04.12.2025, 08:42 Uhr
Die Derivate-Boutique Leonteq rechnet für das laufende Jahr mit einem hohen Verlust. Die Aktien fallen auf ein Rekordtief.
Leonteq hat im Geschäftsjahr 2025 einen Konzernverlust von 33,7 Millionen Franken verbucht. Für 2026 verspricht das Management die Rückkehr in die Gewinnzone – und nominiert einen neuen Verwaltungsratspräsidenten.
Das vergangene Jahr war für Leonteq nicht einfach. Das an der SIX Swiss Exchange kotierte Fintech-Unternehmen, das auf strukturierte Anlageprodukte spezialisiert ist, musste am Donnerstag Jahresresultate präsentieren, die deutlich hinter dem Vorjahr zurückblieben. Der Betriebsertrag sank um 28 Prozent auf 172,3 Millionen Franken, nach 238,5 Millionen im Vorjahr. Unter dem Strich resultierte ein Konzernverlust von 33,7 Millionen Franken – nach einem bescheidenen Gewinn von 5,8 Millionen im Jahr 2024.
Verantwortlich für den Rückgang sind vor allem geringere Kommissions- und Dienstleistungserträge, die um 17 Prozent auf 178,5 Millionen Franken fielen, sowie ein negatives Handelsergebnis von minus 3,1 Millionen Franken – nach einem Plus von 21,5 Millionen Franken im Vorjahr. Die tiefere realisierte Marktvolatilität im zweiten Halbjahr habe die positiven Absicherungsbeiträge aus dem ersten Semester weitgehend aufgehoben, erklärte das Unternehmen.
Positiv zu vermerken ist die strikte Kostenkontrolle: Der Geschäftsaufwand wurde um 11 Prozent auf 205,0 Millionen Franken gesenkt. Der sogenannte zugrundeliegende Geschäftsaufwand – bereinigt um Sondereffekte – lag mit 193,8 Millionen Franken sogar 16 Prozent unter dem Vorjahr und damit deutlich besser als die eigene Guidance. Dazu beigetragen haben niedrigere Personalkosten und geringere Netto-Rückstellungen.
Trotz des Verlusts präsentiert sich die Kapitalausstattung robust. Die CET1-Kapitalquote stieg auf 16,9 Prozent. Das entspricht einem Plus von 0,9 Prozentpunkten gegenüber dem Vorjahr und deutlich über der eigenen Zielmarke von 14 Prozent. Zurückzuführen ist dies unter anderem auf den erfolgreichen Übergang zum neuen regulatorischen Regime nach dem Standardansatz für Marktrisiken (SA-FRTB), der die Marktrisiko-Risikogewichte um 16 Prozent reduzierte.
Angesichts des Verlustjahres hat der Verwaltungsrat beschlossen, für 2025 keine Dividende auszuschütten. Das dürfte Aktionäre enttäuschen, auch wenn die Entscheidung angesichts der Zahlen kaum überrascht. Immerhin: Für Anfang 2027 stellt der Verwaltungsrat einen Aktienrückkauf in Aussicht – sofern die Kapitalquote nachhaltig über 15 Prozent gehalten werden kann.
Ein Hoffnungsschimmer zeigt sich in der zweiten Jahreshälfte 2025. Die Kommissions- und Dienstleistungserträge legten im zweiten Semester auf 90,5 Millionen Franken zu, gegenüber 88,0 Millionen in der ersten Jahreshälfte. Leonteq emittierte zudem eine Rekordzahl an Produkten – 49 Prozent mehr als im Vorjahr – und steigerte das Transaktionsvolumen um 17 Prozent auf 13,8 Milliarden Franken im zweiten Halbjahr. Allerdings blieben die Margen auf tiefem Niveau.
Strategisch setzt das Unternehmen auf mehrere Wachstumshebel: Die neue Generation von Actively Managed Certificates (AMCs) stieß auf reges Kundeninteresse, das ausstehende Volumen in diesem Segment stieg um 46 Prozent. Im Schweizer Retail-Flow-Geschäft mit börsenkotierten Hebelprodukten hat sich Leonteq bereits einen Marktanteil von rund 7 Prozent erarbeitet. In Deutschland wurde von der BaFin eine Lizenzerweiterung genehmigt, die den Markteintritt im Retail-Segment für das zweite Quartal 2026 ermöglicht.
Neben den Zahlen sorgt eine personelle Veränderung an der Spitze für Aufmerksamkeit: Der Verwaltungsrat hat Felix Oegerli als künftigen Präsidenten des Gremiums nominiert. Der 64-Jährige bringt über 30 Jahre Erfahrung in den Bereichen Kapitalmärkte, Vertrieb und Handel mit. Zuletzt war er elf Jahre bei der Zürcher Kantonalbank (ZKB) als Leiter Handel, Vertrieb und Kapitalmärkte tätig. Die Wahl soll an der Generalversammlung am 1. April 2026 erfolgen, vorbehaltlich behördlicher Genehmigungen. Er würde den langjährigen Präsidenten Christopher Chambers ablösen.