25.02.2026, 09:54 Uhr
Die Aktien des Bankensoftwareherstellers Temenos sind am Mittwoch mit Gewinnen in den Handel gestartet. Die Analysten sind sich weitgehend einig, dass Temenos im Geschäftsjahr 2025 operativ überzeugt hat. Positiv...
Was Ende 2024 noch als triumphale Rückkehr der amerikanischen Wirtschaftsdominanz gefeiert wurde, hat sich in weniger als einem Jahr in sein Gegenteil verkehrt. Was ist mit dem Trump Trade passiert? Gibt es bereits einen Anti-Trump-Trade?.
Das Anlegerjahr 2026 steckt schon jetzt voller Überraschungen: Der S&P 500 notiert auf Jahressicht leicht im Minus. Wer dagegen den globalen MSCI World Index hält, kommt 2026 bislang auf ein Plus von rund zwei Prozent – zieht man die USA heraus, schnellt die Rendite auf neun Prozent. Es hat sich schlicht ausgezahlt, amerikanische Märkte zu meiden. Das ist für sich genommen schon bemerkenswert. Dass es sich womöglich zur schlechtesten relativen Performance von US-Aktien gegenüber dem Rest der Welt seit mindestens 1995 entwickelt, ist es erst recht.
Daleep Singh von PGIM bringt das makroökonomische Dilemma auf den Punkt: Die jüngsten Zollanpassungen mögen die Inflation marginal senken und der Federal Reserve etwas mehr Spielraum verschaffen – doch strukturell lösen sie nichts. Die eigentliche Last ist die Unsicherheit, die sich noch über Quartale und Jahre erstrecken wird. Wer auf schnelle Klarheit gehofft hat, wartet vergeblich.
Investorenumfragen der Bank of America zeigen ein historisches Bild: Die positive Allokation in europäische Assets erreicht Rekordstände. Über ein Drittel der befragten Fondsmanager hält mehr EU-Aktien als Benchmarks nahelegen würden – vor drei Monaten waren es noch neun Prozent. Gleichzeitig sagt netto ein Fünftel, US-Aktien unterzugewichten. Das ist keine Stimmungsschwankung mehr. Das ist ein Strukturbruch.
Sebastien Mallet von T. Rowe Price nennt es beim Namen: Was sich in Europa und Japan beobachten lässt, ist keine kurzfristige Sektorrotation, sondern eine strukturelle Neugewichtung nach Jahren der Marktkonzentration. Finanzwerte, Rohstoffe, Gesundheit – in einem Umfeld fiskalischer Expansion und geopolitischer Fragmentierung erscheinen diese Segmente bis zum Ende des Jahrzehnts zunehmend attraktiv.
Frankreichs Vermögensverwalter Carmignac vergleicht die Entwicklung mit dem Erwachen der schlafenden Schönheit. Das ist blumig, trifft aber einen wahren Kern. Die deutschen Fiskalpläne, lange eingefroren, beginnen Wirkung zu entfalten. Die Eurozone wächst – verhalten, aber real. Die USA hingegen expandieren mit mageren 1,4 Prozent jährlich in einem Tempo, das man sonst als «europäisch" abtat – gemeint war das nie als Kompliment.
Francesco Sedati von Eurizon sieht Europa strukturell gut positioniert: Der Bankensektor bleibt attraktiv bewertet, Luxus- und Automobilwerte erholen sich nach einem schwierigen Vorjahr. In Euro gemessen haben europäische Märkte die USA 2025 deutlich hinter sich gelassen.
Der Abfluss aus den USA bedeutet nicht zwingend, dass alles nach Europa fliesst. Nannette Hechler-Fayd'herbe von Lombard Odier verweist auf Indien, das nach der Zolleinigung mit Washington nun von gesenkten Handelsbarrieren und verbesserter Marktstimmung profitiert, auf Südkorea, getragen von KI-Infrastrukturinvestitionen, und auf China, dessen leicht entspanntes Zollumfeld zusammen mit attraktiven Bewertungen Kapital anziehen könnte.
Stephen Dover vom Franklin Templeton Institute ergänzt, dass die Entlastungseffekte der Zollwende nicht gleichmässig verteilt sein werden: Importintensive Unternehmen spüren die Vorteile direkt, andere allenfalls indirekt.
Das eigentliche Problem der USA ist struktureller Natur. Die technologische Outperformance, die das amerikanische Investmentwunder der vergangenen Dekade getragen hat, gerät ins Stocken – ausgerechnet jetzt, wo politische Dysfunktion und konjunkturelle Abkühlung zusammentreffen. Neues Kapital, das in den Markt fliesst, sucht sich andere Wege.
Das Jahr ist noch viel zu jung, um abschliessende Urteile abzugeben. Dass selbst die jüngste Zollzurückruderei Trumps die US-Märkte nicht beflügeln konnte, ist jedoch ein deutliches Signal.