01.12.2025, 10:36 Uhr
Das Strategy and Insights Office von Invesco hat seinen jährlichen Ausblick für die Asset Allokation für 2026 veröffentlicht. Dieser stellt ein Umfeld in Aussicht, das von einem beschleunigten globalen Wachstum...
Manuel Fuchs ist Head of Wholesale & ETF Distribution Switzerland bei Invesco und verfügt über 20 Jahre Erfahrung in der Vermögensverwaltungsbranche. Zuvor war er bei Credit Suisse und UBS tätig. Im Interview spricht er über das Wachstum des ETF-Markts, die steigende Nachfrage nach Fixed-Income-Strategien nach der Zinswende sowie über neue Trends wie Equal-Weight-Ansätze und substanzorientierte ESG-Investments.
Passive Investments sind auch in der Schweiz weiter auf dem Vormarsch. Wie lange wird dieses Wachstum noch anhalten?
Wir stehen erst am Anfang – insbesondere bei den gebührenfreien ETF-Sparplänen. Der Markt wird zunehmend reifer: Institutionelle Anleger bilden ihre Kernallokationen fast ausnahmslos regelbasiert ab, um Kosten zu optimieren. Die Schweiz folgt mit etwas Verspätung einer Entwicklung, die europaweit voranschreitet.
Aktive ETF sind momentan der grosse Trend: Werden sie die herkömmlichen ETF verdrängen?
Ich sehe Aktive ETF nicht als Verdrängung, sondern als logische Weiterentwicklung. Während passive ETF das Rückgrat für den kostengünstigen Zugang zum Marktbeta bilden, erlauben aktive Strategien im ETF-Mantel eine gezielte Alpha-Generierung. Anleger schätzen dabei die Kombination aus der Flexibilität eines aktiven Managements und der Liquidität sowie Kosteneffizienz der ETF-Struktur. Langfristig werden beide Segmente koexistieren und jeweils spezifische Rollen in der Portfolioallokation übernehmen.
Aktive ETF haben eine höhere Expense Ratio: Wiegen die Vorteile den Kostennachteil gegenüber traditionellen ETF auf?
Entscheidend ist das Kosten-Nutzen-Verhältnis auf Ebene der Nettoperformance. Aktive ETF nutzen die hocheffiziente ETF-Struktur, um aktives Alpha zu deutlich attraktiveren Konditionen zugänglich zu machen als klassische Publikumsfonds. Wir bieten hier im Grunde institutionelle Managementqualität in einem liquiden, börsengehandelten Format an. In einem Marktumfeld, in dem die reine Indexabbildung an ihre Grenzen stösst, rechtfertigt der Mehrwert diesen marginalen Aufpreis für viele Investoren.
Welche Produkttrends sehen Sie ausserdem noch?
Ein sehr starkes Interesse stellen wir derzeit im Bereich der Fixed-Income-ETF fest, da Anleger nach der Zinswende ihre Anleiheportfolios neu positionieren. Zudem gewinnen «Equal Weight»-Konzepte an Bedeutung, um Klumpenrisiken in hochkonzentrierten Indizes wie dem S&P 500 entgegenzuwirken. Auch thematische Investments und innovative ESG-Ansätze bleiben relevant, wobei der Fokus hier klar auf Substanz und nachvollziehbaren Strategien liegt.
Der Siegeszug des ETF fuhr lange am Schweizer Retail-Investor vorbei. Jetzt beträgt der Marktanteil immerhin 20 %. Was hat sich verändert bei der Kundschaft?
Der Schweizer Retail-Markt hat eine beeindruckende Aufholjagd gestartet, was an einem verbesserten Zugang, einer höheren Finanzbildung und vor allem dem Angebot der gebührenfreien ETF-Sparpläne liegt. Moderne digitale Plattformen und Online-Broker haben die Eintrittsbarrieren massiv gesenkt und machen ETFs für Selbstentscheider leicht zugänglich. Gleichzeitig rückt die Nettoperformance stärker in den Fokus. Wir beobachten eine Generation von Anlegern, die Transparenz schätzt und Eigenverantwortung bei der Vermögensbildung übernimmt.
Wie positioniert sich Invesco in der Schweiz angesichts der grossen Konkurrenz, sowohl im aktiven als auch im passiven Bereich?
Wir setzen bewusst auf Innovation statt auf reine Volumenmaximierung. Unsere Differenzierung liegt in der technischen Expertise und in Produkten, die einen messbaren Mehrwert bieten. Unsere Stärke liegt darin, die globale Expertise eines der grössten Vermögensverwalter mit massgeschneidertem Service vor Ort zu verbinden.
Wie ist ihr Distribution-Team aufgestellt und wie funktionieren ihre Vertriebskanäle?
Unser Team setzt auf einen beratungsorientierten Ansatz. Wir arbeiten eng mit institutionellen Kunden und Intermediären zusammen und rücken den fachlichen Austausch mit Portfoliomanagern ins Zentrum. Digitale Schnittstellen unterstützen dabei die Servicequalität. Diese Struktur erlaubt es uns, flexibel auf die sich wandelnden Bedürfnisse der Schweizer Wealth-Management-Industrie zu reagieren.
Welche spezifischen Kundenbedürfnisse stehen momentan ganz oben?
Ganz oben auf der Agenda steht derzeit die Suche nach effektiver Diversifikation in einem Umfeld volatiler Märkte und geopolitischer Unsicherheiten. Viele Kunden fragen gezielt nach Lösungen, die einen Schutz gegen Inflationsrisiken bieten oder stabile Erträge im Fixed-Income-Bereich generieren. Zudem ist die Nachfrage nach massgeschneiderten Lösungen gestiegen, die exakt auf die regulatorischen und steuerlichen Rahmenbedingungen der Schweiz zugeschnitten sind.
Welche Entwicklungen in der Schweizer Asset Management-Branche nehmen sie besonders stark wahr?
Ich beobachte eine zunehmende Professionalisierung bei der Verwendung von ETFs innerhalb diskretionärer Mandate, wo sie immer häufiger als taktische und strategische Werkzeuge genutzt werden. Gleichzeitig führt der Margendruck in der Branche zu einer Konsolidierung und zwingt Anbieter dazu, ihre Wertschöpfungsketten zu optimieren. Die Digitalisierung verändert zudem die Art und Weise, wie Anlageberatung erbracht wird, was neue Chancen für skalierbare ETF-Lösungen eröffnet. Insgesamt wird die Branche transparenter und kundenorientierter, was ich als sehr positive Entwicklung werte.
Was haben Sie sich in ihrer Position für Ziele gesetzt?
Mein Ziel ist es, Invesco als führenden Anbieter für innovative ETF-Strategien im Schweizer Markt weiter zu festigen und auszubauen. Wir wollen die erste Anlaufstelle für Kunden sein, wenn es um intelligente Ergänzungen zum klassischen Portfolio geht. Dazu gehört auch, den Dialog über die Vorteile von aktiven ETF und spezialisierten Fixed-Income-Lösungen aktiv mitzugestalten.