Qualitätsaktien – langfristige Stabilität in unsicheren Zeiten

Tilo Wannow, Portfoliomanager des ODDO BHF Polaris Balanced
Tilo Wannow, Portfoliomanager des ODDO BHF Polaris Balanced

Der Kapitalmarkt stellt Vermögensverwalter infolge der Corona-Krise vor grosse Herausforderungen. Die Anleihenmärkte sind unattraktiv geworden und die Aktienmärkte ächzen unter Panikverkäufen und hoher Volatilität. Qualitätstitel bieten in einem derart turbulenten Marktumfeld dennoch langfristige Ertragschancen, meint Tilo Wannow von ODDO BHF AM.

08.04.2020, 11:48 Uhr

Redaktion: rem

"Die Anleihenmärkte sind unattraktiv geworden, um es milde auszudrücken, und an den Aktienmärkten kam es zuletzt wegen des Coronavirus zu Panikverkäufen. Dazu kommen politische Krisen, die Sorge vor Handelskonflikten und wachsende Schuldenberge", fasst Tilo Wannow, Portfoliomanager des ODDO BHF Polaris Balanced, die derzeit düstere Lage zusammen.

Wannow sieht aber dennoch Anlagechancen, indem er mit dem von ihm gemanagten Fonds den Fokus auf Qualitätsaktien legt. "Mit einem solchen Ansatz kann der Fonds auch in einem turbulenten Marktumfeld die Risken managen und langfristige Ertragschancen nutzen. Qualitätsaktien tragen dazu wesentlich bei, auch wenn sie kurzfristig ebenfalls stark schwanken können", erklärt er.

Orientierung an fundamentalen Aussichten einzelner Unternehmen

ODDO BHF Asset Management versteht unter Qualitätsaktien Papiere stetig wachsender und weniger schwankungsanfälliger Unternehmen. Dabei orientiert sich der Asset Manager stark an den fundamentalen Aussichten einzelner Unternehmen. Im aktuellen Umfeld stehe insbesondere die Widerstandsfähigkeit gegen konjunkturelle oder externe Schocks im Fokus. Darüber hinaus wiesen Qualitätsaktien potenziell ein strukturelles Gewinnwachstum auf, das heisst die Märkte, in denen Qualitätsunternehmen tätig sind, wachsen auch unabhängig von guter Konjunktur.

Drei Faktoren für Qualität

Wie Wannow weiter ausführt, zeichnen sich Qualitätsaktien durch eine geringere Schwankungsanfälligkeit der Gewinne aus. Um diese Unternehmen ausfindig zu machen, lohne es sich, drei Faktoren zu analysieren:

  • Die Konjunkturabhängigkeit der Umsätze: Die Umsätze von Herstellern des täglichen Bedarfs (z.B. Lebensmittel, Körperpflege) leiden in Krisenphasen viel weniger als die von Produzenten sehr teurer Konsumgüter oder Industrieprodukte. Ebenfalls sehr stabil sind die Ausgaben für die Gesundheitsvorsorge, zumal die Kosten oft vom Staat oder Versicherungen übernommen werden. Eine Diversifikation der Geschäftstätigkeit nach Regionen, Ländern und einzelnen Kundengruppen reduziert die Gefahr starker Verwerfungen ebenfalls. Als klassisch defensive Unternehmen gelten z.B. Nestlé, Unilever oder Roche.
  • Das Verhältnis von Fixkosten zu variablen Kosten: Wenn der Umsatz in der Krise zurückgeht, fallen nicht automatisch alle Kosten in gleichem Masse. Ausgaben für Mieten, Leasing, Mitarbeiter, Heizung etc., sogenannte Fixkosten bleiben in der Regel zunächst gleich. Die operativen Gewinne fallen dann prozentual stärker als der Umsatz. Nur die variablen, also direkt durch den Umsatz ausgelösten Kosten sinken in ähnlichem Masse. Qualitätsunternehmen zeichnen sich durch eine insgesamt niedrige Kostenquote, das heisst eine hohe operative Gewinnmarge aus. Zusätzlich sollten die Fixkosten einen relativ niedrigen Anteil an den Gesamtkosten ausmachen.
  • Der Verschuldungsgrad: Auch Schulden wirken in der Krise wie fixe Kosten und bringen weitere Schwankungen in die Gewinnzahlen. Qualitätsunternehmen zeichnen sich in der Regel durch geringe oder gar keine Schulden aus (evtl. sogar Cashreserven). Dies dämpft den Einfluss auf die Gewinne und eröffnet generell Potential für höhere Dividenden oder wertschaffende Unternehmenszukäufe.

Strukturelles Wachstum

Neben der Widerstandsfähigkeiten gegen Krisen sollten Qualitätsaktien auch strukturelles, also von den Konjunkturzyklen unabhängiges Wachstum aufweisen. "Wir sehen diese Perspektiven insbesondere rund um die Themen Digitalisierung, Medizintechnik und -forschung, neue Konsumtrends wie E-Commerce und bargeldloses Bezahlen und den steigenden Schwellenländerkonsum. Qualitätsunternehmen können sich in einem harten Wettbewerbsumfeld behaupten", sagt der Portfoliomanager. Die Voraussetzungen dafür seien "ökonomische Burggräben“ wie Markenmacht (z.B. Louis Vuitton) oder Patentschutz (Roche). Auch Wechselkosten für die Kunden (z.B. im IT-Bereich oder der Medizintechnik) oder starke Netzwerkeffekte (Microsoft, Visa, Paypal) sorgten für eine treue Kundschaft.

"Qualitätsaktien weisen eine positive langfristige Perspektive auf: die Möglichkeit strukturell steigender Gewinne bei einem Potenzial für weniger Rückschläge", fasst Wannow zusammen. In einem Umfeld wenig rentierlicher Alternativen an den Anleihenmärkten seien das keine schlechten Aussichten.

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