13.03.2026, 08:57 Uhr
Eine stille Krise trat diese Woche aus dem Schatten der Kapitalmärkte ins Rampenlicht. Es geht um hohe Renditen, KI-Euphorie, mutmasslichen Betrug und enttäuschte Privatanleger. Dabei zeigt sich: Die Grossbanken...
Der Boom bei Rechenzentren wird zunehmend auch für Anleger zum Thema. Die Infrastruktur hinter Cloud-Diensten, künstlicher Intelligenz und datenintensiven Anwendungen wächst rasant – und mit ihr der Bedarf an Strom, Netzen und Hardware.
Auch in der Schweiz verändert sich der Markt spürbar. Unternehmen betreiben ihre IT immer seltener in eigenen Serverräumen und verlagern sie stattdessen in professionelle Datacenter. Gleichzeitig steigen die Anforderungen an Verfügbarkeit und Sicherheit, etwa in stark regulierten Branchen wie Finanzdienstleistungen oder Pharma. Für viele Organisationen sei IT heute geschäftskritisch und damit eng mit Rechenzentren und hybriden Cloud-Infrastrukturen verbunden, heisst es beim IT-Infrastrukturdienstleister Kyndryl.
Für Investoren wird der Sektor vor allem wegen seines Energiebedarfs interessant. Der Ausbau von künstlicher Intelligenz treibt den Stromverbrauch von Datacentern massiv nach oben. Schätzungen zufolge könnten grosse Technologiekonzerne in den kommenden Jahren jährlich Investitionen in Rechenzentren tätigen, die etwa einem Prozent des globalen Bruttoinlandsprodukts entsprechen. Rund die Hälfte dieser Summen fliesst in Energieinfrastruktur wie Stromnetze, Transformatoren oder Kabel, die andere Hälfte in Rechenhardware wie GPUs.
Damit entstehen entlang der gesamten Energie- und Infrastrukturkette neue Investitionsfelder. DNB Asset Management sieht den Ausbau der Stromnetze bereits als einen der zentralen Engpässe der Energiewende. Netzbetreiber in Europa planen ihre Investitionen in den kommenden fünf Jahren um ein Vielfaches zu erhöhen, während sich die Investitionen in Stromnetze in den USA über ein Jahrzehnt hinweg etwa verdoppeln könnten. Gleichzeitig fliesst in China bereits rund 40 Prozent der Investitionen im Energiesektor in Strominfrastruktur und -erzeugung.
Auch aus Sicht von La Financière de l’Échiquier (LFDE) ist der steigende Strombedarf durch Datacenter ein struktureller Treiber für Energiemärkte. Der Fondsmanager Alexis Bienvenu verweist darauf, dass künstliche Intelligenz enorme Mengen an Strom benötigt und damit den globalen Energiehunger weiter erhöht. Vor diesem Hintergrund rückt auch die Kernenergie wieder stärker in den Fokus von Investoren. Ein Index für Uran- und Nuklearinfrastrukturwerte legte innerhalb eines Jahres um 123 Prozent zu und hat sich über drei Jahre sogar verdoppelt.
Parallel wächst der politische Rückenwind für neue Energieprojekte. Mehr als 30 Staaten haben sich verpflichtet, ihre Kernenergieproduktion bis 2050 auszubauen. Gleichzeitig investieren grosse Technologieunternehmen selbst in langfristige Stromversorgung für ihre Rechenzentren – etwa über Verträge mit bestehenden Kraftwerken oder neue Reaktortechnologien wie kleine modulare Reaktoren (SMR).
Für Anleger ergibt sich daraus ein breites Infrastrukturthema: Der Ausbau von Rechenzentren treibt Investitionen nicht nur bei Technologieunternehmen, sondern auch bei Energieversorgern, Netzbetreibern, Kabelherstellern oder Halbleiterproduzenten. Wer auf die nächste Phase der Digitalisierung setzt, investiert deshalb zunehmend nicht nur in Software, sondern auch in die physische Infrastruktur dahinter.