Global Pension Index 2026: Schweiz verbessert sich – und bleibt auf Rang 11

Das Vorsorgesystem der Schweiz hat laut den Experten von Marsh und dem CFA Institute Reformbedarf (Bild: Adobe Stock)
Das Vorsorgesystem der Schweiz hat laut den Experten von Marsh und dem CFA Institute Reformbedarf (Bild: Adobe Stock)

Das Schweizer Vorsorgesystem legt im Marsh CFA Institute Global Pension Index 2026 auf 73,6 Punkte zu, verharrt im Ländervergleich aber auf Platz 11. Die alte Schwäche bleibt: die tiefen Ersatzquoten. Gleichzeitig warnen die Studienautoren, dass die alternde Bevölkerung weltweit kein System mehr stillstehen lässt.

20.10.2026, 07:46 Uhr
Anlagestrategie

Redaktion: asc

Marsh und das CFA Institute haben am 20. Oktober 2026 die 18. Ausgabe ihres Global Pension Index (MCGPI) publiziert. Der Index vergleicht 55 Altersvorsorgesysteme, die zusammen 66 Prozent der Weltbevölkerung abdecken. Neu im Vergleich sind die Dominikanische Republik, Kenia und Katar. Die wissenschaftliche Grundlage liefert das Monash Centre for Financial Studies in Australien.

Bewertet wird anhand von drei Teilindizes: Angemessenheit (Leistungsniveau), Nachhaltigkeit (langfristige Finanzierbarkeit) und Integrität (Regulierung, Governance, Transparenz). Der Gesamtwert ist ein gewichteter Durchschnitt.

Schweiz: besser bewertet, gleich platziert

Die Schweiz kommt 2026 auf 73,6 Punkte, nach 72,4 Punkten im Vorjahr. Das reicht wie 2025 für Rang 11 und die Note B. Direkt dahinter folgt Saudi-Arabien mit 73,2 Punkten, das sich um 5,6 Punkte gesteigert hat. Vor der Schweiz liegt Norwegen mit 77,0 Punkten.

Die Verbesserung geht laut Länderbericht vor allem auf zwei OECD-Kennzahlen zurück: Die Mindestrente im Verhältnis zum Lohn und die Netto-Ersatzquoten sind gestiegen. Entsprechend legte der Teilindex Angemessenheit von 66,3 auf 68,4 Punkte zu, die Integrität von 81,6 auf 83,1 Punkte. Die Nachhaltigkeit blieb mit 72,8 Punkten praktisch unverändert (Vorjahr: 72,9).

Das Muster der Vorjahre bleibt bestehen. In der Kategorie Nachhaltigkeit belegt die Schweiz Rang 10, bei der Integrität Rang 17 und bei der Angemessenheit nur Rang 28. «Insgesamt wird das Schweizer Rentensystem als überdurchschnittlich gut bewertet», sagt Tobias Wolf, Partner und Leiter Marsh Investments and Retirement Schweiz. «Wie schon in den Vorjahren kritisiert der Report allerdings die Angemessenheit. Negativ zu Buche schlagen hier unter anderem die im internationalen Vergleich eher geringen Ersatzquoten.»

Als Stärken nennt der Bericht die solide Mindestabsicherung für ärmere ältere Menschen, die breite Abdeckung der Arbeitnehmenden in der beruflichen Vorsorge, das hohe Vorsorgevermögen im Verhältnis zum BIP sowie eine starke Regulierung. Bei der Integrität verhindern laut Marsh vor allem mangelnde Transparenz und eine zu wenig professionalisierte Führung der Vorsorgeeinrichtungen eine bessere Platzierung.

Fünf Hebel für die Schweiz

Die Autoren nennen fünf Massnahmen, mit denen die Schweiz ihren Indexwert steigern könnte:

  • das AHV-Rentenalter schrittweise an die steigende Lebenserwartung koppeln;
  • einen Teil der Altersleistung zwingend als Rente statt als Kapital auszahlen;
  • die Information der Versicherten durch die Pensionskassen verbessern und die Transparenz über obligatorische Publikationen erhöhen;
  • die Verschuldung der Haushalte senken, ohne das Wohneigentum zu schmälern;
  • die Kosten im System durch eine Konsolidierung des Pensionskassenmarkts reduzieren.

Mehrere dieser Punkte sind politisch heikel. Beim Rentenalter geht die Schweiz einen anderen Weg: Die Reform AHV2030, die der Bundesrat im Mai 2026 in die Vernehmlassung geschickt hat, rührt das Referenzalter nicht an. Stattdessen soll das Mindestalter für den vorzeitigen Altersrücktritt in der beruflichen Vorsorge schrittweise von 58 auf 63 Jahre steigen. Zudem soll der Rentenaufschub über 70 Jahre hinaus möglich werden, und der AHV-Freibetrag für Erwerbstätige nach dem Referenzalter soll von 16'800 auf 22'680 Franken pro Jahr steigen. Damit setzt der Bundesrat beim flexibleren Übergang in den Ruhestand an, einer der Kernforderungen des diesjährigen Index.

