Private Debt zwischen Inflation und Wachstumsschwäche

Die Managerauswahl ist der Schlüssel zur Risikominimierung bei Private Dept. (Bild: Shutterstock.com/Metamorworks)
Die Managerauswahl ist der Schlüssel zur Risikominimierung bei Private Dept. (Bild: Shutterstock.com/Metamorworks)

Der Private-Debt-Markt konnte dank renditehungrigen Investoren ein starkes Wachstum verzeichnen. Die verwalteten Vermögen in Europa haben sich verfünffacht. Laut Katharina Damm von HanseMerkur Trust sind Investitionen in Private Debt auch in einem Umfeld steigender Inflation vorteilhaft.

18.07.2022, 15:34 Uhr

Redaktion: rem

Der Gesamtwert der Transaktionen konnte in den Jahren 2019 und 2020 Rekordwerte verzeichnen. Die bisherigen Treiber dieser Entwicklung sind zum einen die anhaltend niedrigen Zinsniveaus. Wie Katharina Damm, Portfoliomanagerin bei der HanseMerkur Trust, erläutert, führen diese dazu, dass europäische Anleger auf der Suche nach Rendite in alternative Anlageklassen strömen. Zum anderen hätten sich Banken durch die zunehmende Regulatorik und gestiegenen Kapitalanforderungen aus Teilen des Kreditmarktes zurückgezogen und damit interessante Investmentopportunitäten für den privaten Kreditmarkt hinterlassen. "Auch in den kommenden Jahren dürfte die starke Nachfrage der institutionellen Anleger nach Private Debt somit anhalten", meint die Portfoliomanagerin.

Das wirtschaftliche Umfeld in Europa ist derzeit von Unsicherheiten geprägt. Auch zwei Jahre nach dem Ausbruch der Pandemie ist diese immer noch nicht überwunden. Die bereits durch anhaltende Liefer- und Versorgungsengpässe sowie stark gestiegene Rohstoffpreise existierenden Probleme haben sich durch den Ukraine-Krieg zusätzlich verstärkt. Die gestiegenen Inflationszahlen in Europa verdeutlichen diese Entwicklung. Die zunehmenden Unsicherheiten auf makroökonomischer, politischer und gesellschaftlicher Ebene verstärken die Sorgen über eine Verlangsamung des Wirtschaftswachstums.

Allwetter-Strategie Private Debt

In diesem Spannungsfeld ist nach Meinung Damms eine nähere Betrachtung von Private Debt in den unterschiedlichen Marktphasen sinnvoll. Als Basis der Analyse soll das Allwetter-Konzept von Ray Dalio dienen, welches auch im Markt für alternative Investmentstrategien immer mehr Anklang finde. Inflation und Wachstum seien in diesem Konzept die wesentlichen Treiber. Dabei werden abhängig von der Entwicklung vier wirtschaftliche Umfelder unterschieden:

Wie sich laut der Portfoliomanagerin bereits vermuten lässt, kann Private Debt insbesondere bei positivem Wirtschaftswachstum profitieren. Die Profitabilität der Unternehmen und die Bewertungen der Vermögenswerte steigen in dieser Phase, gleichzeitig sinken die Default Rates. Während das Risiko in diesem Umfeld sinke, steige, getrieben durch einen steigenden Investitionsbedarf der Unternehmen und erhöhte M&A-Aktivitäten im Gesamtmarkt, der Bedarf nach Finanzierungen.

"Auch in einem Umfeld steigender Inflation zeigen sich Investitionen in Private Debt als vorteilhaft. Während liquide, börsengehandelte Anleihen durch einen möglichen Anstieg der Zinsen direkt betroffen sind, zeigen Direct Lending Loans eine deutlich geringere Sensitivität der Renditen", so Damm. Private Debt profitiere durch seine Floating-Rate-Struktur, welche als natürlicher Zins-Hedge agiere und Schutz vor Durationsrisiken biete. Auf Unternehmensebene führten die gestiegenen Zinssätze jedoch dazu, dass Unternehmen höhere Finanzierungskosten tragen müssten, während die erhöhte Inflation die Gewinne belaste. Dieses Risiko könne durch eine gezielte Selektion von Finanzierungen in defensiven Sektoren mit cash-flow-starken Unternehmensmodellen vermieden werden.

