04.05.2026, 10:43 Uhr
Der Private-Equity-Fonds des Asset Managements der Zürcher Kantonalbank übertrifft im zweiten Zeichnungsschluss bereits das Volumen seines Vorgängers. Ein erstes Investment in den Westschweizer...
Während die «Magnificent Seven» seit Jahresbeginn rund eine Billion Dollar an Marktkapitalisierung verloren haben, projizieren Analysten für den IT-Sektor im ersten Quartal 2026 ein Gewinnwachstum von rund 44 Prozent. Goldman Sachs spricht von einer «Technology Value Opportunity», Morgan Stanleys Michael Wilson ortet ein Markttief – und die AI-Kapitalausgaben der vier grossen Hyperscaler erreichen ein historisches Niveau. Eine Bestandesaufnahme.
Der entscheidende Punkt im aktuellen Marktumfeld: Die Gewinne der Tech-Konzerne sind trotz aller Unkenrufe nicht kollabiert. Im Gegenteil. Für das erste Quartal 2026 erwarten Analysten für den S&P 500 ein Gewinnwachstum von rund 12,6 Prozent – das wäre das sechste Quartal in Folge mit zweistelligem Wachstum. Innerhalb dieses Aggregats ist die Spreizung zwischen den Sektoren allerdings ungewöhnlich hoch: Goldman Sachs erwartet für den IT-Sektor im ersten Quartal 2026 ein Wachstum des Gewinns pro Aktie von 44 Prozent, was 87 Prozent des gesamten S&P-500-Wachstums ausmacht.
Die ersten Resultate bestätigen dieses Bild eindrücklich. Bis zum 1. Mai hatten 63 Prozent der S&P-500-Unternehmen für Q1 2026 berichtet; davon übertrafen 84 Prozent die Gewinnschätzungen im Durchschnitt um 20,7 Prozent. Beides liegt klar über den Fünf- und Zehnjahresschnitten. In der Vorwoche waren es vor allem die positiven Überraschungen von Alphabet, Amazon und Meta, die das aggregierte Wachstum nach oben trieben.
Was also tun? Goldmans Chief Global Equity Strategist Peter Oppenheimer bringt es in einer vielbeachteten Notiz vom 7. April auf den Punkt: «Die Underperformance des Technologiesektors generiert beginnend attraktive Möglichkeiten für Investoren, da seine Bewertung relativ zum erwarteten Konsens-Wachstum unter jene des globalen Aggregatmarkts gefallen ist».
Treiber des erwarteten Gewinnsprungs ist eine beispiellose Investitionswelle. Alphabet, Amazon, Meta und Microsoft planen 2026 zusammen rund 725 Milliarden Dollar an AI-Infrastruktur-Investitionen, was einem Plus von 77 Prozent gegenüber dem bereits historischen Niveau von 410 Milliarden Dollar im Jahr 2025 entspricht.
Die Einzelguidances nach den jüngsten Quartalszahlen vom 29. April:
Bezieht man Oracle mit ein, erwartet CreditSights für die Top-5-Hyperscaler 2026 Ausgaben von rund 750 Milliarden Dollar – das dritte Jahr in Folge mit über 60 Prozent Wachstum. Goldman Sachs schätzt den kumulierten Hyperscaler-CapEx von 2025 bis 2027 auf 1,15 Billionen Dollar – mehr als das Doppelte der Summe von 2022 bis 2024.
Hauptnutzniesser dieser Investitionswelle bleibt Nvidia. Der Konzern hält rund 80 bis 90 Prozent Marktanteil bei AI-Beschleunigern; im Trainingsbereich liegt der Anteil über 90 Prozent. Im dritten Quartal des Geschäftsjahres 2026 (per November 2025) erzielte Nvidia einen Rekordumsatz von 57,0 Milliarden Dollar, ein Plus von 62 Prozent gegenüber Vorjahr; das Data-Center-Segment wuchs um 66 Prozent auf 51,2 Milliarden Dollar. Für das vierte Quartal stellte das Management einen Umsatz von 65 Milliarden Dollar in Aussicht.
Die Engpässe halten an. TSMC kommt mit der Produktion der Blackwell-Chips nicht nach; die Nachfrage übersteigt das Angebot, Schätzungen zufolge im Verhältnis 10 zu 1. Jensen Huang spricht intern von der schnellsten Produktrampe in der Firmengeschichte.
