Eurozone: Die Inflation sinkt überraschend klar

Bei den Lebensmitteln schwächte sich der Preisauftrieb von 7,4 auf 6,9 Prozent ab. Insgesamt stiegen die Preise im Euroraum weniger stark als befürchtet. (Bild Stokkete/Shutterstock)
Bei den Lebensmitteln schwächte sich der Preisauftrieb von 7,4 auf 6,9 Prozent ab. Insgesamt stiegen die Preise im Euroraum weniger stark als befürchtet. (Bild Stokkete/Shutterstock)

Die Inflation in der Eurozone hat sich im November deutlich abgeschwächt. Die Verbraucherpreise lagen 2,4 Prozent über dem Niveau des Vorjahresmonats. Analysten hatten im Schnitt eine Rate von 2,7 Prozent erwartet.

30.11.2023, 12:29 Uhr
Konjunktur

Redaktion: AWP

Im Vormonat hatte die Teuerung noch 2,9 Prozent betragen und vor einem Jahr 10,1 Prozent. Trotz des abnehmenden Preisauftriebs wird das mittelfristige Inflationsziel der Europäischen Zentralbank (EZB) von zwei Prozent immer noch überschritten. Viele Experten erwarten, dass es noch einige Zeit dauert, bis das Ziel nachhaltig erreicht wird.

Deutlich rückläufig war im November auch die Kernteuerung, bei der schwankungsanfällige Preise für Energie und Lebensmittel herausgerechnet werden. In dieser Betrachtung fiel die Inflationsrate von 4,2 auf 3,6 Prozent. Die Kerninflation bildet nach Meinung vieler Ökonomen die grundlegende Teuerung ab und stellt den Inflationstrend daher etwas besser dar als die Gesamtrate.

Lebens- und Genussmittel waren zwar immer noch deutlich teurer als vor einem Jahr, der Preisauftrieb schwächte sich aber von 7,4 auf 6,9 Prozent ab. Die Preise für Dienstleistungen und sonstige Waren stiegen ebenfalls schwächer als im Vormonat. Die Energiepreise sanken erneut deutlich um 11,5 Prozent.

«Schwierige letzte Meile»

Man sollte das Tempo des Inflationsrückgangs nicht einfach auf die kommenden Monate übertragen, erklärte Fachmann Elmar Völker von der Landesbank Baden-Württemberg. Vor einer schwierigen «letzten Meile» in der Inflationsbekämpfung hatte zuletzt auch Bundesbankpräsident Joachim Nagel mehrfach gewarnt.

Die EZB hatte ihre Leitzinsen seit Sommer 2022 kräftig angehoben, zuletzt aber unverändert belassen. An den Finanzmärkten werden gegenwärtig keine weiteren Anhebungen erwartet. Vielmehr wird für kommendes Jahr auf erste Zinsreduzierungen gesetzt. Hintergrund ist nicht nur die fallende Inflation, sondern auch die schwächere Konjunktur. Niedrige Zinsen würden in einem solchen Umfeld die gesamtwirtschaftliche Lage stützen, lautet eine Überlegung.

Spielraum nach unten

Bankökonomen zeigen sich angesichts des jüngsten Teuerungsrückgangs erfreut und sehen Zinssenkungsspielraum für die EZB. Thomas Gitzel, Chefvolkswirt der Liechtensteiner VP Bank, macht folgendes Gedankenspiel auf: Läge die Inflationsrate im zweiten Halbjahr 2024 auf dem EZB-Ziel von 2 Prozent und würden die Leitzinsen deutlich um einen ganzen Prozentpunkt gesenkt, wäre die Geldpolitik der EZB immer noch restriktiv. Der Grund: Selbst dann wäre der Leitzins abzüglich der Inflation noch positiv, was die Konjunktur bremsen würde.

Grosse Differenzen

Die Teuerungsraten in den Ländern der Euro-Zone liegen teils weit auseinander: In Belgien gingen die Verbraucherpreise laut Eurostat sogar um 0,7 Prozent zurück. Besonders niedrig lag die Teuerungsrate im November demnach auch in Italien (0,7 Prozent) und Finnland (0,8). Eine besonders hohe Teuerungsrate weisen im europäischen Vergleich etwa die Slowakei (6,9 Prozent), Kroatien (5,5 Prozent) und Österreich (4,9 Prozent) auf.

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