Auch wenn die Attraktivität liquider Asset-Klassen in diesem Umfeld steige, lasse die Entwicklung im Fundraising jedoch darauf schliessen, dass die Nachfrage weiter auf hohem Niveau bleibe. Künftig könnte neben einer höheren Rendite auch der Schutz des Portfolios vor Zinsrisiken ein weiterer Grund für eine Investition in Private Debt sein, meint Damm. Die zunehmenden Unsicherheiten am Markt führten ausserdem dazu, dass Investoren Asset-Klassen mit einer geringeren Volatilität bevorzugten und nicht zuletzt durch eine weitere Diversifikation das Gesamtrisiko in ihrer Kapitalanlage minimieren wollten.

In Stressszenarien zeigt Private Debt Stärke

Wie die Portfoliomanagerin von der HanseMerkur Trust weiter ausführt, bietet die Asset-Klasse auch in einem Umfeld von niedriger Inflation und sinkenden Zinsniveaus eine (Teil-)Absicherung durch die Implementierung von Zins-Floors. Zinsuntergrenzen schafften eine Wertabsicherung für Investoren und sichern die regelmässigen Ausschüttungen der Fonds. Jedoch bleibe auch hier der Schlüssel eine strenge Auswahl der Kreditgeber.

Komme es zu einem negativen Wirtschaftswachstum, könnte auch Private Debt unter Druck geraten. In diesem Umfeld seien die Unternehmen mit allgemeiner wirtschaftlicher Schwäche konfrontiert, die zu sinkenden Gewinnen und einem Anstieg der Default Rates führen könnte. Vor allem in diesen Stressszenarien könne Private Debt jedoch seine Stärken zeigen. Im Gegensatz zu liquiden Anleihen könne ein Investment in Private Debt durch verschiedene Mechanismen einen Schutz für das Kapital bieten. Eine Absicherung böten Financial Covenants, die die Kreditnehmer bei Unterschreitung dazu zwingen, in den direkten Dialog mit den Kreditgebern zu gehen, so Damm.

"Überhaupt ist die Zusammenarbeit zwischen Kreditnehmer und -geber durch einen wesentlich engeren Austausch gekennzeichnet. Häufig treten die Private Debt Manager als sogenannte Sole Lender oder aber im Rahmen von Club Deals mit nur sehr wenigen weiteren Investoren bei der Finanzierung auf. Auf diese Weise kann bei einem Bedarf zur Ausweitung der Zahlungsziele neben zusätzlichen Gebühren auch ein direkter Austausch mit den Kreditnehmern erfolgen. Sponsor-backed Investitionen bieten ausserdem den Vorteil, dass zusätzliches Cash durch die Private-Equity-Sponsoren zur Verfügung gestellt werden kann", erklärt sie weiter.

Managerauswahl ist Schlüssel zur Risikominimierung

Auch wenn Private Debt in allen vier Umfeldern durch seine Ausgestaltung gegenüber liquiden Asset-Klassen profitieren könne, werde die Managerselektion mit steigendem Risiko und zunehmender Unsicherheit für institutionelle Investoren noch wichtiger, betont die Portfoliomanagerin von der HanseMerkur Trust. Dabei komme es noch mehr darauf an, in der Selektion auf eine hohe Qualität der Manager und einen konservativen Investmentansatz zu achten. "Diese Überlegungen waren auch für die HanseMerkur Versicherungsgruppe als institutioneller Investor entscheidend. Daher setzt der von uns aufgelegte Dachfonds HanseMerkur Private Debt S.C.Sp. (Senior) auf eine doppelte Risikoüberwachung und verfolgt einen konservativen Ansatz mit strengen Covenants. Der Dachfonds zielt auf cash-flow-starke europäische Klein- und Mittelstandsunternehmen ab und bevorzugt defensive, nicht-zyklische Sektoren wie die Gesundheits- und Softwarebranche", sagt Damm. Dabei öffne HanseMerkur seine eigenen Lösungen auch für institutionelle (Dritt-)Investoren.

Private Dept als Allwetter-Strategie – Auswirkungen der vier Umfelder auf Private Dept

Quelle: HanseMerkur Trust – in Anlehnung an Cliffwater: "All Weather" Private Debt, 06.10.20
Quelle: HanseMerkur Trust – in Anlehnung an Cliffwater: "All Weather" Private Debt, 06.10.20
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