21.10.2026, 08:14 Uhr
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Elon Musk bestätigt, dass SpaceX und Tesla Sonderausschüsse zur Prüfung eines Zusammenschlusses eingesetzt haben. Analysten loben die industrielle Logik. Die eigentliche Frage ist, was die Tesla-Aktionäre dabei an Mitsprache verlieren würden.
Aus einer lange kursierenden Spekulation ist ein formeller Prüfprozess geworden. Bei der Präsentation der Quartalszahlen von SpaceX am Dienstagabend sagte Elon Musk, beide Unternehmen hätten auf Wunsch von Aktionären Sonderausschüsse aus unabhängigen Verwaltungsräten eingesetzt, die einen Zusammenschluss prüfen. Ob er die Fusion für eine gute Idee halte? «Ja», sagte Musk. Ausgemachte Sache sei sie aber nicht: Wer einen Deal für sicher halte, übertreibe.
Die Ausschüsse haben sich laut Musk noch auf keine Transaktionsbedingungen geeinigt. Er selbst nehme als CEO beider Unternehmen und damit als befangene Partei nicht an den Gesprächen teil. Musk sprach von einem «seltsamen Kabuki-Tanz», bei dem zwei Gruppen verhandelten und er nicht mitreden dürfe.
Für eine Fusion bräuchte es nach Musks Darstellung die Zustimmung von mindestens 50 Prozent aller ausstehenden Tesla-Aktien – nicht bloss eine Mehrheit der an der Abstimmung vertretenen Stimmen. Musk nannte das selbst eine «ziemlich hohe Hürde». Die genaue Schwelle hängt von der Transaktionsstruktur und den rechtlichen Vorgaben ab.
Die SpaceX-Aktie legte nachbörslich zeitweise um mehr als 8 Prozent zu, die Tesla-Aktie um knapp 2 Prozent. Die Reaktion lässt sich allerdings nicht allein der Fusionsnachricht zuschreiben, denn SpaceX legte gleichzeitig deutlich bessere Zahlen vor als erwartet.
Im dritten Quartal steigerte SpaceX den Umsatz um 161 Prozent auf 14,6 Milliarden US-Dollar und wies einen Gewinn von rund 4,4 Milliarden US-Dollar aus, nach einem Verlust von 1,1 Milliarden US-Dollar im Vorjahresquartal. Erstmals war das KI-Segment «Super Intelligence» mit 7,6 Milliarden US-Dollar der grösste Umsatzträger, vor der Konnektivitätssparte rund um Starlink mit 5,2 Milliarden US-Dollar. Den Grossteil des Betriebsgewinns liefert aber weiterhin Starlink.
Ebenso bemerkenswert ist der Kapitalbedarf. SpaceX investierte im dritten Quartal 19,6 Milliarden US-Dollar, davon den grössten Teil in KI-Infrastruktur. Für das vierte Quartal stellt das Unternehmen Investitionen von 35 bis 40 Milliarden US-Dollar in Aussicht. Die Fusionsdebatte ist damit auch eine Debatte darüber, wer diese Pläne finanziert.
Die Bank Barclays beschreibt die industrielle Logik als vertikale KI-Integration: Teslas «physische KI» mit Robotaxis und dem humanoiden Roboter Optimus würde mit Grok und den KI-Aktivitäten von SpaceX zusammengeführt. Die gemeinsame Chipinitiative Terafab soll die technische Grundlage liefern. Entscheide, die heute zwei Verwaltungsräte benötigen, liessen sich in einem Unternehmen einfacher fällen.
In einer Reuters-Umfrage unter Marktteilnehmern überwiegt denn auch die Zustimmung zur Strategie. Gene Munster von Deepwater Asset Management, selbst Tesla-Investor, beziffert die Wahrscheinlichkeit einer Fusion neu auf 95 Prozent. Daniel Newman, CEO der Futurum Group, hält den Schritt seit dem Börsengang von SpaceX für «praktisch unvermeidlich». Yuri Khodjamirian, Chief Investment Officer von Tema ETFs, verweist auf bereits laufende Gemeinschaftsprojekte wie Terafab und wertet die Sonderausschüsse als guten Schritt, um die Governance-Fragen anzugehen.
Justus Parmar, CEO von Fortuna Investments, nennt tiefere Verwaltungs- und Börsenkosten. Zudem könnten Teslas Cashflows die kapitalintensiven Projekte von SpaceX mitfinanzieren. Dan Ives von Yorkville Ives & Co spricht von einem «No-Brainer», fügt aber an, am Ende entscheide der Preis für die Aktionäre.
