06.03.2026, 08:58 Uhr
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Eine neue Studie des Department of Finance der Universität Zürich, erstellt im Auftrag der Bank von Roll, kommt zu einem überraschenden Schluss: Edelmetalle spielen eine weit wichtigere Rolle im langfristigen Vermögensaufbau als bisher angenommen.
Wer sein Vermögen langfristig aufbauen will, sollte einen substanziellen Teil davon in Edelmetallen anlegen. Zu diesem Schluss kommen Thorsten Hens und Alvin Amstein vom Department of Finance der Universität Zürich in einer neuen Studie, die sie im Auftrag der Zürcher Privatbank von Roll erstellt haben. Die Ergebnisse stellen die gängige Lehrmeinung der Vermögensverwaltung grundlegend in Frage.
Bislang galten Edelmetalle in der Finanzwissenschaft bestenfalls als Randerscheinung im Portfolio – nützlich vielleicht zur Risikodiversifikation, aber letztlich unproduktiv, da sie weder Zinsen noch Dividenden abwerfen. Diese Sichtweise, so die Studie, greift zu kurz. Denn sie blendet entscheidende Faktoren aus: Inflation, Besteuerung und die psychologische Komponente des Anlegens in turbulenten Märkten.
Die Forscher haben Marktdaten seit 1972 ausgewertet – dem Jahr, in dem das Bretton-Woods-System des festen Goldpreises aufgegeben wurde – und dabei sowohl die Perspektive von Schweizer Anlegern in Franken als auch von internationalen Investoren in US-Dollar berücksichtigt. Das Ergebnis ist eindeutig: Edelmetalle, allen voran Gold, gehören in jedes langfristig ausgerichtete Portfolio.
Besonders eindrücklich ist der direkte Renditevergleich. Wer 1972 hundert Dollar in Gold investierte, sitzt heute auf einem Wert von rund 6'000 Dollar. Dieselbe Summe im MSCI-World – dem wichtigsten globalen Aktienindex – angelegt, hätte ohne Dividendenreinvestition lediglich rund 3'400 US-Dollar erbracht. Damit übertrifft Gold den Weltaktienindex ohne Dividenden um fast das Doppelte.
Das Bild verändert sich, wenn Dividenden vollständig reinvestiert werden: In diesem Fall hätte der MSCI-World einen Wert von rund 14'800 US_^-Dollar erreicht. Doch dieser scheinbar überwältigende Vorsprung schmilzt erheblich, sobald die steuerliche Realität einbezogen wird. In der Schweiz sind Kursgewinne steuerfrei, während Dividenden und Zinsen der Einkommensteuer unterliegen. Gold profitiert davon strukturell: Es wirft keine steuerpflichtigen Erträge ab, steigt aber langfristig im Wert. Wird eine Steuerbelastung von 35 Prozent auf Dividenden und Zinsen angenommen, nähern sich Gold und der Aktienindex in ihrer Gesamtrendite deutlich an.
Hinzu kommt der Inflationsschutz: Gold tendiert dazu, in Phasen steigender Inflation im Wert zuzulegen, und bewahrt damit die reale Kaufkraft des angelegten Vermögens. Wer hingegen auf Bargeld setzte, verlor über denselben Zeitraum inflationsbereinigt erheblich an Kaufkraft – ein stilles, aber massives Vermögensproblem, das oft unterschätzt wird.
Neben der reinen Renditebetrachtung betonen die Autoren einen oft vernachlässigten Aspekt: die Funktion von Edelmetallen als Stabilitätsanker in volatilen Marktphasen. Wenn Aktienmärkte einbrechen, sind Anleger mit Edelmetallen im Portfolio besser in der Lage, ruhig zu bleiben und rational zu handeln – oder sogar günstig nachzukaufen – statt in Panik zu verkaufen. Edelmetalle sind damit nicht primär ein Renditemotor, sondern eine Art Versicherung, die den Anleger handlungsfähig hält und es ihm ermöglicht, gestärkt aus Krisen hervorzugehen.
Die Studie gibt konkrete Handlungsempfehlungen. Je nach Modell, Anlagestrategie und Währung sollte der Edelmetallanteil zwischen 1 und 30 Prozent liegen. Im Basisfall – ein CHF-Anleger mit monatlichem Rebalancing, gerechnet über alle drei untersuchten Allokationsmodelle (Growth Optimal Portfolio, Minimum Variance Portfolio und Prospect Theory) – empfehlen die Forscher je 10 Prozent Gold und 10 Prozent Silber im Portfolio.
Sobald Steuern auf Dividenden und Zinsen einbezogen werden, steigt die empfohlene Edelmetallquote auf 25 Prozent, bei international diversifizierten Anlegern sogar auf 30 Prozent. Besonders interessant ist auch der Befund, dass ein Portfolio aus 85 Prozent Aktien und 15 Prozent Edelmetallen langfristig mehr Rendite erzielt als ein reines Aktienportfolio – ein Ergebnis, das das gängige Bild von Edelmetallen als Renditekiller klar widerlegt.
Innerhalb der Edelmetalle ist die Hierarchie laut Studie klar. Gold nimmt die zentrale Rolle ein und gilt als unverzichtbarer Baustein im Portfolio. Silber ergänzt Gold sinnvoll, insbesondere in Portfolios, die regelmässig rebalanciert werden. Zudem könnte Silber von der globalen Energiewende profitieren, da es in Solaranlagen und anderen Energietechnologien breit eingesetzt wird. Platin hingegen spielt in der optimalen Allokation keine wesentliche Rolle. Als Faustregel empfehlen die Forscher, ein Edelmetallportfolio zu zwei Dritteln aus Gold und zu einem Drittel aus Silber zusammenzusetzen.
Ein Hinweis ist journalistisch geboten: Die Studie wurde von der Bank von Roll in Auftrag gegeben. Gleichwohl stammen die Autoren von einer unabhängigen Forschungsinstitution – der Universität Zürich – und stützen sich auf einen langen, belastbaren Datensatz. Die Ergebnisse verdienen es daher, ernst genommen zu werden, auch wenn sie im Kontext ihrer Entstehung gelesen werden sollten. Mache mögen sich an die Gründung der Bank Reichmuth erinnern: Mitgründer Karl Reichmuth hat dieses Modell im Grundsatz immer schon verteidigt. Er nannte es Realwert-Strategie.
So oder so: Für Schweizer Privatanleger liefert die Studie ein klares Signal: Wer langfristig Vermögen aufbauen will, kommt an Gold – und in geringerem Mass an Silber – kaum vorbei