03.08.2026, 09:01 Uhr
Eine Studie der Hochschule Luzern (HSLU) zeigt: Unabhängige Vermögensverwalter (UVV) setzen sich zwar breit mit Künstlicher Intelligenz (KI) auseinander, eine tiefe Integration in die Kernprozesse fehlt jedoch...
Mehr als ein Drittel der Schweizer Anlegerinnen und Anleger nutzt inzwischen ETF. Den grössten Teil des Zuwachses steuern Frauen bei – und sie lassen sich dabei auffallend häufig von FinFluencern beeinflussen. Das zeigt die neue ETF-Anlegerstudie Schweiz der Hochschule Luzern.
Börsengehandelte Indexfonds gewinnen in der Schweiz weiter an Boden. Der Anteil der Anlegerinnen und Anleger, die ETF nutzen, ist innerhalb eines Jahres von 31 auf 35 Prozent gestiegen. Das zeigt die ETF-Anlegerstudie Schweiz 2026 des Instituts für Finanzdienstleistungen Zug (IFZ) der Hochschule Luzern (HSLU), die im Auftrag von finanzen.ch erstellt wurde. Hochgerechnet auf die erwachsene Bevölkerung entspricht das rund einem Fünftel.
Deutlich ist der Unterschied zwischen den Generationen: 44 Prozent der Anlegenden unter 45 Jahren investieren in ETF, bei den über 45-Jährigen sind es 26 Prozent. «ETF sind auf dem Weg, klassische Anlagefonds als Standardprodukt in Schweizer Anlageportfolios abzulösen – insbesondere bei Jüngeren», sagt Studienleiter Brian Mattmann.
Getragen wird das Wachstum vor allem von Frauen. Der Anteil der Anlegerinnen mit ETF stieg gegenüber dem Vorjahr um sechs Prozentpunkte auf 27 Prozent, bei den Männern lediglich um einen Prozentpunkt. Damit gehen 70 Prozent des gesamten Zuwachses auf das Konto der Frauen.
Parallel dazu wächst das Wissen. Der Anteil der Frauen mit mindestens grundlegenden ETF-Kenntnissen erhöhte sich von 38 auf 44 Prozent, gemessen anhand von acht standardisierten Wissensfragen. Bei den Männern blieb der Wert unverändert bei 64 Prozent. Die Lücke zwischen den Geschlechtern wird kleiner, bleibt aber mit 20 Prozentpunkten beträchtlich.
Wie stark sich die Informationsbeschaffung verschiebt, zeigt die Rolle der FinFluencer. 37 Prozent der ETF-Anlegenden hatten bereits Kontakt mit ihnen, gegenüber 22 Prozent aller Anlegenden. Bei ETF-Anlegenden unter 45 Jahren ist es mehr als die Hälfte (51 Prozent). Und ETF sind dort ein zentrales Thema: 74 Prozent derjenigen mit FinFluencer-Kontakt sind auf entsprechende Inhalte gestossen.
Besonders ausgeprägt ist die Wirkung bei Frauen. 77 Prozent der ETF-Anlegerinnen mit FinFluencer-Kontakt geben an, dass diese ihr Verständnis von Finanzanlagen verbessert haben. Mehr als jede zweite sagt zudem, dass ein Kaufentscheid beeinflusst wurde – bei den Männern sind es 30 Prozent.
«FinFluencer sind mehr als ein Randphänomen der Finanzkommunikation, sie vermitteln Wissen und können sogar Anlageentscheide beeinflussen», sagt Co-Studienautor Jürg Fausch. Mattmann leitet daraus eine Forderung ab: «Wer Anlageentscheide mitprägt, trägt Verantwortung. Umso wichtiger sind fachlich fundierte Inhalte und Transparenz über kommerzielle Interessen – das gilt für FinFluencer ebenso wie für ihre Auftraggeber.»
Auch das Angebot verändert sich. Per Ende Juni 2026 standen Schweizer Anlegenden laut Studie 1'696 ETF zur Verfügung, 185 mehr als ein Jahr zuvor. 224 davon – rund 13 Prozent – werden aktiv verwaltet, und von den 222 neu lancierten ETF der vergangenen zwölf Monate waren gut zwei Fünftel aktiv. ETF stehen damit nicht mehr automatisch für passives Investieren.
Die Anlegerschaft zieht allerdings nur zögerlich mit. Von den Befragten, die aktive ETF ablehnen, nennen 43 Prozent ein unzureichendes Verständnis des Produktkonzepts als wichtigsten Grund. «Für Anlegerinnen und Anleger bedeutet die grössere Auswahl auch, dass Produktwissen wichtiger wird», sagt Timo Böhninger von finanzen.ch.
Erstmals erfasst die Studie auch den Markt für ETF-Sparpläne, bei denen Anlegende selbst ETF auswählen und regelmässig einen festen Betrag investieren. Bei den analysierten Anbietern bestehen über 110'000 selbstverwaltete Sparpläne mit einem Anlagevermögen von mehr als 800 Millionen Franken. Hinzu kommen laut Studie über 120'000 Portfolios in ETF-basierten Strategielösungen mit rund 6,6 Milliarden Franken.
Das Potenzial ist gross: Erst 14 Prozent nutzen im freien Vermögen einen ETF-Sparplan, rund ein Drittel bekundet Interesse. Auch hier dominieren die Jungen – 73 Prozent der Sparplan-Nutzenden sind jünger als 45 Jahre. Bei der Markenbekanntheit unter den ETF-Anbietern liegt UBS deutlich vorne, gefolgt von Swisscanto, iShares und Vanguard.
Für die Studie befragte das Marktforschungsinstitut intervista vom 28. Mai bis 9. Juni 2026 insgesamt 3'572 Personen zwischen 18 und 79 Jahren in der Deutsch- und Westschweiz. Die Stichprobe ist repräsentativ nach Alter, Geschlecht und Sprachregion. Die ETF-Anlegerstudie Schweiz 2026 steht bei der HSLU zum Download bereit.