Josh Gilbert, leitender Analyst für die Region Asien-Pazifik bei eToro, hält die KI-Logik für nachvollziehbar. Bei einem kombinierten Börsenwert von rund 3,5 Billionen US-Dollar wäre es jedoch der grösste Zusammenschluss der Börsengeschichte – und einer, bei dem derselbe Mann auf beiden Seiten des Tisches sitzt. Die Anforderungen an die Governance seien entsprechend hoch.
Wie gross das Problem werden könnte, zeigt eine Modellrechnung von Barclays-Analyst Dan Levy. Er hält eine Übernahme von Tesla durch SpaceX gegen Aktien für das wahrscheinlichste Szenario. Musk käme danach auf etwa 37 Prozent des Kapitals, aber auf rund 56 Prozent der Stimmen des kombinierten Unternehmens. Der Grund sind die SpaceX-Aktien mit erhöhtem Stimmgewicht, über die Musk heute rund 82 Prozent der Stimmrechte bei SpaceX kontrolliert. Die Zahlen beruhen auf Annahmen der Bank, nicht auf verhandelten Konditionen.
Die Börsen-Zeitung rückt deshalb die bestehenden Tesla-Aktionäre in den Mittelpunkt: Ihr wirtschaftlicher Anteil würde sich nicht in entsprechenden Mitspracherechten niederschlagen. Hinzu kommt die Frage, ob Musk Umsatz- und Börsenwertziele seines Tesla-Vergütungspakets durch einen Zusammenschluss auf anorganischem Weg erreichen könnte. Wie die Ausschüsse damit umgehen würden, ist offen.
Einen weiteren Punkt bringt Michael Monaghan, Portfoliomanager bei Founder ETFs, ins Spiel. Er sieht grundsätzlich keine Governance-Bedenken und befürwortet die Kontrolle durch den Gründer. Weil SpaceX ein wichtiger Auftragnehmer des US-Verteidigungsministeriums ist, müsste Teslas China-Geschäft aber womöglich abgespalten oder durch strikte Informations- und Betriebsbarrieren getrennt werden. Das ist seine Einschätzung, keine behördliche Auflage.
Tesla muss seine Generalversammlung bis zum 6. Dezember abhalten. Levy hielt bereits vor der jüngsten Bestätigung fest, dass eine erst Ende Oktober oder Anfang November angekündigte Transaktion für eine Abstimmung an diesem Termin knapp würde. Als realistischeren Zeitraum nennt er sechs bis zwölf Monate. Ein konkretes Angebot oder ein Umtauschverhältnis liegt nicht vor.
Für Tesla-Aktionäre ist die Ausgangslage zwiespältig. Sie wären an einem breiter aufgestellten Konzern mit KI, Starlink und Raumfahrt beteiligt, würden aber stärker an dessen enormen Kapitalbedarf gebunden. Teslas Cashflows könnten dann in Rechenzentren und Raketen fliessen statt ins eigene Geschäft. Gleichzeitig würde ihr Stimmgewicht verwässert. Entscheidend ist deshalb die Übernahmeprämie: Ohne spürbaren Aufschlag hätten sie wenig Grund, zuzustimmen. Genau darauf zielt der Hinweis von Dan Ives, am Ende entscheide der Preis.
SpaceX-Aktionäre stehen vor der umgekehrten Frage. Sie bekämen ein Autogeschäft mit eigenem Wettbewerbsdruck und erheblichem China-Engagement dazu, das die Wachstumsgeschichte des KI-Segments verwässern könnte. Dafür gewännen sie eine zusätzliche Finanzierungsquelle für die geplanten Milliardeninvestitionen.
Wer beide Titel hält, direkt oder über Technologiefonds und ETF, würde das Klumpenrisiko erhöhen. Ein Konzern mit einem Börsenwert von rund 3,5 Billionen US-Dollar, dessen Strategie stark an eine einzelne Person gebunden ist, verlangt eine bewusste Gewichtung im Portfolio. Kurzfristig dürften beide Aktien empfindlich auf jede Meldung zu den Konditionen reagieren. Solange kein Umtauschverhältnis vorliegt, handeln Anleger vor allem Erwartungen.
Für die weitere Beurteilung sind vier Punkte entscheidend: das Umtauschverhältnis, die Stimmrechtsstruktur, der Umgang mit Musks Vergütung und mögliche Auflagen für das China-Geschäft. Die positiven Strategiekommentare sagen noch nichts darüber aus, ob ein konkreter Deal für beide Aktionärsgruppen fair wäre.