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SNB belässt Leitzins bei Null Prozent – was das für Anleger bedeutet

SNB bleibt vorsichtig und belässt Leitzins bei Null Prozent (Bild: SNB)
SNB bleibt vorsichtig und belässt Leitzins bei Null Prozent (Bild: SNB)

Die Schweizerische Nationalbank hat an ihrer geldpolitischen Lagebeurteilung vom 18. Juni 2026 den SNB-Leitzins unverändert bei Null Prozent belassen. Der Entscheid war von den Märkten erwartet worden – und doch liefert die SNB mit ihrer aktualisierten Inflationsprognose wichtige Signale für institutionelle Anleger.

18.06.2026, 09:42 Uhr
Notenbanken

Redaktion: asc

Die SNB bleibt ihrer vorsichtigen Linie treu. Die Teuerung in der Schweiz hat sich seit der letzten Lagebeurteilung im März merklich beschleunigt: von 0,1 Prozent im Februar auf 0,6 Prozent im Mai. Die SNB macht dafür klar die gestiegenen Preise für Erdölprodukte verantwortlich. Kerninflation, also die Teuerung ohne Energie, blieb weitgehend verhalten. Die Notenbank sieht in diesem Anstieg daher keinen Anlass für geldpolitische Gegenmassnahmen.

Ihre bedingte Inflationsprognose – basierend auf einem Leitzins von Null Prozent über den gesamten Prognosezeitraum – sieht die Teuerung kurzfristig noch etwas erhöht, bevor sie in der ersten Jahreshälfte 2027 wieder zurückgehen dürfte. Im Jahresdurchschnitt prognostiziert die SNB 0,6 Prozent für 2026 und 2027 sowie 0,7 Prozent für 2028. Die Inflation bleibt damit über den gesamten Horizont im Bereich der Preisstabilität.

Geopolitik als dominantes Risiko

Der Nahostkonflikt zieht sich als roter Faden durch die gesamte Lagebeurteilung. Sowohl die Rohstoffpreise als auch die globale Konjunkturdynamik werden massgeblich von der weiteren Entwicklung in der Region abhängen. Die SNB schliesst explizit nicht aus, dass die Energiepreise deutlich höher ausfallen könnten als angenommen – mit entsprechenden Folgen für Inflation und Wachstum.

Hinzu kommt die anhaltende Unsicherheit rund um die US-Handelspolitik. Für die Schweiz bedeutet das ein doppeltes Exposurerisiko: über den Franken als sicherer Hafen und über die exportabhängige Industrie.

Das Schweizer BIP wuchs im ersten Quartal 2026 solide. Die SNB erwartet für das Gesamtjahr dennoch nur rund 1 Prozent Wachstum – die moderatere Weltkonjunktur dämpft die Dynamik. 2027 soll das Wachstum auf 1,5 Prozent anziehen, gestützt durch eine Erholung der internationalen Nachfrage. Die Arbeitslosigkeit ist seit März leicht gestiegen, was die SNB aber nicht als Alarmsignal wertet.

Was bedeutet das für Anleger?

Der SNB-Entscheid bestätigt das geldpolitische Szenario, mit dem institutionelle Investoren seit Jahresbeginn rechnen: null Zinsen in der Schweiz, steigende Zinsen in der Eurozone, stagnierende in den USA. Diese Divergenz hat direkte Implikationen:

  • Franken-Risiko bleibt präsent. Die SNB signalisiert erhöhte Interventionsbereitschaft am Devisenmarkt. Für Anleger mit Fremdwährungsexposure bedeutet das: Die Nationalbank wird eine rasche CHF-Aufwertung aktiv bekämpfen – aber das Grundrisiko bleibt bei geopolitischen Schocks.
  • Obligationen: Carry-Vorteil im Euroraum. Solange die EZB weiter strafft und die SNB stillhält, bleibt EUR-denominiertes Fixed Income gegenüber CHF-Papieren attraktiv – vorausgesetzt, das Währungsrisiko wird abgesichert.
  • Realwerte gewinnen an Bedeutung. Bei einer Inflationsprognose von 0,7 Prozent bis 2028 ist die reale Kaufkraft nominaler CHF-Anlagen zwar kaum gefährdet. Dennoch steigt der Druck auf Pensionskassen und Versicherungen, den Realwertschutz durch Immobilien, Infrastruktur oder inflationsindexierte Anleihen zu verstärken – zumal die Szenarien nach oben offen bleiben.
  • Energiesektor als taktische Variable. Wer auf eine weitere Eskalation im Nahen Osten und steigende Rohstoffpreise setzt, findet in Energieproduzenten und rohstoffnahen Anlagen einen partiellen Hedge gegen das Hauptrisiko im SNB-Basisszenario.

Fazit: Der Leitzins auf null ist keine Überraschung – aber die Inflationsdynamik, der geopolitische Kontext und die Divergenz zu EZB und Fed schaffen ein Umfeld, das aktives Risikomanagement auf Anlegerseite erfordert. Der nächste geldpolitische Entscheid ist für September 2026 angesetzt.

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