28.10.2026, 10:37 Uhr
Der Immobilienfonds Procimmo Real Estate Sicav hat die Kapitalerhöhung ihres Teilvermögens «Residential PK» erfolgreich abgeschlossen. Dabei nahm die Fondsleitung 76 Millionen Franken auf.
Der Zinsaufschlag französischer gegenüber deutschen Staatsanleihen ist so hoch wie seit 2012 nicht mehr. Für Henriette Le Mintier, Fund Manager bei LBP AM, ist das ein Warnsignal an Paris, aber noch keine Krise. Im Interview erklärt sie, warum sie High-Yield-Spreads für zu eng hält, Finanzanleihen bevorzugt und im LFDE Absolute Return Credit SRI auf kurze Laufzeiten setzt.
Frankreich ist zu einer wichtigen Quelle der Unsicherheit auf den europäischen Anleihemärkten geworden. Politische Instabilität, steigende Staatsverschuldung und Bedenken hinsichtlich der Haushaltsdisziplin setzen französische Staatsanleihen unter Druck. Wie ernst ist die Lage, und könnte Frankreich zu einem allgemeinen Risiko für die europäischen Rentenmärkte werden?
Zweifellos üben die Märkte Druck auf die französischen Staatsanleihen aus. Einen derartigen Spread zwischen Frankreich und Deutschland haben wir seit der berühmten «Whatever it takes»-Erklärung von Mario Draghi im Jahr 2012 nicht mehr gesehen. Unserer Meinung nach ist dies zum jetzigen Zeitpunkt eine Warnung an die französischen Behörden, die Entwicklung der Staatsverschuldung auf einen nachhaltigen Kurs zu bringen. Eine Krisensituation ist unserer Ansicht nach jedoch noch nicht erreicht.
Der Spread zwischen französischen und deutschen Staatsanleihen ist zu einem wichtigen Indikator für das Anlegervertrauen geworden. Erleben wir gerade eine grundlegende Neubewertung des französischen Länderrisikos, oder glauben Sie, dass die Märkte auf die politischen Entwicklungen überreagieren?
Die Märkte reagieren immer sensibler auf das Länderrisiko in den Industrieländern. Grossbritannien steht nach wie vor unter Beobachtung, wie das Niveau seiner langfristigen Renditen zeigt. Was Frankreich betrifft, so sehen wir, dass der Druck zunimmt. Wir würden dies jedoch noch nicht als Überreaktion bezeichnen. Der Markt wird sicherlich Beruhigungssignale von den Kandidaten im Präsidentschaftswahlkampf benötigen.
Über Frankreich hinaus betrachtet sind die Renditen europäischer Staatsanleihen erheblich gestiegen. Stellt dies eine Chance für Anleger dar, attraktive Renditen zu sichern, oder könnten anhaltende Inflation, fiskalischer Druck und sich ändernde geldpolitische Erwartungen die Renditen noch weiter in die Höhe treiben?
Wir sind der Ansicht, dass angesichts der aktuellen Marktrenditen – sowohl aus rein zinstechnischer als auch vor allem aus kreditwirtschaftlicher Sicht – die Gesamtrenditen tatsächlich überzeugend sind. Der aufgelaufene Carry bietet einen gewissen Puffer für potenzielle Volatilitätsphasen, da sowohl für den US-amerikanischen als auch für den europäischen Wirtschaftsraum weiterhin Unsicherheiten hinsichtlich geopolitischer Ereignisse und der Inflationsentwicklung bestehen.
Die Märkte für Unternehmensanleihen haben sich trotz geopolitischer Spannungen und wirtschaftlicher Unsicherheit bemerkenswert widerstandsfähig gezeigt. Werden Anleger in Bezug auf das Kreditrisiko zu selbstgefällig, insbesondere angesichts der relativ engen Spreads? Wo sehen Sie die grössten Schwachstellen?
Die derzeit niedrigen Niveaus spiegeln die anhaltend positiven Ergebnisse der Unternehmensberichte über alle Sektoren und das gesamte Rating-Spektrum hinweg wider. Dennoch halten wir die Spreads aus historischer Sicht nach wie vor für eng, selbst angesichts der jüngsten Ausweitung der europäischen Kreditspreads, die vor allem durch die Ablehnung des französischen Risikos angeheizt wurde. Sollten exogene Risiken auftreten und auch die Aktienmärkte ins Straucheln geraten, könnten die Bewertungen von Unternehmensanleihen in der Tat schnell darunter leiden.
Im Bereich der Unternehmensanleihen gewinnen die Unterschiede zwischen Investment Grade und High Yield zunehmend an Bedeutung. Welche Segmente bieten derzeit die attraktivsten Risiko-Rendite-Chancen, und gibt es Sektoren, die Sie bewusst meiden würden?
