Werbung

Die Hausse geht in die Verlängerung – warum Bantleon jetzt auf Risikoassets setzt

Bantleon sehen die Weltwirtschaft in guter Verfassung und erwarten einen Aufschwung (Bild: Adobe Stock)
Bantleon sehen die Weltwirtschaft in guter Verfassung und erwarten einen Aufschwung (Bild: Adobe Stock)

Trotz Zollkrieg, geopolitischer Spannungen und hoher Bewertungen bleibt der Chefökonom des Schweizer Vermögensverwalters Bantleon überraschend optimistisch. Ein investitionsgetriebener US-Aufschwung, Europas Fiskalpakete und robuste Schwellenländer treiben die Weltwirtschaft – und schaffen ein Umfeld, in dem Aktien und Unternehmensanleihen weiter glänzen könnten.

11.02.2026, 17:03 Uhr
Aktien | Anlagestrategie | Devisen | Obligationen

Redaktion: asc

Es ist ein Bild, das so manchen Pessimisten überraschen dürfte: Anfang 2026 präsentiert sich die Weltwirtschaft in erstaunlich guter Verfassung. Weder der von Donald Trump angezettelte Zollkrieg noch die zahlreichen geopolitischen Krisenherde haben die globale Konjunktur in die Knie gezwungen. Im Gegenteil – die Wachstumszahlen lesen sich beachtlich. Die US-Wirtschaft legte im zweiten Halbjahr 2025 um mehr als drei Prozent zu, China wuchs um knapp fünf Prozent, und selbst die Eurozone schaffte immerhin 1,2 Prozent.

«Für 2026 zeichnet sich eine weitere Belebung ab», schreibt Daniel Hartmann, Chefökonom beim Schweizer Vermögensverwalter Bantleon, in seinem jüngsten Ausblick. Seine Kernbotschaft: Die Hausse bei Risikoassets geht in die Verlängerung – auch wenn zwischenzeitliche Turbulenzen nicht ausbleiben werden.

USA: Der KI-Boom erfasst den Mittelstand

Dreh- und Angelpunkt der Weltwirtschaft bleiben die Vereinigten Staaten. Dort waren es 2025 vor allem die Investitionen, die das Wachstum trugen. Allen voran boomten die KI-nahen Ausgaben – für Rechenzentren, Computerausrüstung und Software – mit einer Expansionsrate von rund 15 Prozent. Und die Dynamik hält an: Die grossen Technologiekonzerne haben bereits weitere Projekte im Volumen von mehreren hundert Milliarden Dollar angekündigt.

Entscheidend ist laut Hartmann aber, dass der Investitionsaufschwung 2026 an Breite gewinnt und zunehmend auch den Mittelstand erfasst. «Die Verbesserung der Finanzierungskonditionen ist eine Besonderheit des aktuellen Umfelds», erläutert der Chefökonom. Während die Fed den Investitionsboom durch Leitzinssenkungen zusätzlich befeuere, sei es für die Unternehmen im laufenden Jahr noch einfacher geworden, an günstige Liquidität zu kommen. Das zu Jahresbeginn hohe Emissionsvolumen an Unternehmensanleihen sei ein erstes Indiz dafür. Weiteren Rückenwind erwartet Hartmann von der expansiveren Fiskalpolitik unter dem Stichwort «One Big Beautiful Bill Act» sowie vom voraussichtlich abebbenden Handelsstreit. Trump werde vor den Zwischenwahlen alles daransetzen, ein ideales Investitionsumfeld für die Unternehmen zu schaffen.

Auch die Konsumseite stimmt den Bantleon-Ökonomen zuversichtlich. Zwar habe die Nachfrage 2025 unter dem zollbedingten Inflationsschub, der Entlassungswelle im öffentlichen Dienst und dem längsten Government Shutdown der US-Geschichte gelitten. Doch die wohlhabenderen Bevölkerungsgruppen seien – gestützt durch die Aktienhausse – in die Bresche gesprungen. Im laufenden Jahr dürften Steuersenkungen und eine Stabilisierung am Arbeitsmarkt das Umfeld zusätzlich verbessern. Bantleon prognostiziert ein US-Wirtschaftswachstum von 2,5 bis 3,0 Prozent für 2026 – und liegt damit sogar noch etwas optimistischer als der Konsens von 2,4 Prozent.

