25.03.2026, 09:07 Uhr
Die Welt kauft sich selbst zurück – schneller als je zuvor. Globale Aktienrückkäufe haben 2025 einen neuen Rekordwert von 1,46 Billionen US-Dollar erreicht, ein Plus von 8,4 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Das...
Der europäische Markt für Hochzinsanleihen zeigt sich 2026 in robuster, aber reiferer Verfassung. Enge Spreads, attraktive Renditen und ein supportives Makroumfeld bilden eine konstruktive Ausgangslage.
Hochzinsanleihen an kleinere und grössere KMUs in Europa waren in den vergangenen Jahren attraktiv. Ende November 2025 rentierten Euro-High-Yield-Bonds im Durchschnitt bei 5,1 Prozent (Yield-to-Worst). Das ist ein Niveau, das institutionelle Anleger weiterhin anzieht. Und vorerst könnte es so bleiben. Der Break-Even-Punkt liegt laut AllianceBernstein rechnerisch bei einer Spread-Ausweitung von rund 200 Basispunkten. Es hat also noch Luft.
Es sind die stabilen Zinsen und eine expansive Fiskalpolitik - gestützt durch erhöhte deutsche Verteidigungsausgaben - die auch das Fundament für europäische Hochzinsanleihen in 2026 bilden. Banken, Investoren und Analysten erwarten kräftige, aber nicht disruptive Neuemissionen. Die Schätzungen für das Bruttoemissionsvolumen reichen laut PitchBook von 90 Milliarden Euro (ING) bis zu 140 Milliarden Euro (JPMorgan). Soweit so gut.
Was auf den ersten Blick wie ein homogener Markt wirkt, ist es nicht. Es zeigt sich eine sogenannte Bifurkation: Anleihepreise von Emittenten höherer Qualität haben sich durch die Renditesuche defensiv orientierter Investoren stark verteuert, was BB-Spreads weiter eingeengt hat. CCC-Bonds hingegen haben laut Janus Henderson eine Spread-Ausweitung erlebt.
Es kommt also darauf an. Auf die Kreditqualität, aber auch auf den Industriesektor. Was in Europa oft miteinander verbunden ist: Während High-Yield-Spreads in Europa mehrfach die engsten Niveaus seit 2018 erreicht haben, wird die Disparität zwischen favorisierten Credits und zyklischen Sektoren wie Chemie und Automobil als zentrale Opportunität für aktive Fondsmanager im Jahr 2026 gesehen. Das Schlagwort der Branche: «The core looks very expensive, while the tail looks very cheap.»
Schauen wir uns also noch das Makro-Umfeld an, denn auch hier muss differenziert werden: Die EZB hat ihren Leitzins seit Mitte 2024 von 4 Prozent auf 2 Prozent halbiert. Für 2026 rechnet RBC Wealth Management mit einem Eurozone-BIP-Wachstum von 1,6 Prozent, gestützt durch erhöhte Fiskalausgaben – insbesondere die Lockerung der deutschen Schuldenbremse und ein geplantes 500-Milliarden-Euro-Infrastrukturprogramm über ein Jahrzehnt. AllianceBernstein hält es für möglich, dass die EZB noch ein bis zwei weitere Zinssenkungen vornehmen könnte – entgegen der Markterwartung, die von einem Ende des Zinssenkungszyklus ausgeht. Für High-Yield-Investoren bedeutet dies: Das technische Umfeld muss genau verfolgt werden.
Kommen wir zurück zu den Unternehmen, respektive den Sektoren. Hier hat sich etwas getan, das man auch im Bereich der Aktien gesehen hatte: Eine sogenannte Sektorallokation. Im Bereich der Hochzinsanleihen heisst das: Der Chemie-Sektor handelt aktuell mit Spreads von rund 500 Basispunkten – das sind mehr als doppelt so viel wie der Versorgersektor. Im Chemiesektor sehen Analysten Aufholpotenzial, falls europäische Regierungen angesichts wachsender nationaler Sicherheitsinteressen die heimische Industrie stärker schützen.
Auch im M&A-Segment könnten Übernahmen durch Investment-Grade-Unternehmen Rating-Upgrades auslösen und damit Opportunitäten für High-Yield-Investoren eröffnen. RBC Wealth Management projiziert für 2026 einen Aufwärtstrend bei Ausfallraten, getrieben durch idiosynkratische Faktoren – von einem aktuell sehr niedrigen Niveau aus. PineBridge Investments erwartet positive, carry-getriebene Gesamtrenditen für High-Yield-Bonds, rechnet aber mit einem leichten Anstieg der Defaults, der auf einzelne Unternehmen und Sektoren mit strukturellen Druckfaktoren konzentriert sein dürfte.
Der Markt befindet sich im Wandel, Opportunitäten sind seltener. Die sogenannte Refinanzierungsmauer, die bis 2026 rund 44 Prozent der europäischen High-Yield-Emittenten betraf, dürfte sich durch die intensive Emissionswelle der vergangenen Monate weitgehend aufgelöst haben. Doch sicher ist: In den volatilen Marktphasen des noch jungen Jahres 2026 hat sich die relative Stärke von Corporate Bonds gegenüber Aktien eindrücklich bestätigt. Während Aktienkurse einzelner Technologieunternehmen massiv einbrachen, verloren entsprechende Unternehmensanleihen nur einen Bruchteil ihres Wertes. High Yield bietet weiterhin attraktive risikoadjustierte Renditen gegenüber Aktien, wo Kurs-Gewinn-Verhältnisse erhöht bleiben, Volatilität anhält und Wachstum sowie Investitionen auf eine kleine Gruppe von Unternehmen konzentriert sind.
Trotz dieser ermunternden Worte: 2026 wird ein kompetitives Jahr für High Yield bleiben, in dem die Ausgangsrendite letztlich attraktive Erträge generiert, während sich die durchschnittlichen Spreads moderat ausweiten. Die einhellige Empfehlung der grossen Asset Manager lautet: Selektivität statt breiter Beta-Exposure.