Lombard Odier und Polar Capital wetten auf den Gesundheitssektor

Investitionen in den Gesundheitssektor: Lombard Odier mach mit Polar Capital gemeinsame Sache (Bild: Adobe Stock)
Investitionen in den Gesundheitssektor: Lombard Odier mach mit Polar Capital gemeinsame Sache (Bild: Adobe Stock)

Die Genfer Privatbank Lombard Odier und der britische Vermögensverwalter Polar Capital spannen zusammen – und lancieren einen gemeinsamen Fonds, der gezielt auf Wachstum im globalen Gesundheitsbereich setzt. Der Gesundheitssektor profitiert von Nachholefekten und strukturellen Veränderungen.

20.03.2026, 06:19 Uhr
Anlagefonds | Anlagestrategie

Redaktion: asc

Der «PrivilEdge – Polar Capital Global Healthcare Fund» wurde am 19. Februar 2026 aufgelegt, ist in Luxemburg domiziliert und in US-Dollar denominiert. Das Konzept ist ein Balanceakt: Das Portfolio von 75 bis 90 Titeln soll gleichzeitig in etablierte Grosskonzerne aus dem Gesundheitsbereich und in innovative Biotechnologie-Unternehmen investieren – eine Kombination, die Stabilität und Wachstumspotenzial vereinen soll. Der Massstab ist der MSCI World Healthcare Index, den der Fonds bei gleichzeitig tieferer Volatilität schlagen will.

Am Steuer sitzt Gareth Powell, der das spezialisierte Healthcare-Team von Polar Capital seit dessen Gründung im Jahr 2007 leitet. Sein achtköpfiges Team – darunter James Douglas, David Pinniger, Deane Donnigan und Brett Pollard, viele mit Hintergrund in Forschung, Klinik oder Wissenschaft – verwaltet insgesamt rund vier Milliarden Dollar.

Teil der «PrivilEge»-Architektur

Maxime Perrin, bei Lombard Odier verantwortlich für das Open-Architecture-Geschäft, bringt die Idee hinter der Plattform auf den Punkt: «PrivilEdge wurde geschaffen, um unseren Kunden kuratierten Zugang zu den besten externen Fondsideen auf dem Markt zu bieten.» Powell seinerseits sieht klaren strukturellen Rückenwind: «Der Gesundheitssektor bleibt einer der überzeugendsten Bereiche mit strukturellem Wachstum weltweit – getragen von Innovation, demografischen Trends und einer anhaltenden Nachfrage nach besseren Behandlungsergebnissen.»

Dass Lombard Odier und Polar Capital jetzt in den Gesundheitssektor drängen, ist kein Zufall. Nach turbulenten Jahren kehrt die Ruhe in einen Markt zurück, der von fundamentalen Kräften getrieben wird. Die alternde Weltbevölkerung, der steigende Bedarf an medizinischer Versorgung und der Wunsch nach effizienteren Gesundheitssystemen sprechen für anhaltendes Wachstum. Gleichzeitig beschleunigen neue Technologien wie künstliche Intelligenz die Forschung und Entwicklung erheblich. Wirkstoffe lassen sich schneller identifizieren, Therapien gezielter auf einzelne Patientengruppen zuschneiden.

Spürbare Erholung und Bewertungsabschläge

Dabei war der Weg dorthin alles andere als gradlinig. Während der Corona-Pandemie erlebten insbesondere Biotechnologie- und Pharmaunternehmen einen ausserordentlichen Boom. Innovative Technologien wie mRNA, Gentherapien und moderne Wirkstoffplattformen rückten ins Zentrum des öffentlichen Interesses. Mit dem Abklingen der Pandemie folgte die Ernüchterung: Steigende Zinsen und rückläufige Investitionen führten zu teils starken Kurseinbrüchen im Biotech-Segment.

Doch nach einem deutlichen Abverkauf im ersten Halbjahr 2025 folgte eine spürbare Erholung, getragen von nachlassenden politischen Risiken, stabilen Fundamentaldaten und einer wieder wachsenden Risikobereitschaft der Investoren. Die Bewertungen im Gesundheitssektor bewegen sich zurück in Richtung des langfristigen Durchschnitts, aber es besteht laut verschiedenen Untersuchungen ein Bewertungsabschlag gegenüber globalen Aktien. Für Biopharma und Life-Science-Tools wird ein durchschnittliches Gewinnwachstum von rund 15 Prozent pro Jahr für den Zeitraum 2024 bis 2027 erwartet – mehr als doppelt so hoch wie der langfristige Trend.

Ein zusätzlicher Treiber ist die Übernahmedynamik. Der zunehmende Patentablauf bei grossen Pharmakonzernen erzeugt erheblichen Handlungsdruck. Innovationen müssen zugekauft werden, und der Blick richtet sich dabei vor allem auf Biotechunternehmen mit vielversprechenden Pipelines. Laut Goldman Sachs sollte die Zahl der Übernahmen und Fusionen im Gesundheitssektor 2025 um 25 Prozent steigen. Johnson & Johnson etwa übernahm Intra-Cellular Therapies für 15 Milliarden Dollar, Stryker kaufte Inari Medical für 5 Milliarden.

Defensiv und wachstumsstark zugleich

Was den Gesundheitssektor für viele Portfoliostrategen besonders interessant macht, ist seine Doppelnatur: Die Nachfrage nach medizinischer Versorgung ist weniger anfällig für wirtschaftliche Abschwünge als viele andere Branchen. Historisch weist der Sektor eine geringere Korrelation zum Gesamtmarkt auf als viele zyklische Sektoren – Gesundheitsaktien zeigen häufig eine stabilisierende Wirkung im Portfolio.

Die stetig wachsende Weltbevölkerung und eine steigende Lebenserwartung in den Industrie- und Schwellenländern sorgen quasi von selbst für eine ungebremste Nachfrage bei Dienstleistungen und Produkten rund um die Gesundheit. Hinzu kommen Schwellenländer wie Indien, wo eine stark wachsende Mittelschicht und massive Investitionen in die Gesundheitsinfrastruktur neue Märkte erschliessen.

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