26.02.2026, 09:53 Uhr
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Das Aarauer Startup findependent darf künftig Konten und Wertschriftendepots selbst führen – als erster reiner ETF-Vermögensverwalter der Schweiz mit einer FINMA-Lizenz als Wertpapierhaus.
Es ist ein Datum, auf das Matthias Bryner lange hingearbeitet hat. Seit Gründung von findependent im Jahr 2019 war es sein erklärtes Ziel, das Fintech nicht nur als Vermögensverwalter, sondern als vollwertiges Finanzinstitut zu etablieren. Am 26. Februar 2026 ist es so weit: Die Eidgenössische Finanzmarktaufsicht (FINMA) erteilt findependent die Bewilligung als kontoführendes Wertpapierhaus – und beschert dem Startup damit den bedeutendsten Meilenstein seiner Geschichte.
Bislang lief das Kerngeschäft über eine externe Depotbank: die Hypothekarbank Lenzburg. Kundinnen und Kunden legten ihr Geld bei findependent an, doch das eigentliche Konto und Depot lagen bei einem Drittinstitut. Das ändert sich nun grundlegend. «Unsere Kundinnen und Kunden brauchen künftig keine externe Depotbank mehr», lässt sich Bryner in einer Mitteilung zitieren. findependent übernimmt diese Funktion selbst – schneller, direkter und mit mehr Kontrolle über das eigene Produkt.
Die Migration bestehender Kundenbeziehungen erfolgt schrittweise über die kommenden Monate. Wer hingegen ab sofort neu zur App stösst, erhält Konto und Depot direkt von findependent. Transaktionen wie Ein- und Auszahlungen sollen damit in der App deutlich schneller angezeigt werden – ein Kritikpunkt, der in Nutzerrezensionen bisher gelegentlich aufgetaucht ist.
Die Zusammenarbeit mit der Hypothekarbank Lenzburg bleibt dennoch bestehen – allerdings nur noch im Hintergrund. Das Startup sieht das als gesunden Kompromiss: Eigenständigkeit gewinnen, ohne auf eine bewährte Partnerschaft vollständig zu verzichten.
Die neue Lizenz ist für findependent weit mehr als ein regulatorisches Upgrade – sie ist die Eintrittskarte in einen der attraktivsten Schweizer Finanzmärkte. Noch in der zweiten Jahreshälfte 2026 plant das Startup die Lancierung von Säule-3a-Anlagelösungen. Damit begibt sich findependent in direkte Konkurrenz zu etablierten Akteuren wie VIAC, Finpension oder frankly – einem Markt, der in den letzten Jahren stark gewachsen ist und besonders jüngere Vorsorgesparende anspricht.
«Diese Bewilligung ist für uns der Schlüssel, um findependent noch schneller und flexibler weiterzuentwickeln», sagt Bryner. Das Zitat klingt nach Standardformulierung – doch der Kontext gibt ihm Substanz: In weniger als fünf Jahren hat das zehnköpfige Team mehr als 25'000 Anlegerinnen und Anleger gewonnen, rund 1'500 davon sind über ein Crowdinvesting auch Miteigentümerinnen und Miteigentümer geworden.
Was den Schritt begleitet, ist eine erhöhte regulatorische Verantwortung. Als kontoführendes Wertpapierhaus muss findependent dieselben Anforderungen an Eigenmittel, Liquidität und Cybersicherheit erfüllen wie eine Bank. Das Kontoguthaben – in der Regel rund ein Prozent der angelegten Summe – bleibt durch die Einlagensicherung geschützt. Die ETF-Anlagen selbst gelten weiterhin als Sondervermögen und sind damit im Falle einer Insolvenz nicht Teil der Konkursmasse.
«Wir machen bei der Sicherheit auch in Zukunft keine Kompromisse», schliesst Bryner. Für ein Startup, das sich mit dem Versprechen von Einfachheit und Zugänglichkeit am Markt positioniert hat, ist das eine wichtige Botschaft – gerade gegenüber jenen Anlegerinnen und Anlegern, die dem digitalen Investieren noch skeptisch gegenüberstehen.