Grundverständnis für das Asset Management in der Schweiz schaffen

Die SFAMA will das Wissen über das Asset Management in der Schweiz fördern. Bild: Pixabay
Die SFAMA will das Wissen über das Asset Management in der Schweiz fördern. Bild: Pixabay

Im Zentrum des Swiss Funds & Asset Management Forum standen die Herausforderungen sowie die zukünftige Entwicklung der Branche. Unter anderem erläuterte Andréa Maechler, Mitglied des Direktoriums der Nationalbank, wie die SNB investiert.

25.03.2019, 11:33 Uhr

Redaktion: rem

Am Swiss Funds & Asset Management Forum, das am letzten Freitag in Bern durchgeführt wurde, befassten sich ausgewiesene Referenten mit dem Thema "Perspektiven für das Schweizer Fonds- und Asset Management". "Damit unsere Arbeit auf fruchtbaren Boden stösst, muss zuerst ein Grundverständnis für unsere Industrie geschaffen werden. Daher ist es für die SFAMA eine Daueraufgabe, die Bedeutung des Asset Managements für die Realwirtschaft, die Erreichung von Sparzielen und die Vorsorgewerke auch einer breiteren Öffentlichkeit aufzuzeigen", sagte Felix Haldner, Präsident der Swiss Funds & Asset Management Association (SFAMA), in seiner Begrüssungsrede. Eine wichtige Aufgabe übernehme dabei die Asset Management Plattform (AMP), eine von den Banken, Versicherungen und der SFAMA gemeinsam getragene Organisation. So publizierte sie beispielsweise 2018 in Zusammenarbeit mit der Hochschule Luzern zum ersten Mal eine Studie zum Asset Management Standort Schweiz, deren zweite Auflage noch im laufenden Jahr veröffentlicht werden soll. Haldner wies auch auf den soeben erschienenen Geschäftsbericht der SFAMA hin, der einen "hervorragenden Einblick" in das Asset Management in der Schweiz gebe.

Wettbewerbsfähigkeit stärken

Er hob zudem hervor, dass die SFAMA ihre Idee eines innovativen Fondsprodukts beim EFD platzieren und auch den Bundesrat von der Notwendigkeit eines nicht-genehmigungspflichtigen Schweizer Fonds überzeugen konnte. Mit dem sogenannten Schweizer Limited Qualified Investor Fund (L-QIF) soll die Wettbewerbsfähigkeit des Schweizer Fonds- und Asset Management Standorts gestärkt werden, indem wieder mehr kollektive Kapitalanlagen in der Schweiz aufgelegt werden und folglich ein grösserer Teil der Wertschöpfungskette in der Schweiz verbleibt. "Und last but not least wird mit den neuen FIDLEG/FINIG-Regelungen die bestehende Finanzmarktrechtarchitektur grundlegend umgestaltet, wovon unsere Branche in besonderem Masse betroffen ist. Die SFAMA begleitet diesen Prozess seit Beginn aktiv und bringt die Interessen der Fonds- und Asset Management Industrie ein", schloss Haldner.

SNB als Grossinvestorin

Im Anschluss erläuterte Andréa Maechler, Mitglied des Direktoriums der Schweizerischen Nationalbank (SNB), wie die SNB ihre Währungsreserven mit einem Volumen von rund 800 Mia. CHF investiert. gehört die Nationalbank zu den Grossinvestoren. Aktuell setzen sich ihre Investments hauptsächlich aus Staatsanleihen (69%) und Aktien (20%) zusammen. Das Aktien-Portfolio von 150 Mia. CHF wird passiv gemanagt. "Wir können als Nationalbank keine Stock Pickers sein", sagte Maechler. Das Portfolio ist breit diversifiziert. Es umfasst rund 6000 Unternehmen und deckt geographisch 97% des globalen Marktes ab. "Wir streben eine maximale Diversifikation an, um die Volatilität tief zu halten", betonte sie. Das bringe wiederum höhere Erträge.

Maechler erwähnte auch die nicht-finanziellen Aspekte der Investmentstrategie der SNB. So will man Interessenkonflikte vermeiden, indem weitgehend nicht in Bankaktien investiert wird sowie unethische Investments ausschliessen. Letzterer Punkt bezieht sich auf international geächtete Waffen, die Verletzung fundamentaler Menschenrechte und systematisch verursachte schwere Umweltschäden. Die SNB wolle keinen Einfluss auf die Wertestandards in den politischen Diskussionen nehmen. Darum schliesse sie nur Unternehmen aus, die breit anerkannte Kriterien verletzen.

Schweizer Fonds sind häufig nicht konkurrenzfähig

Informationen aus erster Hand zum Brexit lieferte Chris Cummings, CEO von The Investment Association. Dies tat er mit viel englischem Humor und Sarkasmus. Weiter referierten Jean-Christophe Van Tilborgh, CEO von Retraites Populaires, zum Thema "Asset Management of Pensions – Strategies for Implementation". Und Pius Fisch, Präsident des Verwaltungsrates von Fisch Asset Management, sprach über den Wandel und vor allem die Herausforderungen für das Schweizer Asset Management. Sein Fazit: Das Asset Management werde heute mehr beachtet als früher, aber die Industrie sei noch zu wenig breit aufgestellt, was es langfristig zu ändern gelte.

Zum Schluss moderierte Markus Fuchs, Geschäftsführer der SFAMA, eine Paneldiskussion mit Michael Burch, Chief Operating Officer, BlackRock Schweiz, Pius Fisch und Claude Kurzo, Country Head & CEO, JPM Asset Management Switzerland. Im Zentrum stand dabei die Wettbewerbsfähigkeit der Schweizer Asset Management Industrie im globalen Kontext. "Gerade im Bereich der alternativen Anlagen für qualifizierte Anleger sind Schweizer Fonds häufig nicht konkurrenzfähig. Hoher Zeit-- und Kostenaufwand im Rahmen der entsprechenden Produktgenehmigung führen dazu, dass in der Regel selbst Schweizer Kunden ausländische kollektive Kapitalanlagen den schweizerischen vorziehen. Der Schweizer L­QIF könnte hier Abhilfe schaffen. Wichtig sind aber auch Verbesserungen im Steuerbereich und beim Vertrieb ins Ausland, um den Schweizer Asset Management Standort auf hohem Level zu halten", erklärte Fuchs.

Generalversammlung der SFAMA

Am gleichen Tag fand die Generalversammlung der SFAMA statt. Wahlgeschäfte gab es keine. Der Vorstand setzt sich aus den folgenden zehn Mitgliedern zusammen: Felix Haldner (Präsident), Martin Jufer (Vizepräsident), André Bantli, Hans Frey, Michael Kehl, Christoph Ledergerber, Markus Steiner, Nicolas Tschopp, Patrick Tschumper und André Ullmann.

Alle Artikel anzeigen