In Europa halten wir die Spreads von High-Yield-Anleihen1 angesichts potenzieller Abwärtsrisiken für zu eng – insbesondere bei Anleihen mit einem «Single-B»-Rating. Wir bevorzugen Investment-Grade-Spreads2, insbesondere am kurzen Ende der Kurve, d. h. bei einer Laufzeit von etwa 3 bis 5 Jahren. Wir neigen dazu, zyklische Sektoren wie Chemie und Industrie sowie den derzeit im Fokus stehenden Immobiliensektor zu meiden, der besonders empfindlich auf Schwankungen der Marktzinsen reagiert.
Finanzanleihen bleiben ein Bereich von besonderem Interesse, auch wenn der breitere Kreditmarkt teuer erscheint. Was macht europäische Finanzinstitute heute attraktiv, und könnte sich der Bankensektor in einer konjunkturellen Abschwächung als widerstandsfähiger erweisen als andere Teile des Kreditmarktes?
Wir schätzen ein, dass der Finanzsektor eine attraktive und beständige Prämie gegenüber Unternehmensanleihen bietet, da europäische Banken im aktuellen Umfeld starke Fundamentaldaten, eine steigende Rentabilität und eine solide Kapitalausstattung aufweisen. Diese starke Bonitätslage von Banken und Versicherungsgesellschaften weltweit würde den Sektor zu einem sicheren Hafen machen, sollte sich die wirtschaftliche Lage weiter verschlechtern.
Vor diesem Hintergrund stehen traditionelle Anleihenstrategien vor der Herausforderung, attraktive Renditen mit erheblichen Zins- und Kreditrisiken in Einklang zu bringen. Wie hilft Ihnen die Flexibilität des LFDE Absolute Return Credit SRI dabei, diese Bedingungen zu meistern, und was sind Ihre wichtigsten Portfolioüberzeugungen mit Blick auf das Jahr 2027?
Für uns bietet der LFDE Absolute Return Credit SRI3 dank des grossen Handlungsspielraums und des Zugangs zu Derivaten zur Optimierung des Risiko-Rendite-Verhältnisses ausreichend Flexibilität, um das aktuelle Marktumfeld zu meistern. So halten wir beispielsweise unsere Zinsduration4 mithilfe von Futures bei etwa 3 Jahren, um von der Stabilisierung des hohen Zinsniveaus und einer möglichen künftigen Straffung zu profitieren. Zudem profitieren wir von einem attraktiven Kernbereich unter 3 Jahren, der Carry-Erträge aus den Kreditspreads im Bereich mit kurzer Duration generiert und unserer Ansicht nach das beste Risiko-Rendite-Verhältnis im Kreditbereich bietet. Diese Positionierung verschafft uns einen gewissen Spielraum, um künftig alle potenziellen Trends am Zins- und Spread-Markt zu nutzen.
1 High Yield: Anleiheemissionen, die im Gegenzug für ein hohes Risiko eine hohe Rendite bieten.
2 Wertpapiere mit Bonitätsratings von AAA bis BBB- gemäss Standard & Poor's.
3 Der «LBPAM Absolute Return Credit SRI» wurde am 24. September 2026 umbenannt.
4 Die Duration misst die durchschnittliche diskontierte Laufzeit der Cashflows und die Sensitivität des Fondspreises gegenüber Zinsänderungen.
Hinweis: Die Angaben zur Portfoliozusammensetzung dienen zu Informationszwecken, beziehen sich auf das angegebene Datum und können sich im Laufe der Zeit ändern. Dieser von LBP AM verwaltete Fonds (SRI 2/7) ist mit Risiken verbunden, darunter das Risiko eines Kapitalverlusts, Kreditrisiko, Zinsrisiko, das Risiko im Zusammenhang mit Wertpapieren mit niedrigem oder ohne Rating, Liquiditätsrisiko, Risiken aus dem Einsatz von Terminfinanzinstrumenten, Risiken aus Übergewichtung und Arbitrage, Volatilitätsrisiko, Risiken im Zusammenhang mit Eventualverbindlichkeiten, Nachhaltigkeitsrisiko sowie Risiken im Zusammenhang mit inflationsindexierten Instrumenten. Anleger sollten beachten, dass möglicherweise nicht alle Anteile des Fonds in ihrem Land zum Vertrieb zugelassen sind. Weitere Informationen zu Merkmalen, Risiken und Kosten finden sich in den regulatorischen Dokumenten (KID, Prospekt) auf www.lbpam.com.