20.03.2026, 07:08 Uhr
Eine grosse Umfrage unter den wichtigsten Sekundärmarkt-Investoren zeichnet ein erstaunlich optimistisches Bild. Trotz geopolitischer Spannungen und Zollstreitigkeiten blickt die Branche, die für das Funktionieren...
Die Energiewende verändert die Spielregeln am Rohstoffmarkt fundamental. Während Nachfrage und geopolitischer Druck steigen, hinkt das Angebot strukturell hinterher – und Investoren scheinen das Ausmass dieser Verschiebung noch immer zu unterschätzen, schreibt Charles-Edouard Bilbault von Rothschild & Co Asset Management.
Metalle waren schon immer das Rückgrat wirtschaftlichen Wachstums. Doch was sich derzeit abzeichnet, geht weit über klassische Industriezyklen hinaus, schreibt Charles-Edouard Bilbault von Rothschild & Co Asset Management. Laut der Weltbank könnte die Energiewende in Kombination mit der Neugestaltung globaler Lieferketten die Pro-Kopf-Nachfrage nach Metallen bis 2050 um den Faktor 2,3 steigern – ein Ausmass, das historische Vergleiche sprengt.
Hinter diesem Nachfrageschub stehen drei strukturelle Kräfte, so der Equities-Spezialist von Rothschild & Co. Erstens die Energiewende: Elektrofahrzeuge verbrauchen im Schnitt fünfmal mehr Metalle als Verbrenner, der Kupferbedarf dürfte sich auch aus diesem Grund bis 2030 verdoppeln. Zweitens neue Technologien: Rechenzentren und die Elektrifizierung des Transportsektors werden laut der Internationalen Energieagentur den US-amerikanischen Strombedarf bis 2030 um 20 Prozent erhöhen – mit entsprechenden Implikationen für Kupfer, dessen Anteil am globalen Technologiebedarf von heute einem auf sechs Prozent bis 2050 steigen soll. Drittens die Deglobalisierung: Mehr als die Hälfte aller Metalle wird in China raffiniert, bei bestimmten «kritischen» Rohstoffen liegt der Anteil sogar bei 80 Prozent. Die westliche Antwort darauf sind neue Mineralstrategien diesseits und jenseits des Atlantiks.
Auf der Angebotsseite türmen sich die Probleme. Die Reserven schrumpfen, die Explorationskosten je entdeckte Tonne haben sich seit 2003 verachtfacht. Allein bei Kupfer wird für 2026 ein Produktionsrückgang von 300 Kilotonnen gegenüber 2025 erwartet. Erschwerend hinzu kommt: Zwischen Entdeckung und Inbetriebnahme einer Mine vergehen im Schnitt 15 Jahre. Neue Projekte, die heute begonnen werden, kommen also frühestens in den 2040er-Jahren auf den Markt.
Und dann ist die Geopolitik, die eine weitere entscheidende Rolle spielt. China kontrolliert 90 Prozent der Produktion von seltenen Erden – diese sind unverzichtbar für Elektrofahrzeuge und Windturbinen. Angesichts wachsender geopolitischer Risiken haben Länder wie China und Indien ihre strategischen Metallreserven massiv aufgestockt. Das Paradigma «just in case» verdrängt zunehmend das einstige «just in time» – mit der Folge höherer Marktzyklik und struktureller Risikoprämien auf Energie und Rohstoffe. Die USA signalisieren ihrerseits, Bergbauprojekte aktiv zu fördern und das regulatorische Umfeld für die Industrie zu verbessern.
Trotz dieser Fundamentaldaten bleibt die Bewertungslücke enorm. Der Bergbausektor machte Ende 2025 lediglich 0,4 Prozent des S&P 500 aus – während Nvidia und Microsoft gemeinsam auf 13,5 Prozent kamen, also das 34-Fache. Charles-Edouard Bilbault, bringt es auf den Punkt: Ohne gesicherten Zugang zu strategischen Rohstoffen gibt es keine technologische Entwicklung. Die physische Infrastruktur, auf der digitale Innovation fusst, braucht Metalle – und zwar in einem Ausmass, das die Märkte bislang kaum eingepreist haben.