Schweizer Banken testen Echtzeit-Zahlungsinfrastruktur auf der Blockchain

Crypto Finance, AMINA Bank und Incore Bank haben die zweite Phase ihres gemeinsamen Zahlungspiloten auf dem Google Cloud Universal Ledger abgeschlossen – mit Live-Transaktionen im Produktivbetrieb.

09.04.2026, 07:06 Uhr
Asset Management | Banken | Fintech

Redaktion: asc

Drei regulierte Schweizer Finanzinstitute haben einen weiteren Meilenstein in der Modernisierung von Interbanken-Zahlungen gesetzt. Crypto Finance Group, AMINA Bank und Incore Bank haben die zweite Teilphase ihres Pilotprojekts auf dem Google Cloud Universal Ledger (GCUL) erfolgreich abgeschlossen. Im Unterschied zur ersten Phase, die im November 2025 mit einem Proof-of-Concept startete, wurden diesmal echte Kundentransaktionen in einer Produktionsumgebung verarbeitet. Dies gaben die Institute bekannt.

Das technologische Kernstück: Mehrere Einzelüberweisungen werden zu einer einzigen Interbanken-Clearingoperation gebündelt – ein sogenanntes Netting. Dieser Ansatz soll Kosten senken und die Effizienz mit jedem zusätzlichen Teilnehmer im Netzwerk exponentiell steigern. Abgewickelt wird ausschliesslich in Geschäftsbankengeld, ohne neue Formen digitaler Währungen einzuführen.

Compliance by Design

Besonderes Gewicht legten die Partner auf die regulatorische Integration. AML- und Sanktionsprüfungen sind direkt in den Transaktionsablauf eingebettet, ohne bestehende Compliance-Frameworks zu umgehen. «Dieses Pilotprojekt validiert die Produktionsreife unserer Technologieinfrastruktur innerhalb bestehender regulatorischer Rahmenbedingungen», wird Franz Bergmueller, CEO der AMINA Bank, in der Mitteilung zitiert. Er verwies dabei explizit auf die multi-jurisdiktionale Präsenz der Bank in der Schweiz, der EU, Hongkong, Abu Dhabi und dem Vereinigten Königreich als strategischen Vorteil für eine künftige globale Zahlungsoptimierung.

Für Incore Bank stand die nahtlose Integration in die eigene offene Plattform im Vordergrund. «Die Transaktionen laufen ohne Auswirkungen auf das Kundenerlebnis», so CEO Mark Dambacher. Incore betreibt die Plattform für mehrere Banken gleichzeitig – ein Aspekt, der die Skalierbarkeit des Ansatzes unterstreicht.

Ergänzung statt Ersatz

Stijn Vander Straeten, CEO der Crypto Finance Group – die im Piloten als sogenannter Currency Operator fungierte und Governance-Standards sowie Transaktionsregeln definierte – betonte den pragmatischen Charakter des Projekts: «Es geht nicht darum, bestehende Zahlungsinfrastruktur zu ersetzen, sondern sie zu ergänzen.» Google Cloud positioniert GCUL entsprechend als private, permissioned Ledger-Infrastruktur, die mit bestehenden Schweizer Zahlungsschienen kompatibel ist.

James Tromans, Managing Director für Web3 und Digital Assets bei Google Cloud, sprach von einem Beleg dafür, dass die Technologie innerhalb regulatorischer Anforderungen operieren könne – ein Signal, das die Branche seit Jahren erwartet.

Die Partner planen, das Pilotprojekt auf weitere Anwendungsfälle auszuweiten: Fremdwährungsabwicklung, FX-Workflows und digitale Vermögenswerte stehen auf der Agenda. Gerade bei Netting-Operationen in Multi-Währungs-Umgebungen erwarten die Beteiligten den grössten operativen Mehrwert – sofern sich weitere Institute dem Netzwerk anschliessen.

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