US-Midterms: Was die Geschichte für Hedgefonds bereithält

Wie entwickeln sich Hedge Funds in einem Wahljahr? (Bild: Shutterstock)
Wie entwickeln sich Hedge Funds in einem Wahljahr? (Bild: Shutterstock)

Schwerpunkt US-Zwischenwahlen (4/4) – Das zweite Amtsjahr eines US-Präsidenten ist für Hedgefonds traditionell das schwächste. 2026 bricht mit diesem Muster. Für das Schlussquartal zeigt eine Auswertung des Datenanbieters HFR die besten Werte, wenn der Kongress seine Mehrheit behält. Genau damit rechnet diesmal kaum jemand.

02.11.2026, 11:56 Uhr
Alternatives

Redaktion: asc

Wie haben sich Hedgefonds unter welchen politischen Konstellationen in Washington entwickelt? Dieser Frage geht HFR in einem neuen Sonderbericht nach. Der Chicagoer Indexanbieter hat die Renditen seines breiten Branchenbarometers, des HFRI Fund Weighted Composite Index, von Januar 1990 bis September 2026 nach Präsidentschaftsjahr, Partei des Präsidenten und Mehrheiten im Kongress aufgeschlüsselt. Pünktlich zur Wahl vom 3. November liefert die Studie damit Zahlen zu einer Anlageklasse, die in der Midterm-Diskussion sonst kaum vorkommt.

Das zweite Jahr ist das schwächste

Über alle Zyklen hinweg zeigt sich ein klares Muster. Im ersten Amtsjahr eines Präsidenten erzielten Hedgefonds im Schnitt 13,30 Prozent, im dritten 13,40 Prozent und im vierten 7,22 Prozent. Das zweite Jahr, in dem jeweils die Zwischenwahlen stattfinden, fällt mit 3,46 Prozent deutlich ab. Das gilt für alle vier Hauptstrategien: Equity Hedge kommt im zweiten Jahr auf 3,95 Prozent, Event-Driven auf 2,83 Prozent, Macro auf 5,96 Prozent und Relative Value auf 5,59 Prozent.

2026 ist die Ausnahme. Von Januar bis September legte der Composite-Index um 6,88 Prozent zu, das ist der beste Wert in einem Midterm-Jahr seit 2006 (7,10 Prozent). Zum Vergleich: In den Wahljahren 1998, 2002 und 2022 lagen Hedgefonds nach neun Monaten im Minus, 2022 mit 6,32 Prozent am deutlichsten.

Im Schlussquartal zahlt sich Kontinuität aus

Den grössten Unterschied macht laut HFR das Wahlergebnis selbst. Blieben die Mehrheiten in beiden Kammern unverändert, erzielte der Composite-Index im vierten Quartal des Wahljahrs im Schnitt 4,99 Prozent. Wechselte nur das Repräsentantenhaus die Mehrheit, waren es lediglich 0,55 Prozent. Am stärksten ist der Effekt bei Equity Hedge (5,80 gegenüber 0,80 Prozent) und Macro (4,05 gegenüber 0,35 Prozent).

Das Muster setzt sich im Folgejahr fort, dem dritten Amtsjahr:

Ausgang der Midterms 4. Quartal Wahljahr Folgejahr (3. Amtsjahr)
Keine Mehrheitsänderung 4,99 Prozent 31,74 Prozent
Nur Senat wechselt 1,33 Prozent 9,21 Prozent
Nur Repräsentantenhaus wechselt 0,55 Prozent 4,44 Prozent
Beide Kammern wechseln 2,02 Prozent 15,73 Prozent

HFRI Fund Weighted Composite Index, Midterm-Jahre seit 1990.

Legt man diese Tabelle neben die Erwartungen für Dienstag, wird es heikel. Wie im ersten Teil dieses Schwerpunkts beschrieben, sahen die Prognosemärkte die Demokraten Ende Oktober mit 94,5 Prozent Wahrscheinlichkeit im Repräsentantenhaus vorne, im Senat mit 71,5 Prozent. Die beiden wahrscheinlichsten Ausgänge, ein Wechsel nur im Repräsentantenhaus oder in beiden Kammern, gehören historisch zu den schwächeren Konstellationen. Das historisch beste Szenario, eine republikanische Mehrheit in beiden Kammern, wurde zuletzt nur noch mit rund 5 Prozent bewertet.

Vorsicht bei kleinen Stichproben

Die Zahlen sind allerdings mit Zurückhaltung zu lesen. Seit 1990 gab es gemäss der HFR-Klassifizierung nur zwei Zwischenwahlen ohne Mehrheitswechsel, nämlich 1990 und 1998. Die Folgejahre 1991 und 1999 fielen in Phasen mit ausserordentlich starken Märkten, was die Durchschnittswerte von über 30 Prozent im dritten Amtsjahr erklärt. Ein Wechsel nur im Repräsentantenhaus kam dreimal vor, 2010, 2018 und 2022. Mit so wenigen Beobachtungen bestimmt der jeweilige Marktzyklus das Ergebnis stärker als die Politik.

