04.02.2026, 11:35 Uhr
Im Segment der Mikro- und KMU-Finanzierungen entscheidet nicht das beste Makrobild über die Kreditqualität, sondern die Disziplin im Tagesgeschäft. Dies sagt Michele Mattioda, Investor Relations Manager und...
Die Ökonomen von Swiss Life Asset Managers sehen die Konjunktur 2026 und 2027 stark von staatlichen Ausgabenprogrammen geprägt. An den Aktienmärkten feiern bisherige Nachzügler ein Comeback.
Die US-Wirtschaft nimmt viel Schwung ins neue Jahr mit. Die Ökonomen von Swiss Life Asset Managers haben entsprechend die BIP-Prognose für 2026 auf 2,4 Prozent angehoben. Doch der robuste Privatkonsum steht laut ihrer Analyse auf wackeligem Fundament: Die Sparquote ist im November auf nur noch 3,5 Prozent gefallen. Der Arbeitsmarkt zeigt Schwächen, die Inflation wird nach Einschätzung der Ökonomen wegen methodischer Probleme bis März zu tief ausgewiesen.
Die «Kaufkraftkrise» bleibt das dominierende Thema bei amerikanischen Wählern. Das erklärt nach Ansicht von Swiss Life auch, warum die US-Regierung im Grönland-Konflikt zurückgekrebst ist: Der Anreiz, vor den Zwischenwahlen den Handelskrieg neu anzufachen, sei gering. Die Regierung versuche stattdessen mit populistischen Massnahmen wie Obergrenzen für Kreditkartenzinsen oder Eingriffen in den Häusermarkt das Kaufkraftthema anzugehen – Kurzfristmassnahmen mit problematischen Nebeneffekten, wie die Analysten anmerken.
Für 2027 erwarten die Ökonomen eine Normalisierung: 2 Prozent Wachstum, was dem Potenzial entspricht, und eine graduelle Rückkehr der Inflation zum 2-Prozent-Ziel.
In der Eurozone rückt für 2027 das Auslaufen des NextGenerationEU-Programms in den Fokus. Italien und Spanien hatten in den vergangenen Jahren stark von den EU-Geldern profitiert. Doch Swiss Life gibt Entwarnung: Das Ende der Transfers werde weniger abrupt ausfallen als befürchtet. Da Projekte bis August 2026 eingereicht werden können und Auszahlungen bis Ende 2026 erfolgen dürfen, würden erhebliche Ausgaben noch 2027 getätigt werden. Die Ökonomen sprechen von einer «Fiskalrampe» statt einer «Fiskalklippe».
Besonders in Deutschland werde die Fiskalpolitik zum zentralen Wachstumstreiber. Die Ausgaben aus dem Sondervermögen stiegen 2025 deutlich und dürften 2026 weiter zulegen. Allerdings zeigt sich ein heterogenes Bild: Während in der Verkehrsinfrastruktur vorhandene Mittel rasch gebunden wurden, blieb der Abruf in komplexeren Bereichen wie Energieinfrastruktur, Forschung und Digitalisierung deutlich hinter den Planungen zurück. Entscheidend sei nicht der Defizitpfad, sondern die effiziente Umsetzung, betonen die Analysten.
Für die Schweiz prognostiziert Swiss Life ein BIP-Wachstum von 1,2 Prozent für 2026 und 1,4 Prozent für 2027. Die Wogen im Zollstreit mit den USA haben sich seit November geglättet, die Konsumentenstimmung hat sich verbessert. Die Wettbewerbsnachteile gegenüber der europäischen Konkurrenz seien vom Tisch, das kurzfristige Risiko einer gross angelegten Produktionsverlagerung gebannt.
Eine Besonderheit belastet allerdings die Statistik: Wartungsarbeiten im Kernkraftwerk Gösgen erfordern seit den Sommermonaten unüblich hohe Stromimporte. Allein im Januar 2026 waren die Nettostromimporte sechsmal so hoch wie im Vorjahresmonat – ein Faktor, der die Aussenhandelsbilanz und damit das ausgewiesene BIP drückt.
Bei der Inflation liegt Swiss Life mit 0,5 Prozent für 2026 leicht über dem Konsens. Die Mietkomponente im Landesindex dürfte erneut ein höheres Gewicht erhalten und die Tendenz weg von der zwischenzeitlichen Nullinflation verstärken.
China erreichte 2025 mit 5 Prozent Wachstum sein Jahresziel. Dahinter steht jedoch eine zweigeteilte Wirtschaft: schwache Binnennachfrage, belastet durch die Immobilienkrise, bei gleichzeitig starker Exportdynamik im Hightech-Bereich. Swiss Life prognostiziert für 2026 nur noch 4,5 Prozent Wachstum, für 2027 dann 4,7 Prozent. Eine echte Reflation sei nicht in Sicht.
Bemerkenswert: China ist laut Swiss Life zum weltweit zweitgrössten Entwickler neuer Medikamente aufgestiegen – eine wachsende Herausforderung für die Schweiz, deren Exportdynamik stark vom Pharmasektor abhängt.
An den Aktienmärkten startete das Jahr 2026 trotz geopolitischer Spannungen – Stichwort Grönland-Krise – freundlich. Bemerkenswert ist die Rotation: Anlagestile, die seit Jahren underperformen, wie Equal Weight, Small Caps und Dividendenaktien, erzielten im Januar eine Outperformance. Die Magnificent 7 und KI-Aktien hingegen schwächelten.
Die Ökonomen von Swiss Life Asset Managers sehen diese Rotation erst am Anfang. Für Dividendenaktien spreche die tiefere Bewertung, das geringere Tech-Exposure und die hohe Dividendenrendite als Puffer. Bei Schwellenländern böten attraktive relative Bewertungen, der KI- und Rohstoffboom sowie ein schwächerer Dollar ein günstiges Umfeld. Small Caps profitierten von stark steigenden Gewinnprognosen – in den USA werde für 2026 und 2027 ein Gewinnwachstum von über 30 Prozent erwartet.
Der Schweizer Aktienmarkt hinkte im Januar hinterher, belastet vor allem durch Nestlé und den Versicherungssektor. Pharma erzielte hingegen eine Outperformance.
Die Kreditmärkte profitieren vom tiefen Rezessionsrisiko. Swiss Life Asset Manager beziffert die einjährige Rezessionswahrscheinlichkeit für die USA auf 30 Prozent, für die Eurozone auf nur 20 Prozent. Die Firmenanleihen-Spreads haben sich auf historische Tiefs verengt – was allerdings auch bedeutet, dass das Renditepotenzial begrenzt ist.
Für das Fed erwartet Swiss Life 2026 zwei Leitzinssenkungen auf 3,0 Prozent. Die US-Notenbank werde über das kurzfristige Überschreiten der Inflation hinwegsehen.
Dollar: Ausverkauf ging zu weit
Der Dollar verlor im Januar handelsgewichtet 1,8 Prozent. Die Grönland-Krise brachte die «Vertrauenskrise» zurück. Doch Swiss Life hält den Ausverkauf für übertrieben. Andere Aspekte hätten sich verbessert: Die Risiken bezüglich der Fed-Unabhängigkeit seien gesunken, nachdem der Oberste Gerichtshof sich für die Unabhängigkeit der Notenbank starkgemacht habe. Die Analysten erwarten für Februar eine Dollar-Aufwertung gegenüber den meisten Hauptwährungen.
Der Franken profitierte von der temporären Risk-off-Stimmung und wertete gegenüber Euro und Dollar auf. Auf diesen Niveaus erwartet Swiss Life keine weitere Franken-Stärke.