21.09.2026, 07:31 Uhr
Das Volumen der Schweizer M&A-Deals ist in den ersten acht Monaten dieses Jahres um rund ein Fünftel auf 44 Milliarden US-Dollar gestiegen, wie die Boston Consulting Group (BCG) schreibt. Getragen wird die Erholung...
Ohne nennenswerte Versicherungsschäden im dritten Quartal 2026 haben Katastrophenanleihen kräftig zugelegt. Für das Schlussquartal erwartet SCOR Investment Partners einen sehr aktiven Primärmarkt – und leicht sinkende Spreads.
Das dritte Quartal 2026 verlief für Investoren in Insurance-Linked Securities (ILS) ausgesprochen ruhig – und gerade deshalb erfreulich. Gemäss dem aktuellen «ILS Market Insight» von SCOR Investment Partners gab es in einer sehr ruhigen Hurrikansaison in den USA und Taifunsaison in Japan keinen bedeutenden Versicherungsschaden. Ein Landfall mit nennenswerten Folgen blieb aus.
Wie jedes Jahr wurde es am Primärmarkt für Katastrophenanleihen über den Sommer still. Laut SCOR IP summiert sich das seit Jahresbeginn emittierte Cat-Bond-Volumen per Ende September auf rund 18,5 Milliarden US-Dollar und liegt damit leicht über dem Vorjahreswert. Der Branchendienst Artemis, der auch privat platzierte Transaktionen erfasst, kommt für die ersten neun Monate auf 18,9 Milliarden US-Dollar – ein neuer Rekord nach 18,6 Milliarden US-Dollar in der Vorjahresperiode. Im dritten Quartal allein kamen laut Artemis lediglich 948 Millionen US-Dollar aus zehn Transaktionen an den Markt.
Das ausstehende Volumen des Cat-Bond-Markts beläuft sich laut Artemis per Ende des dritten Quartals auf 65,5 Milliarden US-Dollar, rund 7 Prozent mehr als Ende 2025. Seit Jahresbeginn sind 14 neue Sponsoren in den Markt eingetreten. Breiter gefasst ist das alternative Kapital im Rückversicherungsmarkt nach Schätzung des Versicherungsbrokers Aon per Ende Juni 2026 auf 144,5 Milliarden US-Dollar angewachsen – bei einer durchschnittlichen jährlichen Wachstumsrate von 8,3 Prozent über die vergangenen fünf Jahre.
Mangels tropischer Bedrohungen blieb auch der Sekundärmarkt im Sommer ruhig, gehandelt wurden nur begrenzte Volumen. Die Kurse stiegen dennoch deutlich: Getrieben wurde dies durch den üblichen Saisonalitätseffekt, der auf dem Höhepunkt der Hurrikan- und Taifunsaison am stärksten ausfällt. Je weiter die Saison ohne Schadenereignis voranschreitet, desto geringer wird das verbleibende Risiko – und desto höher steigen die Preise der Anleihen.
Das schlägt sich in den Renditen nieder. Der Swiss Re Global Cat Bond Index erzielte bis Ende August 2026 eine Gesamtrendite von 7,6 Prozent, nach 4,1 Prozent zur Jahresmitte. Einen Verlustmonat verzeichnete der Index im laufenden Jahr bislang nicht; der stärkste Monat war der August mit einem Plus von 2,2 Prozent. Im Gesamtjahr 2025 hatte der Index 11,4 Prozent erzielt. Auch die nach UCITS-Regeln aufgelegten Cat-Bond-Fonds profitierten: Laut dem Plenum CAT Bond UCITS Fund Index lag ihre durchschnittliche Rendite bis zum 25. September bei 6,67 Prozent.
Ausserhalb des Cat-Bond-Markts setzte sich der Preisrückgang in der traditionellen Rückversicherung fort. Bei den Erneuerungen per 1. Juni und 1. Juli in den USA sanken die Raten laut SCOR IP differenziert: deutlich stärker bei Schadenexzedenten-Layern qualitativ hochwertiger Zedenten, moderater bei Aggregate- und Working-Layern. Unter dem Strich resultierte eine risikoadjustierte Ratenveränderung von minus 15 bis minus 20 Prozent gegenüber dem Vorjahr.
Vom traditionellen Branchentreffen in Monte Carlo im September nimmt SCOR IP zwei Erkenntnisse mit: Erstens bleiben Rückversicherungs- und ILS-Markt gut kapitalisiert, weshalb die Teilnehmer bei den Erneuerungen per Januar 2027 eine weitere, wenn auch moderatere Aufweichung der Preise für Naturkatastrophen-Rückversicherungen erwarten. Zweitens dürften sich die Verhandlungen nicht auf den Preis beschränken – Vertragsbedingungen und Selbstbehalte (Attachment Points) rücken in den Fokus. Der Markt für Industry Loss Warranties (ILW) blieb im dritten Quartal ruhig, ohne merkliche Preisänderungen.
Für das vierte Quartal erwartet SCOR IP gestützt auf Gespräche mit Strukturierern einen sehr aktiven Primärmarkt. Das tiefere Spread-Niveau dürfte potenzielle Sponsoren zur Emission ermutigen, zumal die Nachfrage nach Absicherung stetig steigt. Damit könnte das gesamte Emissionsvolumen den Rekord des Vorjahres von rund 25 Milliarden US-Dollar übertreffen. Laut Artemis wären dafür im Schlussquartal rund 6,7 Milliarden US-Dollar an Neuemissionen nötig, da bis Jahresende auch Anleihen von rund 2,5 Milliarden US-Dollar fällig werden – es wäre das zweitgrösste vierte Quartal der Geschichte.
Die Spreads dürften laut SCOR IP im vierten Quartal leicht nachgeben. Das hohe Emissionsvolumen sollte das Spread-Niveau zwar stützen, dürfte aber angesichts der derzeit im Markt verfügbaren Kapazität gut absorbiert werden. Wie stark sich die Prämien bereits eingeengt haben, zeigen Daten von Artemis: Im zweiten Quartal 2026 lag der Spread neu emittierter Cat Bonds im Durchschnitt nur noch 3,74 Prozentpunkte über dem erwarteten Verlust – erstmals seit zwanzig Quartalen unter 4 Prozentpunkten.
Für Investoren bleibt die Anlageklasse dennoch attraktiv, weil ihre Erträge kaum mit Aktien- und Zinsmärkten korrelieren. Eine Einordnung der Anlageklasse bietet der investrends-Beitrag «Insurance-Linked Securities: Eine strategische Anlageklasse für institutionelle Anleger». Schweizer Vorsorgeeinrichtungen sind bereits stark engagiert: Laut Complementa nutzen knapp 30 Prozent der hiesigen Pensionskassen ILS, mit einem investierten Volumen von rund 8,5 Milliarden Franken, wie investrends.ch im Zusammenhang mit dem Rekordjahr für Waldbrand-Cat-Bonds berichtete.
Auch das Angebot in der Schweiz wächst: Im Juli hat die Zürcher Kantonalbank einen Cat-Bond-Fonds für institutionelle Anleger lanciert. Regulatorisch bleibt die Diskussion um die Empfehlung der Esma zu Cat Bonds in UCITS-Fonds ein Thema. Mit Blick auf das Jahresende gilt: Die atlantische Hurrikansaison endet offiziell erst am 30. November. Sinkende Spreads und weichere Rückversicherungspreise bedeuten zudem, dass die künftigen Renditen der Anlageklasse eher unter jenen der vergangenen zwei Jahre liegen dürften.