15.01.2026, 16:52 Uhr
Nach Jahren der Unsicherheit mehren sich die Zeichen für eine Erholung im Biotechnologiesektor. Politische Klarheit, beschleunigte Innovationen und eine neue M&A-Welle könnten laut Candriam-Experte Servaas...
Die guten Zeiten für Schwellenländeranleihen sind nicht vorbei – aber sie werden anspruchsvoller. Nach einer kräftigen Rallye mit hohen Kuponrenditen und engeren Spreads erwartet Candriam für 2026 eine deutliche Verschiebung: weg von einfachen Indexgewinnen, hin zu einem Markt, in dem gezielte Titelauswahl über Erfolg und Misserfolg entscheidet.
«2026 ist kein Jahr, in dem man einfach den Index kaufen und auf eine weitere leichte Spread-Einengung warten sollte», schreibt Christopher Mey, Leiter Emerging Market Debt bei Candriam, in einem aktuellen Marktkommentar. Die Spreads seien in einigen Segmenten historisch niedrig, der Spielraum für weitere Einengung entsprechend begrenzt. Die Performance werde sich stärker am laufenden Ertrag orientieren – mit einer wachsenden Kluft zwischen Gewinnern und Verlierern.
Die zu erwartenden Volatilitätsschübe gehen laut Mey weniger von einem einzelnen globalen Schock aus als von länderspezifischen politischen Entscheidungen. Eine härtere US-Handelspolitik, veränderte Sanktionsregimes und Umbrüche in globalen Lieferketten werden sich höchst ungleichmässig auswirken. Wahlen in verschiedenen Schwellenländern kommen als Katalysator hinzu: Wo Regierungen kurzfristige Ausgabenprogramme über fragile Finanzierungen stemmen, dürften sich die Märkte rasch Sorgen um Inflation und die Unabhängigkeit der jeweiligen Notenbank machen.
Bei den Ausfallrisiken sieht Candriam zwar eine Entspannung gegenüber den Vorjahren, benennt aber konkrete Bruchlinien. Senegal wird als zentrales kurzfristiges Risikoszenario eingestuft. Argentinien hingegen erscheine weniger riskant als seit Längerem, wenngleich die Unsicherheit fortbestehe. Libanon und Venezuela befänden sich weiterhin im Zahlungsausfall, ein Restrukturierungspfad dürfte langwierig sein.
Trotz der engeren Spreads sieht Mey weiterhin Chancen. Schwellenländer-Staatsanleihen in Hartwährung rentierten mit rund 6,8 Prozent, Unternehmensanleihen mit etwa 6,3 Prozent bei einem durchschnittlichen BBB-Rating. Schwellenländer-Investment-Grade-Titel würden immer noch rund 20 Basispunkte über vergleichbaren US-Anleihen gehandelt. Lokalwährungsanleihen könnten funktionieren, falls die US-Notenbank die Zinsen weiter senke – das Währungsrisiko bleibe dabei der entscheidende Faktor.
Im Basisszenario einer sanften Landung erwartet Candriam Renditen von rund 7 Prozent für Hartwährungs-Staatsanleihen, 6 Prozent für Unternehmensanleihen und etwa 8 Prozent für Lokalwährungspapiere. Im Rezessionsszenario schrumpften die Erträge dagegen auf nahe null bis maximal 4 Prozent.
Beim grössten Schwellenland setzt Candriam auf selektive Positionierung. Peking bevorzuge gezielte Stützungsmassnahmen statt eines breit angelegten Stimulus. Der kommende Fünfjahresplan ziele auf fortschrittliche Produktion und technologische Eigenständigkeit. Für die Anleihenmärkte spreche diese Mischung für eine verankerte Zinskurve. Candriam bevorzugt qualitativ hochwertige chinesische Emittenten und sieht den Renminbi angesichts der niedrigen Renditen als potenzielle Finanzierungswährung.