02.03.2026, 08:20 Uhr
Noch vor Kurzem galten US-Technologieriesen als alternativlos – getragen vom KI-Boom und beeindruckendem Gewinnwachstum. Doch Anfang 2026 hat eine Sektorrotation eingesetzt: Energie- und Grundstoffwerte legen zu,...
Der Tod von Irans oberstem Führer Khamenei und iranische Drohnenangriffe auf Katars Gasanlagen haben eine neue Ära der Marktunsicherheit eingeläutet – und ein Grundprinzip des Investierens erschüttert: die Verlässlichkeit von Staatsanleihen als sicherer Hafen.
Seit dem Wochenende des 28. Februars führen die USA und Israel koordinierte Militärschläge gegen Iran durch, bei denen der oberste Religionsführer Ayatollah Ali Khamenei ums Leben kam. Teheran reagierte umgehend mit einer Welle von Raketenangriffen auf Ziele in mehreren Ländern – darunter Qatar, Saudi-Arabien, Kuwait, Bahrain und Irak – und liess gleichzeitig Drohnen auf Qatars kritische Energieinfrastruktur abfeuern. Der Staatskonzern QatarEnergy, einer der weltgrössten LNG-Exporteure, musste den Betrieb an seinen Anlagen in Ras Laffan und Mesaieed einstellen, was rund 20 Prozent der globalen Flüssiggasproduktion betrifft.
Die Störung trifft einen der wichtigsten Knotenpunkte der globalen Energieversorgung. Zusätzlich rückt die mögliche Blockade der Strasse von Hormuz ins Zentrum der Aufmerksamkeit – jene enge Meeresdurchfahrt am Persischen Golf, über die ein Grossteil des weltweiten Öl- und Gashandels abgewickelt wird. Die europäischen Erdgaspreise stiegen um mehr als 30 Prozent, britische Gaspreise sogar um fast 50 Prozent. Der Ölpreis sprang zeitweise um 13 Prozent in die Höhe.
In diesem Umfeld stieg Gold sprunghaft auf über 5.400 Dollar je Feinunze – ein Tagesanstieg von bis zu 2,6 Prozent. Das Edelmetall hat damit den grössten Teil seiner Verluste aus dem Januar-Rücksetzer aufgeholt und notiert auf Jahressicht rund 23 Prozent im Plus, nachdem es im Januar kurzzeitig ein Rekordhoch von 5.595 Dollar markiert hatte. J.P. Morgan und Bank of America bestätigten jüngst ihre Prognosen, wonach Gold bis Ende 2026 die Marke von 6.000 beziehungsweise 6.300 Dollar je Unze erreichen könnte.
Analysten von Natixis schätzen, dass ein anhaltender Konflikt den Goldpreis um weitere 15 Prozent treiben könnte – und dass dieser Effekt hauptsächlich in den ersten Wochen eintreten würde. Chris Wood, Global Head of Equity Strategy bei Jefferies, erklärte gar, dass Gold innerhalb von fünf Jahren die Marke von 10.000 Dollar erreichen könnte.
Was Profis an diesem Marktgeschehen besonders alarmiert, ist die Schwäche von Staatsanleihen in einem klassischen Risikoabschwung. Die Rendite zweijähriger deutscher Bundesanleihen stieg um 0,08 Prozentpunkte auf 2,09 Prozent. Zweijährige britische Gilts legten um 0,11 Prozentpunkte auf 3,64 Prozent zu. Das bedeutet: Statt zu steigen, fielen Anleihenkurse – und liessen Anleger im Stich.
Ein Grund: Die inflationären Implikationen höherer Energiepreise haben die Erwartungen an Leitzinssenkungen drastisch gedämpft. Im Euroraum fiel die Wahrscheinlichkeit einer weiteren Viertelpunktsenkung bis Ende 2026 von rund 55 auf etwa 15 Prozent. In den USA rechnen die Märkte nun damit, dass die Fed erst im September einen Zins-Schritt wagen – deutlich später als noch vor wenigen Wochen.
Grosse Vermögensverwalter reagierten mit gezielter Risikoreduzierung. Carmignac baute Aktienpositionen ab – unter anderem in Japan –, kaufte Put-Optionen auf den S&P 500 und hält einen Teil des freigesetzten Kapitals in Cash, um sich gegen einen inflationsbedingten Anleiheneinbruch abzusichern. Citi stufte japanische Aktien angesichts der hohen Ölpreissensitivität von Übergewicht auf Untergewicht herab und hob britische Werte wegen der hohen Anteile von Rüstungs- und Energieaktien auf Übergewicht an. Andere sind nach wie vor davon überzeugt, dass eine Selektion entscheidend ist.