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«US-Zolloffensive: Politische Börsen mit längeren Beinen»

Die US-Regierung könnte die Märkte stärker belasten als erwartet. (Bild pd)
Die US-Regierung könnte die Märkte stärker belasten als erwartet. (Bild pd)

«Donald Trump will die US-Wirtschaft mit Zöllen abschotten. Handelsbarrieren, Importaufschläge und Preiserhöhungen würden Unternehmen nachhaltig belasten, die Aktienmärkte könnten unter Dauerstress geraten. Damit bringt Trump auch eine Börsenweisheit zu Fall», schreibt Carsten Roemheld, Kapitalstratege Fidelity International.

03.03.2025, 18:09 Uhr
Aktien

Politische Börsen, so heisst es, haben kurze Beine. Nach dem Ausbruch des Golfkriegs, nach dem Terroranschlag vom 11. September 2001 oder nach dem Brexit-Votum reagierte der US-Leitaktienindex S&P 500 immer nur vorübergehend mit höheren Ausschlägen. Der durchschnittliche Rückgang nach den externen Schocks betrug gerade einmal 4,6 Prozent. Und innerhalb weniger Wochen war der Markt wieder auf Erholungskurs. Zwölf Monate später lagen die Aktienrenditen bereits wieder im Bereich der langfristigen Durchschnitte. Und als Präsident Donald Trump Anfang Februar neue Zölle auf Importe aus Kanada, Mexiko und China ankündigte, drehten die Futures auf den S&P 500 sofort ins Minus, erholten sich dann aber ebenso rasch.

Also alles beim Alten? Mitnichten. Denn diesmal atmeten die Marktteilnehmerinnen und -teilnehmer vor allem deshalb auf, weil Trump seine Pläne zunächst noch einmal aufschob. Und die Entspannung dürfte laut Roemheld nicht von Dauer sein, denn längst hat Trump weitere Zollschranken für Stahl- und Aluminiumimporte nachgelegt. Autos dürften auch bald folgen. «Und diese handelspolitischen Eingriffe werden wohl die Marktdynamik nachhaltig und langfristig verändern. Politische Börsen haben in diesem Fall also deutlich längere Beine», so seine Einschätzung.

Warnende Beispiele aus der Vergangenheit

Das Ölembargo von 1973 etwa ist als warnendes Beispiel bis heute in Erinnerung geblieben. Die Drosselung der Öllieferungen durch die OPEC-Staaten löste damals einen weltweiten Inflationsschub aus und stürzte die westlichen Industriestaaten in eine lange Phase wirtschaftlicher Stagnation. Dies spiegelte sich auch im S&P 500 wider: Er verlor damals innerhalb eines Jahres 37 Prozent und brauchte mehrere Jahre, um sich wieder zu stabilisieren. Die Lehre: Derart stark veränderte wirtschaftliche Rahmenbedingungen belasten Unternehmen und Verbraucher nachhaltig.

Ein weiteres Beispiel ist der Smoot-Hawley Tariff Act des früheren US-Präsidenten Herbert Hoover aus dem Jahr 1930. Auch damals erhöhten die USA massiv die Zölle auf über 20 000 Importprodukte, um den US-Markt nach der Weltwirtschaftskrise zu stützen. Das Gegenteil trat ein. Eine breite Verkaufswelle an den Aktienmärkten setzte ein, als die Investorinnen und Investoren erkannt hatten, dass die Handelsbarrieren strukturelle Risiken für die US-Unternehmen bargen – zumal andere Länder mit Vergeltungszöllen reagierten. Der globale Handel brach um mehr als 60 Prozent ein, die Weltwirtschaftskrise verschärfte sich. Erst mit dem sogenannten Reciprocal Tariff Act⁴ von 1934 begannen eine schrittweise Senkung der Zölle und eine Markterholung.

Nicht nur die Investmentbank Goldman Sachs sieht in der protektionistischen Haltung Trumps in diesen Tagen erneut ein erhebliches Risiko für den US-Aktienmarkt. Laut David Kostin, Chefstratege für US-Aktien bei Goldman Sachs Research, könnte eine Erhöhung der US-Zölle um fünf Prozentpunkte die Gewinne im S&P 500 um ein bis zwei Prozent pro Aktie schmälern. Damit könnte das US-Wirtschaftswachstum um 0,4 Prozent sinken.

Tiefere Spuren

«Die neue Zollpolitik der USA dürfte tiefere Spuren auf den Märkten hinterlassen als viele politische Schocks aus der Vergangenheit. Denn Handelskonflikte verteuern nicht nur Waren, sondern treiben eine wirtschaftliche Neuordnung voran. Lieferketten verschieben sich, neue Handelsblöcke entstehen, ehemalige Partnerinnen und Partner entfernen sich. Für Investorinnen und Investoren bedeutet das: Eine zu starke Fokussierung auf US- oder europäische Märkte kann in dieser Situation riskant werden. Eine gezielte Diversifikation über mehrere Wirtschaftsregionen kann hingegen helfen, Risiken abzufedern und mögliche Verluste anderswo auszugleichen», so das Fazit.

Marc Schweizer, Head of Financial Institutions bei ING Schweiz. (Bild pd)

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