach. Selbst Gold brach ein, weil steigende Realrenditen seine Attraktivität schmälerten. Die klassische 60/40-Allokation verlor ihre Diversifikationswirkung, da Aktien und Staatsanleihen positiv korrelierten. Einzig Sachwerte wie Insurance-Linked Bonds und Schweizer Immobilien leisteten einen stabilisierenden Beitrag.
Regional zeigten sich grosse Unterschiede: US-Aktien verloren im März rund 5,7 Prozent – vergleichsweise wenig. Europäische Märkte büssten rund 8 bis 9 Prozent ein, der Schweizer Markt sogar knapp 9 Prozent, obwohl er als defensiv gilt. Besonders hart traf es zyklische Schweizer Titel wie Geberit, Sika und Roche mit Einbussen von je rund 15 Prozent. In den Schwellenländern war das Bild noch düsterer: Korea verlor in USD 15 Prozent, Indien 12 Prozent, Südafrika 22 Prozent.
Trotz der Turbulenzen bleibt Swiss Life Asset Managers bei globalen Aktien übergewichtet. Die Begründung: Starke Unternehmensgewinne stützten die Märkte, und historische Präzedenzfälle – seit 1970 gab es elf Episoden mit Ölpreisanstiegen von 50 Prozent oder mehr – zeigen, dass Aktien temporäre Schocks tendenziell ignorieren und nach zwölf Monaten im Median rund 14 Prozent zulegen.
Gezielt aufgestockt wurden Schweizer Aktien, weil der jüngste Ausverkauf als unverhältnismässig gilt und die starken Fundamentaldaten führender Schweizer Unternehmen nicht widerspiegelt. Untergewichtet bleiben Unternehmensanleihen: Trotz der jüngsten Spreadausweitung seien die Bewertungen gegenüber Aktien noch immer unattraktiv.
Im Währungsbereich hat der Dollar seinen Status als Fluchtwährung zurückgewonnen. Als Nettoenergieexporteur gilt die USA als strukturell besser gegen hohe Energiepreise geschützt; Swiss Life bleibt gegenüber dem USD positiv eingestellt.
Schwellenländer: Südasien unter Druck, China gut gepuffert
Besonders deutlich werden die Verwerfungen in den Schwellenländern. Südasiatische Volkswirtschaften wie Indien, Thailand, Vietnam und Indonesien sind stark von Ölimporten aus dem Nahen Osten abhängig und verfügen über geringe strategische Reserven. Mehrere Länder haben bereits Notmassnahmen zur Energieeinsparung eingeführt. Strukturell fragile Länder wie die Türkei und Südafrika sind besonders exponiert: Der Preisdurchschlag von Energie auf die Gesamtinflation ist dort erfahrungsgemäss sehr hoch.
China hingegen präsentiert sich als vergleichsweise resilient. Strategische Ölreserven decken den Verbrauch für mindestens fünf Monate, und Iran liefert weiterhin rund 12 Prozent der chinesischen Ölimporte. Der Inflationseffekt bleibt begrenzt, weil Energie nur rund 2 Prozent des chinesischen Konsumentenpreisindex ausmacht. Chinas Exporte stiegen in den ersten beiden Monaten des Jahres um mehr als 20 Prozent – getragen vom anhaltend starken Technologiezyklus.
Das Hauptrisiko für alle Szenarien bleibt dasselbe: die Dauer des Konflikts. Solange die Strasse von Hormus blockiert bleibt, zählt jede Woche.