Schweizer Unternehmer erwarten schwaches Wirtschaftswachstum

Währungsrisiken aufgrund des starken Schweizer Franken bereiten den Schweizer CFO Sorgen. (Bild: Shutterstock.com/pixeljoy)
Währungsrisiken aufgrund des starken Schweizer Franken bereiten den Schweizer CFO Sorgen. (Bild: Shutterstock.com/pixeljoy)

Die Finanzchefs von Schweizer Unternehmen rechnen mit erhöhtem Druck auf ihre Margen sowie einer schwächelnden Konjunktur. Gemäss der aktuellen CFO-Umfrage von Deloitte erwartet nur noch knapp die Hälfte der Finanzchefs einen höheren Umsatz für 2020 – vor einem halben Jahr waren es noch mehr als zwei Drittel.

20.11.2019, 09:06 Uhr

Redaktion: lek

Die im September vom Beratungsunternehmen Deloitte befragten Chief Financial Officer (CFO) erwarten ein schwaches Wirtschaftswachstum für die Schweiz. Die Erwartungen gingen schon zum dritten Mal in Folge zurück; 17% rechnen gar mit einer Rezession. In der Schweiz rechnet zwar immer noch weit mehr als die Hälfte (54%) der CFO mit steigenden Umsätzen, vor Jahresfrist waren es aber noch 69%. Die Schweiz reiht sich damit bei den optimistischeren Ländern ein. In Europa gehen die Umsatzerwartungen in beinahe allen Ländern zurück. Bei den Margen rechnen aber bereits mehr Schweizer CFO mit einem Rückgang als mit einem Anstieg, so dass zum ersten Mal seit 2017 die Margenerwartungen negativ sind (Nettosaldo -5%).

Zahl der Mitarbeiter wird sinken

Der wieder erstarkende Franken und das schwierigere Aussenhandelsumfeld seien zurzeit die grössten Belastungen für die Schweizer Unternehmen, wie Deloitte schreibt. Digitalisierung ist nicht nur bei den CFO die meistgenannte Lösung für die steigenden Herausforderungen, sondern auch bei den Verwaltungsräten. "Die Schweizer Unternehmen bereiten sich auf unruhigere Zeiten vor. Sie stehen aber zurzeit noch weit besser da, als die meisten anderen Unternehmen europäischer Länder und sollten daher Chancen zum Investieren wahrnehmen", erläutert Alessandro Miolo, Managing Partner Audit & Assurance und Verantwortlicher für das CFO-Programm bei Deloitte.

Die Schweizer Finanzchefs gehen mehrheitlich von sinkenden Mitarbeiterzahlen aus: 35% rechnen damit, dass ihr Unternehmen innert Jahresfrist weniger Menschen beschäftigen wird, 30% rechnen mit mehr Angestellten. Europaweit geht ein grösserer Teil der Unternehmen davon aus, in einem Jahr weniger Mitarbeitende zu beschäftigen als in der Frühjahrsumfrage. "Eine nachlassende Arbeitsmarktdynamik und insbesondere steigende Arbeitslosenzahlen hätten erhebliche konjunkturelle Auswirkungen. Dies vor allem in der Schweiz, wo der private Konsum eine verlässliche konjunkturelle Stütze bildet", warnt Miolo.

Grosse Unsicherheit im Unternehmensumfeld

Die finanziellen Aussichten ihres eigenen Unternehmens für die nächsten 12 Monate sehen 50% der Schweizer CFO positiv; das ist jedoch ein klarer Rückgang im Vergleich zum Rekordwert von 70% im Herbst 2018. In der Schweiz schätzen 67% der Unternehmer die Unsicherheit in ihrem Unternehmensumfeld als hoch ein, vor einem Jahr lag dieser Wert noch auf dem Rekordtief von 40%. Fast in allen befragten Ländern stufen CFO die Unsicherheit als hoch ein, besonders in Deutschland (95%) und Grossbritannien (96%). Die Risikobereitschaft ist in allen befragten Ländern stark zurückgegangen. Besonders risikoscheu zeigen sich Deutschland und Grossbritannien. In der Schweiz sind nur noch 19% bereit, mehr Risiken in die Bilanz zu nehmen, das ist der dritte Rückgang in Folge. "Eine zu defensive Einstellung ist
problematisch, denn unternehmerische Aktivitäten und Innovationen bedingen immer ein Risiko. Die Unternehmen müssen trotz schwächerer Konjunktur etwas wagen. Sonst droht langfristig die Innovations- und Veränderungskraft zu erlahmen", führt Miolo aus.

Der starke Franken bereitet Schwierigkeiten

Der erneut erstarkte Schweizer Franken beschäftigt die Finanzchefs der Schweizer Unternehmen: es ist das am häufigsten genannte Risiko. In der letzten Umfrage waren Währungsrisiken noch auf dem neunten Rang. "In der starken Heimwährung spiegeln sich auch die gestiegenen geopolitischen Risiken und Handelsstreitigkeiten. Der Schweizer Franken wird als sicherer Hafen gebraucht. Obwohl sie sich risikoscheu zeigen und keine grossen Investitionen planen, wollen die CFO die schwierige Situation mehrheitlich mit expansiven
Strategien angehen: Aus eigener Kraft wachsen, in digitaleTechnologien investieren, neue Produkte lancieren und neue Märkte erobern", erläutert Michael Grampp, Chefökonom von Deloitte Schweiz.

Die CFO sehen kein Ende der Tiefzinspolitik. Fast zwei Drittel gehen davon aus, dass auch in zwei Jahren der Leitzins der Nationalbank noch negativ sein wird, vor einem halben Jahr waren nur 41% dieser Ansicht. Immerhin 12% rechnen sogar mit einem weiteren Absinken der bereits historisch tiefen Leitzinsen. Die Schweizer Umfrageteilnehmer gehen zudem von einem fast gleichbleibenden Frankenkurs im Vergleich zum Euro sowie einer moderaten Inflation aus.

Anteil der CFO, welche die Konjunkturaussichten für die Schweiz in den nächsten 12 Monaten positiv/negativ beurteilen

Quelle: Deloitte
Quelle: Deloitte
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