Daniel Hartmann, Chefökonom beim Schweizer Vermögensverwalter Bantleon, sieht positive Signale für die Weltwirtschaft (Bild: Bantleon)
Daniel Hartmann, Chefökonom beim Schweizer Vermögensverwalter Bantleon, sieht positive Signale für die Weltwirtschaft (Bild: Bantleon)

Fed am Ende des Lockerungszyklus

Für die US-Notenbank bedeute das robuste Konjunkturbild, dass die Argumente für weitere Zinssenkungen schwinden. Die Teuerungsrate dürfte deutlich über zwei Prozent verharren, während die Investitionsbelebung die Beschäftigungsnachfrage beflügele. Hartmann rechnet im Basisszenario mit bestenfalls noch einem Zinsschritt um 25 Basispunkte zur Jahresmitte. Zwar sei mit dem Wechsel an der Fed-Spitze und massivem politischem Druck nicht ausgeschlossen, dass der Offenmarktausschuss am Ende zum Ausführungsorgan des Präsidenten mutiere. «Allerdings sind die Trump-Anhänger im FOMC eindeutig in der Minderheit, weshalb wir einem aggressiven Leitzinssenkungsszenario nach wie vor nur eine Aussenseiterchance einräumen», so Hartmann.

Schwellenländer: Wachstumsmotor trotz Zollstreit

Unter den Schwellenländern habe China den Zollschock bislang gut weggesteckt, konstatiert Hartmann. Dank vermehrter Ausfuhren nach Asien und Europa befinde sich der Export weiterhin im Aufwind. Das eigentliche Problem bleibe die Binnennachfrage – doch die chinesische Regierung habe keinen Zweifel daran gelassen, notfalls weitere fiskalische Stimuli zu lancieren. China dürfte daher zwar kein Wachstumstreiber, aber auch kein Belastungsfaktor sein.

Ausserhalb Chinas zeigt sich der Bantleon-Chefökonom besonders angetan von der Dynamik in Ländern wie Indien, Vietnam, Taiwan, Indonesien und den Philippinen, die mit Raten von fünf bis sieben Prozent wachsen. «In vielen Regionen ist das Inflationsproblem überwunden und es hat sich ein endogener Aufschwung etabliert», stellt Hartmann fest. Mit nachlassenden geopolitischen Spannungen dürfte die Dynamik eher zu- als abnehmen.

Europa: Grösster Fiskalimpuls seit der Wiedervereinigung

Die grösste Überraschung des Ausblicks liegt vielleicht in der Zuversicht für die Eurozone. Hartmann sieht die verbesserte Weltkonjunktur als Initialzündung, betont aber, dass die eigentlichen Hoffnungen auf dem deutschen Fiskalpaket ruhen. Die Bundesregierung plane, die Ausgaben in der laufenden Legislaturperiode um mehr als 120 Milliarden Euro zu steigern – das entspricht rund drei Prozent des Bruttoinlandsprodukts. Ein Grossteil davon, mehr als 50 Prozent, dürfte im laufenden Jahr fliessen.

Den Kritikern, die monieren, dass von den Impulsen bislang noch wenig zu sehen sei, hält Hartmann die Haushaltssperre entgegen, die bis Oktober 2025 in Kraft gewesen sei. Erst seit der Absegnung des Budgets durch den Bundestag könne das Geld abfliessen. Ein erstes Signal liefern die Auftragsdaten der Industrie: Der Ordereingang sei innerhalb von zwei Monaten um 14 Prozent in die Höhe geschnellt. «Und dies dürfte erst der Anfang sein – die Pipeline ist prall gefüllt», so Hartmann. Er erwartet, dass der grösste staatliche Impuls seit der deutschen Wiedervereinigung das Wachstum um rund 1,5 Prozentpunkte anschieben wird.

