29.09.2026, 09:21 Uhr
Mit der neuen Strategie richtet sich das Zürcher Investmenthaus an institutionelle Anleger, die im Schwellenländer-Segment aktiv, aber mit engerem Risikobudget investieren wollen. Die Lancierung fällt in eine Phase...
Die Zürcher Bank verwaltet so viel Geld wie nie zuvor. Das Private-Clients-Geschäft wächst in allen Regionen, im institutionellen Geschäft fliesst dagegen weiter Geld aus den Quality-Growth-Strategien ab. Im dritten Quartal fiel das ausgewiesene Neugeld des Konzerns deshalb negativ aus.
Vontobel hat Ende September 255,1 Milliarden Franken an Kundenvermögen verwaltet, so viel wie noch nie. Das sind 14,4 Milliarden Franken oder rund 6 Prozent mehr als Ende 2025. Ende Juni lag der Wert bei 252,2 Milliarden Franken. Das geht aus dem Handelsupdate zu den ersten neun Monaten hervor, das die Bank am Donnerstag veröffentlicht hat.
Den grössten Teil des Zuwachses lieferten die Märkte: Die Kursentwicklung brachte 8,7 Milliarden Franken, Währungseffekte weitere 5,5 Milliarden Franken. Netto flossen 1,9 Milliarden Franken an Neugeldern zu. Übrige Effekte schlugen mit minus 1,6 Milliarden Franken zu Buche.
Der Blick auf die Quartalsentwicklung zeigt: Ende Juni hatte das ausgewiesene Neugeld nach sechs Monaten noch 2,5 Milliarden Franken betragen. Für die ersten neun Monate sind es nun 1,9 Milliarden Franken. Rechnerisch verlor Vontobel im dritten Quartal also netto rund 0,6 Milliarden Franken an Kundengeldern.
Ohne Sondereffekte sieht das Bild anders aus. Bereinigt um die Abflüsse aus den Quality-Growth-Strategien und die Rückführung des Futura-Mandats durch Raiffeisen beziffert Vontobel die Nettoneugelder für die ersten neun Monate auf 8,4 Milliarden Franken. Nach dem ersten Halbjahr waren es bereinigt 6,3 Milliarden Franken gewesen, im dritten Quartal kamen somit rund 2,1 Milliarden Franken hinzu.
Wachstumstreiber bleibt das Geschäft mit Privatkunden. Es zog in den ersten neun Monaten 3,8 Milliarden Franken an Neugeldern an, davon 1,3 Milliarden Franken im dritten Quartal. Laut Vontobel trugen sämtliche Regionen positiv bei. Die verwalteten Vermögen der Sparte stiegen seit Jahresbeginn von 124,6 auf 136,6 Milliarden Franken, ein Plus von knapp 10 Prozent. Private Clients ist damit klar die grössere der beiden Kundeneinheiten.
Im institutionellen Geschäft weist Vontobel für die ersten neun Monate Nettoabflüsse von 2,0 Milliarden Franken aus. Ende Juni war die Sparte mit 0,03 Milliarden Franken noch knapp im Plus gelegen. Die verwalteten Vermögen sanken im dritten Quartal von 112,5 auf 111,0 Milliarden Franken.
Hauptgrund sind die Quality-Growth-Strategien, ein Aushängeschild des Vontobel-Asset-Managements. Aus ihnen zogen Kunden seit Jahresbeginn 5,1 Milliarden Franken ab, nach 2,5 Milliarden Franken im ersten Halbjahr. Die Abflüsse haben sich im dritten Quartal also beschleunigt. Bereits bei der Präsentation der Halbjahreszahlen hatte die Bank auf die Präferenz vieler Anleger für KI-getriebene US-Megacaps verwiesen. Quality-Ansätze, die auf stabile Gewinne und solide Bilanzen setzen, halten mit diesem Momentum oft nicht mit.
Dazu kommen 1,6 Milliarden Franken im Zusammenhang mit den Futura-Fonds. Raiffeisen hatte im September 2024 angekündigt, die Verwaltung ihrer aktiven Futura-Fonds ab 2027 selbst zu übernehmen und die Zusammenarbeit mit Vontobel in diesem Bereich nicht zu verlängern. Andere Teile der Partnerschaft sind davon nicht betroffen.
Ohne diese beiden Effekte hätte das institutionelle Geschäft Zuflüsse von 4,6 Milliarden Franken verbucht. Die Nachfrage nach anderen Strategien ist demnach intakt.
Zu Gewinn und Ertrag äussert sich Vontobel im Handelsupdate nicht. Die Ausgangslage ist allerdings gut: Im ersten Halbjahr hatte die Bank den Konzerngewinn um 87 Prozent auf den Rekordwert von 216 Millionen Franken gesteigert. Die Erträge legten um 24 Prozent auf 852 Millionen Franken zu, getragen von reger Kundenaktivität und einem florierenden Derivategeschäft. Die Cost-Income-Ratio sank auf 67,9 Prozent und lag damit unter dem langfristigen Zielwert von 72 Prozent. Die harte Kernkapitalquote betrug 23,2 Prozent. Das Effizienzprogramm über 100 Millionen Franken soll Ende 2026 abgeschlossen sein.
Die Neunmonatszahlen zeigen eine Bank mit zwei Geschwindigkeiten. Das Private-Clients-Geschäft wächst stetig und breit abgestützt. Im Asset Management hängt viel an der Frage, wann Quality Growth wieder in Mode kommt. Solange die Börsen von wenigen KI-Titeln getragen werden, dürfte der Gegenwind anhalten. Die Futura-Abflüsse sind dagegen ein bekannter Einmaleffekt.