Joe Biden will zwei Billionen Dollar in Infrastruktur investieren

Schienennetze, die immer mehr durch erneuerbare Energien betrieben werden können, ebnen den Weg mit in eine kohlenstoffarme, nachhaltige Mobilität. (Shutterstock.com/Sterling Images)
Schienennetze, die immer mehr durch erneuerbare Energien betrieben werden können, ebnen den Weg mit in eine kohlenstoffarme, nachhaltige Mobilität. (Shutterstock.com/Sterling Images)

Im Rahmen der US-Präsidentschaftswahlen dürfte auch der Klimawandel ein entscheidendes Wahlkampfthema sein. Die Sichtweise von Donald Trump bzw. von Joe Biden hierzu könnte unterschiedlicher nicht sein.

23.10.2020, 15:46 Uhr

Redaktion: rem

"Ein Wahlsieg von Joe Biden dürfte den Einsatz erneuerbarer Energien wahrscheinlich weiter vorantreiben angesichts seines Plans, eine moderne, nachhaltige Infrastruktur und eine gerechte Zukunft mit sauberer Energie aufzubauen", zeigt sich Alex Araujo von M&G Investments zuversichtlich. Der demokratische Kandidat Biden verfolgt dabei zwei Ziele: Netto-Null-Kohlenstoffemissionen bis 2050 und Investitionen in Höhe von 2 Bio. USD in die Infrastruktur während seiner Präsidentschaft.

Unabhängig davon, ob die Demokraten gewinnen, investieren regionale Versorgungsunternehmen und die Privatwirtschaft bereits jetzt in klimafreundliche Projekte – trotz Donald Trumps Ausstieges aus dem Pariser Abkommen vor drei Jahren. Im Vergleich zu anderen Teilen der Welt ist das Potenzial für den Einsatz erneuerbarer Energien in den USA enorm. Die Kapazität ist aktuell nur halb so gross wie in Europa und auch deutlich geringer als in China. Amerika hat Nachholbedarf und damit Wachstumschancen über mehrere Jahrzehnte.

Übeltäter Versorgungssektor

Der Versorgungssektor ist nicht nur in den USA einer der schlimmsten Übeltäter in Bezug auf den Ausstoss von Treibhausgasen und spielt deshalb eine Schlüsselrolle. Gas-, Wasser- und Elektrizitätsunternehmen haben ihre Bedeutung für die Umsetzung der Energiewende erkannt und stellen inzwischen häufig auf eine klimafreundlichere Versorgung um. Zu den Positivbeispielen zählt Araujo etwa den US-Anbieter NextEra Energy Partners, der sich auf saubere Wind- und Solarenergie konzentriert, und das italienische Unternehmen Enel, das emissionsfreie Energiequellen einsetzt und gleichzeitig den Prozess der Dekarbonisierung beschleunigt. Doch nicht nur bei erneuerbaren Energien, auch in anderen Infrastrukturbereichen müssten die USA deutlich aufholen, meint er: Nach Angaben der American Society of Civil Engineers gaben die USA 2019 nur 2,5% des BIP für Infrastruktur aus.

Zu Zeiten des New Deals in den 1930er Jahren waren es 4,2%. Damit wird sich der Fehlbetrag bei Infrastrukturinvestitionen zwischen 2016 und 2025 auf schätzungsweise 2 Bio. USD belaufen. Darüber hinaus ist die Infrastruktur ein wichtiger Motor für den amerikanischen Arbeitsmarkt und beschäftigt 17,2 Mio. Menschen.

Infrastruktur steht ganz oben in den politischen Agenden

"Wenn es um staatliche Infrastrukturinitiativen geht, sollte man sich wohl nicht zu sehr auf die öffentlichen Versprechen der Politiker verlassen", sagt der Fondsmanager. Aber dieses Jahr sei es anders. Die Corona-Krise habe die Infrastruktur auf der Politik-Agenda nach oben gerückt. Höhere Ausgaben für Infrastruktur waren ein herausragendes Merkmal der Konjunkturpakete in China, Japan und Europa – aber sie fehlten bisher in den Vereinigten Staaten. Immerhin: Die dringende Notwendigkeit, die marode Infrastruktur Amerikas auszubauen und zu modernisieren, sei einer der wenigen Punkte, bei denen sich Republikaner und Demokraten einig sind.

Nach Meinung Araujos eröffnen sich für die Anleger dadurch eine Reihe von Chancen, denn Infrastrukturunternehmen, die den Wandel zu einer umweltfreundlicheren und nachhaltigeren Wirtschaft mitgehen, seien in einer guten Position, um in den nächsten Jahrzehnten zu florieren. Die Konzentration auf einen grünen Aufschwung dürfte sich als starker Rückenwind für Firmen erweisen, die nachhaltige Infrastrukturanlagen wie Solarparks, Windparks und Fahrzeugaufladungsnetze besitzen und entwickeln. Das gelte ebenso für Unternehmen mit digitaler Infrastruktur, denn der Bedarf an Sendemasten und Datenzentren wird weiter steigen – auch wenn die Pandemie vorbei sei, ist Arujo überzeugt.

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