Auch Südeuropa bleibt laut Bantleon auf Kurs. Aus dem EU-Wiederaufbaufonds stünden weiterhin 450 Milliarden Euro für Italien, Spanien, Portugal und Griechenland bereit, wovon erst rund 60 Prozent abgerufen worden seien. Der Rest dürfte in den nächsten 15 bis 18 Monaten fliessen. Hartmanns Prognose für die Eurozone: ein BIP-Zuwachs von 1,8 Prozent im laufenden Jahr – deutlich über dem Konsens von lediglich 1,2 Prozent. «Die zahlreichen Fiskalimpulse werden vom Konsens als weitgehend wirkungslos angesehen», bemerkt der Ökonom. Er sehe das anders.

EZB im Patt – Inflation könnte zurückkehren

Bei der Europäischen Zentralbank sieht Hartmann ein Patt zwischen Tauben und Falken, das im ersten Halbjahr 2026 fortbestehen dürfte. Die Inflation sei zwar auf 1,7 Prozent abgetaucht, was den Befürwortern einer Zinssenkung Munition liefere. Gleichzeitig stünden dem aber die freundlichen Konjunkturdaten gegenüber. Im weiteren Jahresverlauf werde die konjunkturelle Belebung in den Vordergrund rücken und die Debatte über geldpolitische Straffungen befeuern. Ob es Ende 2026 bereits zu einer ersten Leitzinsanhebung komme, lässt Hartmann offen – er erwartet jedoch, dass an den Geldterminmärkten die Zinserwartungen nach oben korrigiert werden.

Weniger zuversichtlich als die EZB selbst zeigt sich Bantleon bei der Inflationsentwicklung. «Behalten wir mit unserer Konjunkturprognose recht und das Wachstum zieht über die Potenzialrate an, werden die Inflationsrisiken erneut zunehmen», warnt Hartmann. Er rechnet damit, dass die Teuerungsrate im zweiten Halbjahr 2026 wieder über die Marke von zwei Prozent zurückkehrt.

Finanzmärkte: Staatsanleihen unter Druck, Risikoassets im Aufwind

Für die Finanzmärkte leitet Hartmann aus dem makroökonomischen Bild klare Konsequenzen ab. Staatsanleihen mit langen Laufzeiten bleiben die Verlierer: Die verbesserten Wachstumsperspektiven, die unberechenbare Politik des US-Präsidenten und die ausufernde Staatsverschuldung trieben die Laufzeitprämien nach oben. Konkret erwartet Bantleon, dass die Renditen zehnjähriger Bundesanleihen bis zur Jahresmitte um rund 40 Basispunkte auf 3,30 Prozent steigen. In den USA seien bei gleicher Laufzeit in der Spitze bis zu fünf Prozent möglich.

Für Unternehmensanleihen und Covered Bonds hingegen bleibt Hartmann konstruktiv. Die Bilanzen im Unternehmenssektor hätten sich deutlich besser entwickelt als im Staatssektor. Bei europäischen Investment-Grade-Unternehmensanleihen liege der Risikoaufschlag gegenüber Bundesanleihen nur noch bei gut 70 Basispunkten – dem niedrigsten Stand seit 19 Jahren. Dennoch sehe er weiteres Einengungspotenzial in Richtung 50 bis 60 Basispunkte. Bei europäischen High-Yield-Anleihen mit einem Spread von 265 Basispunkten dürfte das zyklische Tief von 2017 im laufenden Jahr sogar leicht unterboten werden. «Der Investor könnte damit den Ertrag aus dem Coupon einer High-Yield-Anleihe – aktuell durchschnittlich fünf Prozent – voll vereinnahmen», rechnet Hartmann vor.

Aktien: Europa vor Aufholjagd

Bei Aktien kennt Hartmann die Gegenargumente. Das Shiller-KGV in den USA liegt bei 40 – ein Bewertungsniveau, das zuletzt nur in der Dotcom-Blase übertroffen wurde. Ob die Hoffnungen auf die KI-Revolution und die damit verbundenen Produktivitätseffekte gerechtfertigt seien, bleibe abzuwarten. Kurzfristig aber sei das zyklische Umfeld der entscheidende Faktor.