Niederlande weiter an der Spitze

An der Spitze steht erneut die Niederlande mit 85,8 Punkten, vor Dänemark (84,1) und Island (84,0). Singapur (82,0) und Israel (81,9) halten ebenfalls die Bestnote A. Erstmals schafft auch Australien mit 80,6 Punkten den Sprung in die A-Gruppe. Die besten Teilwerte erreichen Kuwait bei der Angemessenheit, Dänemark bei der Nachhaltigkeit und Finnland bei der Integrität.

Neben Australien haben auch die Vereinigten Arabischen Emirate, Oman, Panama und China ihre Note verbessert. Der Durchschnitt aller Systeme stieg gegenüber 2025 um 1,1 Punkte.

Die Nachbarländer schneiden deutlich schwächer ab als die Schweiz. Deutschland erreicht 67,9 Punkte und Rang 25, wobei vor allem die Nachhaltigkeit (47,2) belastet. Frankreich kommt auf 70,3 Punkte, Italien auf 57,4. Österreich landet mit 56,9 Punkten auf Rang 44 und weist mit 23,9 Punkten den tiefsten Nachhaltigkeitswert aller 55 Systeme aus. Die USA erreichen 61,6 Punkte (Note C+). Am Schluss der Rangliste stehen die Philippinen, Indien, die Türkei und Argentinien mit der Note D.

Demografie als Kernthema

Das Schwerpunktkapitel 2026 widmet sich der Alterung der Bevölkerung. Die Zahlen sind deutlich: 43 der 55 untersuchten Systeme haben eine Geburtenrate unter 2,1 Kindern pro Frau, dem Wert, der für eine stabile Bevölkerung nötig ist. In 23 Ländern liegt sie sogar unter 1,5. Am tiefsten ist sie in Hongkong und Südkorea mit je 0,72.

Gleichzeitig ist die Lebenserwartung im Alter von 65 Jahren in den entwickelten Regionen seit 1950 um 50,9 Prozent gestiegen und liegt nun bei rund 20 Jahren. Wer 80 wird, lebt im Schnitt noch weitere zehn Jahre. Der Index berücksichtigt deshalb im Teilindex Angemessenheit neu auch das Einkommensniveau im Alter von 80 Jahren und nicht nur beim Eintritt in den Ruhestand.

Für die entwickelten Regionen rechnen die Autoren damit, dass das Verhältnis der über 70-Jährigen zur Bevölkerung im Erwerbsalter in den nächsten 30 Jahren von 23 auf 37 Prozent steigt. Anders ausgedrückt: Heute kommen auf eine ältere Person 4,3 Erwerbstätige, künftig noch 2,7. Den stärksten Druck sehen die Autoren bei umlagefinanzierten Systemen, sofern diese nicht umgebaut werden.

Drei Empfehlungen an die Politik

Daraus leitet der Index drei zentrale Empfehlungen ab: klare Ziele für das Vorsorgesystem, eine konsequente Ausfinanzierung künftiger Rentenverpflichtungen und mehr Flexibilität bei Produkten und beim Rentenalter. Die Schweiz wird im Bericht dabei ausdrücklich als positives Beispiel genannt: Die Bundesverfassung definiert in Artikel 112 das Drei-Säulen-System und die Rolle jeder Säule.

«Die Daten zeigen deutlich, dass sich selbst die leistungsstärksten Systeme weiterentwickeln müssen», sagt Hauptautor Tim Jenkins, Partner bei Marsh People and Investments. «Die Ausgestaltung des Ruhestands muss flexibler werden – bei der Frage, wann Menschen Einkommen beziehen, bei der Strukturierung von Produkten und bei unserem Verständnis der Grenze zwischen Erwerbsleben und Ruhestand. Diese Flexibilität ist nicht länger optional.»

Mona Naqvi, Managing Director des CFA Institute Research and Policy Center, verweist auf die Rolle der Treuhänder: «Keine einzelne politische Massnahme und keine einzelne Anlageentscheidung können dies allein leisten. Erforderlich sind eine solide Systemgestaltung und Governance sowie eine sorgfältige Überwachung der Kapitalanlagen durch diejenigen, die gegenüber Sparerinnen, Sparern sowie Rentnerinnen und Rentnern eine Treuhänderpflicht haben.»

Ausgewählte Resultate 2026

Rang System Note Gesamt Angemessenheit Nachhaltigkeit Integrität
1 Niederlande A 85,8 87,7 82,6 87,2
2 Dänemark A 84,1 84,2 84,8 82,9
3 Island A 84,0 83,7 84,3 84,1
6 Australien A 80,6 76,7 80,6 86,8
11 Schweiz B 73,6 68,4 72,8 83,1
19 Frankreich B 70,3 85,0 49,3 76,1
25 Deutschland B 67,9 79,8 47,2 78,0
33 USA C+ 61,6 66,5 57,1 60,2
41 Italien C 57,4 70,9 27,0 78,3
44 Österreich C 56,9 68,3 23,9 85,0

Quelle: Marsh CFA Institute Global Pension Index 2026

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