09.04.2026, 11:00 Uhr
Der Iran-Konflikt und der Ölpreisschock erschüttern die Hedgefonds-Industrie im März 2026. Während Equity-Hedge-Strategien abstürzen, halten Macro-Fonds im Quartal die Fahne hoch – doch nur 30 Prozent aller...
Die Lage am Ölmarkt bleibt angespannt. Selbst wenn die USA den Krieg gegen Iran in den nächsten Wochen beenden, ist eine schnelle Wiedereröffnung der Strasse von Hormus alles andere als sicher. Zu diesem Schluss kommen Jeff Blazek, Co-CIO für Multi-Asset-Strategien, und Senior Analyst Jeff Wyll von Neuberger Berman in ihrer aktuellen CIO Weekly Perspectives vom 9. April 2026.
Die Ölmärkte reagieren hochsensibel auf jede Wendung im Konflikt. Als US-Präsident Trump vergangene Woche einem Vernehmen nach Verhandlungsbereitschaft signalisierte, fiel der Ölpreis kurzzeitig unter 100 US-Dollar – Risikoanlagen legten weltweit zu. Nur Stunden später drohte er in einer Fernsehansprache erneut mit Eskalation und löste damit eine rasche Gegenbewegung aus. Dieses Muster dürfte vorerst anhalten, solange die Meerenge faktisch gesperrt bleibt.
Die makroökonomischen Implikationen sind erheblich: Laut Neuberger Berman kostet jede Preissteigerung um zehn Dollar pro Barrel die US-Wirtschaft rund 0,1 Prozentpunkte Wachstum.
Vor Kriegsausbruch waren die globalen Öllager gut gefüllt – ein Puffer, auf den die Raffinerien nun angewiesen sind. Nach IEA-Schätzungen flossen vor der Krise täglich 15 Millionen Barrel durch die Strasse von Hormus. Heute passieren nur noch iranische Tanker die Meerenge, mit einer Kapazität von rund 2 Millionen Barrel täglich. Die Angebotslücke beträgt damit nominal etwa 13 Millionen Barrel.
Doch die Nettolücke ist deutlich kleiner: Saudi-Arabien pumpt täglich rund 3 Millionen Barrel über seine Ost-West-Pipeline zum Hafen Yanbu am Roten Meer. Die USA und weitere Länder zapfen strategische Reserven an – unbestätigten Schätzungen zufolge im Umfang von rund 2 Millionen Barrel täglich. Hinzu kommt ein kriegsbedingter Nachfragerückgang von etwa 1 Million Barrel täglich, unter anderem durch den Einbruch des Flugverkehrs in der Region. Unter dem Strich ergibt sich eine Nettolücke von etwa 6 Millionen Barrel täglich. «Das ist noch immer viel, aber handhabbar», so die Einschätzung der Analysten. Ein Ölpreis um 100 Dollar sei in dieser Phase realistisch – teuer, aber keine Katastrophe.
Strategische Reserven schaffen Zeit, keine dauerhafte Lösung. Je länger die Meerenge unpassierbar bleibt, desto wahrscheinlicher wird ein drastischer Preisanstieg – und damit ein massiver Nachfrageeinbruch. Neuberger Berman beobachtet erste Anzeichen dieses Übergangs: In Asien und Europa nehmen die Versorgungsschwierigkeiten bereits zu, während die USA durch eigene Förderkapazitäten und grosse Raffinerieinfrastruktur bislang besser aufgestellt sind.
Politische Massnahmen stützen das Angebot zusätzlich: Die US-Regierung hat den Jones Act für 60 Tage ausgesetzt und erlaubt damit ausländischen Schiffen vorübergehend den Küstentransport von Raffinerieprodukten – was vor allem die Versorgung der Ost- und Westküste erleichtert.
Sollte der Ölpreis auf 150 bis 180 Dollar je Barrel steigen, würden schätzungsweise 5 bis 6 Prozent des globalen BIP allein für Energie aufgewendet werden. Entscheidend ist dabei nicht der Preisschock an sich, sondern seine Dauer: Eine wochenlange Schliessung der Meerenge ist eine Krise – eine monatelange Schliessung könnte eine Rezession bedeuten.
Für Portfoliomanager liefert die Krise eine klare Botschaft. Die Energiewerte im S&P 500 haben seit Jahresbeginn rund 32 Prozent zugelegt (Stand 1. April) und damit den Gesamtmarkt, der leicht nachgab, weit hinter sich gelassen. Ölaktien funktionieren in diesem Umfeld als lehrbuchmässige Absicherung gegen geopolitische Schocks. Anleger haben ihr Diversifikationspotenzial in einer Phase erkannt, in der klassische Risiko-Ertrags-Verhältnisse aus dem Gleichgewicht geraten sind.
Die Situation bleibt fragil. Entwarnung oder weitere Eskalation – beides ist möglich. Was als geopolitischer Schock begann, steht laut Neuberger Berman nun vor einem Test seiner realwirtschaftlichen Tragfähigkeit. Entscheidend wird sein, wie lange Öl teuer bleibt.