Das eigentliche Paradox der aktuellen Lage zeigt sich auf der Bewertungsseite. Goldman verweist darauf, dass das Tech-Sektor-PEG-Ratio (Trailing) auf ein Niveau gefallen ist, das «so niedrig wie der Tiefpunkt nach dem Platzen der Tech-Bubble 2003 bis 2005» liegt. Die fünf grössten Tech-Konzerne – Nvidia, Apple, Alphabet, Microsoft und Amazon – handeln zu einem aggregierten Zwei-Jahres-Forward-KGV von rund 20 – weniger als die Hälfte des KGV von rund 52 auf dem Höhepunkt der Dotcom-Bubble im Jahr 2000.
Global hat der IT-Sektor mittlerweile ein KGV unterhalb der Sektoren Konsumgüter (Staples) und Industrie – eine Konstellation, die Oppenheimer noch vor 18 Monaten als «inconceivable» bezeichnet hätte. Goldman schätzt zudem, dass AI-Investitionen rund 40 Prozent des gesamten S&P-500-Gewinnwachstums in 2026 ausmachen werden.
Die Konsensmeinung an der Wall Street ist konstruktiv, aber nicht euphorisch. Morgan Stanley-Stratege Michael Wilson sieht den S&P 500 zum Jahresende 2026 bei rund 7'800 Punkten. Das ist einer der aggressivsten Ausblicke unter den «getrackten» Strategen. Wilson und sein Team verweisen darauf, dass mehr als die Hälfte aller Aktien im breiteren Russell 3000 von ihren Höchstständen bereits über 20 Prozent verloren haben – ein Zeichen breiter Marktbereinigung.
Als wichtigstes verbleibendes Risiko nennt Wilson die Renditen am langen Ende. Die zehnjährigen US-Treasury-Renditen nähern sich dem Niveau von 4,50 Prozent – einer historischen Schwelle, ab der Aktienbewertungen unter Druck geraten.
Auf Einzeltelebene zeigt der Fall Super Micro Computer (SMCI), wie schnell regulatorische Risiken durchschlagen können. Das US-Justizministerium erhob am 19. März 2026 Anklage gegen Mitgründer Yih-Shyan «Wally» Liaw, einen Verkaufsleiter aus Taiwan und einen externen Mittelsmann. Sie sollen seit 2024 für rund 2,5 Milliarden Dollar Server mit Nvidia-Chips über südostasiatische Briefkastenfirmen nach China umgeleitet haben. Liaw ist von seinem Verwaltungsratsmandat zurückgetreten und beurlaubt; SMCI selbst ist nicht angeklagt und kooperiert mit den Behörden. Die Aktie verlor zwischenzeitlich rund ein Drittel.
Die Marktbreite der jüngsten Erholung ist bemerkenswert. AMD allein legte im April 74,3 Prozent zu; seit Jahresbeginn liegt die Aktie 68,4 Prozent im Plus. Per 30. April handelte AMD bei rund 335 Dollar, in einer technisch konstruktiven Konsolidierung nach einer parabolischen Aprilrallye. Die Q1-Zahlen werden am 5. Mai nachbörslich erwartet; der Konsens liegt bei 9,88 Milliarden Dollar Umsatz und 1,28 Dollar bereinigtem Gewinn pro Aktie – beides Plus von rund 33 Prozent gegenüber Vorjahr.
Im Memory-Segment sticht Micron heraus. Nach 239-Prozent-Kursplus im Jahr 2025 handelt MU zu einem Forward-KGV von rund 9; der Zacks-Konsens für das Geschäftsjahr 2026 erwartet ein Umsatzplus von 89 Prozent und ein EPS-Wachstum von 278 Prozent. Im Geschäftsquartal 2/2026 lieferte Micron einen bereinigten Gewinn von 12,20 Dollar je Aktie ab und übertraf damit den Konsens um 32,7 Prozent; der Umsatz sprang auf 23,9 Milliarden Dollar. Die HBM-Kapazitäten für 2026 sind unter bindenden Verträgen vollständig ausverkauft.
Das Paradox bleibt: Rekordgewinne treffen auf komprimierte Bewertungen. Strategen wie Oppenheimer von Goldman Sachs nennen dies eine «Technology Value Opportunity» – möglicherweise die attraktivste Einstiegsgelegenheit für Tech seit über einem Jahrzehnt. Die im Markt favorisierte Positionierung lautet aktuell Barbell-Strategie: Selektive Zykliker (Financials, Industrials) kombiniert mit qualitativ ausgewählten Quality-Growth-Hyperscalern, deren Free-Cashflow-Profile die eigene CapEx-Welle finanzieren können.
Das verbleibende Risiko ist makroökonomisch: Steigt die Zehnjahresrendite über 4,50 Prozent, dürfte die Bewertungs-Kompression zurückkommen – und damit auch die Diskussion, ob die Hyperscaler ihren Investitionsmarathon durchhalten können, ohne die Free-Cashflows der Aktionäre zu erodieren.