Hinzu kommt die Methodik. HFR ordnet jedem Kalenderjahr eine einzige politische Konstellation zu und rechnet die Monatsrenditen geometrisch auf ein Jahr hoch. Wechsel innerhalb eines Jahres bleiben unberücksichtigt. Der Bericht hält selbst fest, dass die Daten rein quantitativ sind und keine Präferenz für eine Partei oder eine wirtschaftspolitische Agenda ausdrücken. Ein Zusammenhang ist damit noch kein Beleg für Ursache und Wirkung.

Geteilter Kongress, tiefere Renditen

Aussagekräftiger sind die langen Reihen, weil sie mehr Jahre umfassen. Kontrolliert eine Partei beide Kammern, erzielten Hedgefonds seit 1990 annualisiert 10,53 Prozent. Bei einem geteilten Kongress waren es nur 5,52 Prozent. Ob Republikaner (10,85 Prozent) oder Demokraten (10,07 Prozent) die Einheit stellen, spielt dabei eine untergeordnete Rolle.

Für die Wahl vom Dienstag bedeutet das: Gewinnen die Demokraten nur das Repräsentantenhaus, entsteht genau die Konstellation mit der historisch schwächsten Rendite. Gewinnen sie beide Kammern, wäre der Kongress wieder einheitlich, die Regierung insgesamt aber geteilt. Für eine geteilte Regierung, bei der die Partei des Präsidenten mindestens eine Kammer verliert, weist HFR 8,51 Prozent aus. Die Strategien reagieren dabei unterschiedlich: Unter einer geteilten Regierung schnitt Equity Hedge mit 10,91 Prozent am besten ab, Relative Value mit 7,85 Prozent am schwächsten. Bei einer einheitlichen demokratischen Regierung lagen dagegen Event-Driven (12,56 Prozent) und Relative Value (12,06 Prozent) vorne.

Wie widersprüchlich solche Statistiken sein können, zeigt die Aufteilung nach Kammern. Bei einer republikanischen Mehrheit im Senat erzielten Hedgefonds 10,88 Prozent, bei einer demokratischen 7,54 Prozent. Beim Repräsentantenhaus ist es umgekehrt: 10,23 Prozent unter demokratischer, 8,55 Prozent unter republikanischer Mehrheit.

Republikaner bringen Kapital, Demokraten Rendite

Auch die Partei des Präsidenten liefert ein gemischtes Bild. Unter demokratischen Präsidenten erzielte der Composite-Index seit 1990 annualisiert 9,80 Prozent, unter republikanischen 8,37 Prozent. Equity Hedge, Event-Driven und Relative Value schnitten unter Demokraten besser ab. Einzig Macro-Fonds profitierten unter republikanischen Präsidenten stärker (10,58 gegenüber 7,67 Prozent). Bei der Kapitalentwicklung kehrt sich das Bild um: Das verwaltete Vermögen der Branche wuchs zwischen 1990 und 2025 im Schnitt um 14,0 Prozent pro Jahr, unter republikanischen Präsidenten um 15,1 Prozent, unter demokratischen um 13,1 Prozent. 2025 betrug das Wachstum 13 Prozent.

Aufschlussreich ist die Kombination von Partei und Amtsjahr. Im zweiten Amtsjahr lagen republikanische Präsidentschaften mit 3,88 Prozent knapp vor demokratischen (3,06 Prozent). Im dritten Amtsjahr erzielten Hedgefonds unter Republikanern im Schnitt 17,70 Prozent, der höchste Wert aller Kombinationen, angeführt von Equity Hedge (20,70 Prozent) und Macro (20,48 Prozent). Unter demokratischen Präsidenten war dagegen das erste Amtsjahr das stärkste (17,13 Prozent).

Statistik statt Wahlwette

Für Anleger passt der HFR-Bericht zum Fazit dieses Schwerpunkts. Die Daten zeigen, dass politische Konstellationen und Hedgefonds-Renditen über Jahrzehnte zusammenhängen. Sie zeigen aber nicht, dass sich daraus eine Positionierung für die kommenden Monate ableiten liesse. Ein starkes Jahr 2026 ohne den üblichen Einbruch im Wahljahr, eine Wahl, deren wahrscheinlichster Ausgang weitgehend eingepreist ist, und ein Risikokalender, der erst mit der Haushaltsfrist vom 11. Dezember beginnt: Das sind die Faktoren, welche die Renditen bis Ende Jahr bestimmen dürften. Die Statistik der vergangenen 36 Jahre liefert dazu den Hintergrund, aber keine Prognose.

Quelle: HFR Industry Reports © HFR, Inc. 2026, www.HFR.com

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