«Behalten wir mit unserer optimistischen Prognose recht, dürfte zweierlei passieren: Die Investoren werden die Gewinnschätzungen nach oben korrigieren und wegen des steigenden Risikoappetits noch höhere Bewertungen akzeptieren», argumentiert Hartmann. Davon sollte insbesondere Europa profitieren, wo die Aktien noch moderat bewertet seien und der grösste Wachstumssprung zu erwarten sei. Generell sieht er Small und Mid Caps sowie zyklische Titel – speziell aus dem Banken- und Grundstoffsektor – als die Gewinner des skizzierten Umfelds. An den europäischen Aktienmärkten hält der Bantleon-Chefökonom Kursgewinne von zehn Prozent bis zum Herbst 2026 für realistisch.

2027: Abkühlung ja, Ausverkauf nein

Für das erste Halbjahr 2027 sieht Hartmann eine konjunkturelle Abkühlung voraus, die Risikoassets vorübergehend unter Druck setzen dürfte. Die Bantleon-Frühindikatoren deuteten darauf hin, dass Ende 2026 der Rückenwind aus Fiskal- und Geldpolitik, dem nachlassenden Handelsstreit und dem KI-Boom gleichzeitig abflaue. Das US-Wachstum könnte temporär wieder unter zwei Prozent sinken.

Einen Ausverkauf erwartet Hartmann allerdings nicht. Er spricht von einem «Midcycle Slowdown», keiner Rezession. Aktien und Unternehmensanleihen dürften moderat unter Druck geraten, Staatsanleihen leichten Aufwind verspüren. Die Renditen zehnjähriger Bundesanleihen sollten temporär wieder unter drei Prozent sinken – vom Niedrigzinsumfeld der Jahre 2019 bis 2021 sei man aber noch weit entfernt. Im zweiten Halbjahr 2027 dürfte sich die Lage bereits wieder beruhigen.

«Die erste grosse Korrektur am Aktienmarkt seit 2008 dürfte damit auch 2026 und 2027 ausbleiben», fasst Hartmann zusammen, fügt aber mit typischer Vorsicht hinzu: «Zum Ende dieses Jahrzehnts wollen wir dafür aber nicht unsere Hand ins Feuer legen.»

Das grosse Risiko: Die Schuldenbombe tickt

Bei aller Zuversicht verschweigt Hartmann die Risiken nicht. Neben dem demografischen Wandel sieht er in der global ausufernden Staatsverschuldung – allen voran in den USA, Japan, Frankreich und China – das grösste mittelfristige Wachstumsrisiko. In allen genannten Ländern dürften die Zinslasten in den nächsten Jahren so stark anschwellen, dass eine deutliche Reduzierung der Staatsausgaben unumgänglich werde. Die damit einhergehende restriktivere Fiskalpolitik werde das Wachstum über Jahre belasten. Allerdings – und das ist die beruhigende Botschaft – dürfte dieses Szenario erst zum Ende der 2020er- oder Anfang der 2030er-Jahre relevant werden.

Zuversichtlich bleibt Bantleon auch für die Peripherie-Staatsanleihen der Eurozone. Die Spreads italienischer, spanischer und portugiesischer Anleihen gegenüber Bundesanleihen befänden sich seit drei Jahren in einem Abwärtstrend. Daran dürfte sich wenig ändern, zumal die Schuldenvergemeinschaftung in der Eurozone weiter zunehme. «Sowohl der Wiederaufbau der Ukraine als auch die Wiederaufrüstung in Europa dürften über EU-Anleihen finanziert werden. Alle Euroländer sitzen damit zunehmend in einem Boot», konstatiert Hartmann. Risikoaufschläge innerhalb der Eurozone machten deshalb immer weniger Sinn.

Alle Artikel anzeigen

Diese Website verwendet Cookies, um Ihnen eine bestmögliche Nutzung zu ermöglichen. Mit der Annahme der Cookies bestätigen Sie, dass Sie ein professioneller Anleger mit Sitz in der Schweiz sind.> Datenschutzerklärung