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«SaaSpocalypse»: Wenn KI die Software-Branche durchschüttelt

Jetzt geraten sogar Tech-Unternehmen vom AI-Boom unter Druck (Bild: Adobe Stock)
Jetzt geraten sogar Tech-Unternehmen vom AI-Boom unter Druck (Bild: Adobe Stock)

Hunderte Milliarden US-Dollar Marktkapitalisierung – vernichtet in wenigen Tagen. Der jüngste Einbruch bei Technologiewerten hat ein neues Schlagwort hervorgebracht: «SaaSpocalypse». Besonders hart trifft es Anbieter von Software-as-a-Service, so die Analyse von Neuberger Berman. Doch was steckt dahinter?

12.02.2026, 17:48 Uhr
Aktien | Anlagestrategie

Redaktion: asc

Shannon L. Saccocia, Chief Investment Officer für den Bereich Wealth bei Neuberger Berman, beobachtet die Entwicklung mit nüchternem Blick. «Die langfristigen KI-Gewinner werden wir 2026 wohl noch nicht kennen», analysiert die Investmentexpertin. Und doch habe sich die Marktstimmung in den letzten Monaten dramatisch verändert: «Auf KI-Euphorie folgte Vorsicht. Anleger differenzieren mehr und fragen sich, wie sehr die neue Technologie etablierte Geschäftsmodelle infrage stellt.»

Panikverkäufe erschüttern die Tech-Branche

Der massive Einbruch der vergangenen Woche traf vor allem Softwareaktien, aber auch Halbleiterwerte und die großen Megatechs blieben nicht verschont. Hinzu kamen schwache Arbeitsmarktdaten aus den USA, die Zweifel an der Konjunkturerholung schürten. Erst am Freitag stabilisierten sich die Märkte wieder etwas.

Die Zahlen sind ernüchternd: Einige der seit Jahresbeginn schwächsten S&P-500-Aktien stammen aus dem Softwaresektor oder verwandten Branchen. Manche Titel liegen bereits um 25 Prozent oder mehr im Minus. Besonders alarmierend: Nur gut 67 Prozent der Softwarefirmen im S&P 500 übertrafen die Gewinnerwartungen – im Vergleich zu 83 Prozent der Indexunternehmen insgesamt.

«Wir rechnen mit einer aussergewöhnlich intensiven kreativen Zerstörung. Weil sie verschiedene Unternehmen und Branchen treffen kann, müssen Anleger sehr viel selektiver werden», so Saccocia der Analyse.

Der Auslöser: Angst vor dem Ende klassischer Softwaremodelle

Konkret waren es Fortschritte bei KI-gestützten Programmierungstools, die den Ausverkauf auslösten. Die Automatisierung betrieblicher Prozesse – ob im Vertrieb, in den Bereichen Recht, Finanzierung oder Marketing – schreitet rasant voran. Anleger befürchten, dass KI etablierten Softwarefirmen massiv schadet, insbesondere bei der Anwendungsprogrammierung.

Verstärkt wurde die Nervosität durch die Investitionspläne der Technologieriesen: Vier der sieben «Magnificent 7» wollen dieses Jahr deutlich mehr investieren. Im Vergleich dazu erscheinen die Gewinne vieler Softwarehäuser bescheiden – was den Verkaufsdruck noch erhöhte.

Saccocia zufolge war der Ausverkauf diesmal besonders umfassend und heftig: «Selten zuvor hatten die Märkte ähnlich negativ auf die KI-Transformation reagiert.» Betroffen waren nicht nur die Aktien, sondern auch die Kredite und Anleihen der Unternehmen – die gesamte Kapitalstruktur wurde in Mitleidenschaft gezogen.

Zwischen Panik und Realität

Doch ist die Panik gerechtfertigt? Die Neuberger-Berman-Expertin mahnt zur Differenzierung. Wegen der fundamentalen Herausforderungen müsse man die Aktien von Softwarehäusern künftig zwar «sehr genau beobachten». Manche Geschäftsmodelle könnten tatsächlich bald nicht mehr funktionieren. «Und doch meinen wir, dass es um den Sektor nicht so schlecht steht, wie die Verkäufe der letzten Woche glauben machen. Software wird nicht überflüssig», betont Saccocia.

Durch KI entwickelten sich Gewinner und Verlierer aber weiter auseinander, was den Markt asymmetrischer mache. Manche etablierte Firmen würden scheitern, andere sich anpassen und durch Innovationen wettbewerbsfähiger werden. «Für Anleger, die wirklich differenzieren können, ist das eine Chance», so die CIO.

Was Anleger jetzt beachten sollten

Saccocias Empfehlung ist eindeutig: wählerisch sein. Ein undifferenzierter Ausverkauf könne eine Chance sein – aber nur, wenn man in anpassungsfähige Unternehmen mit stabilen Fundamentaldaten investiere. Stabile Geschäftsmodelle und solide Finanzen seien entscheidend, denn der Strukturwandel schade vor allem den Schwachen.

Konkret rät die Investmentexpertin, zu analysieren, ob das Angebot eines Unternehmens für wichtige betriebliche Prozesse unverzichtbar ist – etwa wegen zentraler Datenspeicher oder firmeneigenen operativen Know-hows. Dann seien weiter hohe Preise möglich, auch wenn klassische nutzerbasierte Abonnements nicht mehr gefragt seien. Wichtig sei auch eine gute Unternehmensführung und der Fokus auf Datensicherheit – denn mit zunehmender Automatisierung könnten Fehler noch teurer werden.

Cybersicherheit als Profiteur

Ein Bereich könnte von der Entwicklung sogar profitieren: die Cybersicherheit. Auch hier mahnt Saccocia zwar zur Selektion, da Disruption nicht überall gleich wahrscheinlich sei. Doch insgesamt rechne sie mit langfristig stabiler Nachfrage – die sogar weiter steigen könne, weil KI Cyberangriffe erleichtere und die Risiken daher zunähmen.
«Einstweilen könnten Bereiche weiter interessant bleiben, die eine sichere KI-Nutzung ermöglichen», analysiert die CIO. Dazu zählten Cybersicherheit, Daten-Governance und nicht zuletzt die Infrastruktur, ohne die eine umfassende KI-Nutzung nicht möglich sei.

Das Fazit: Differenzierung als Schlüssel

Die Botschaft von Neuberger Berman ist klar: Software wird nicht verschwinden, aber die KI sorgt für mehr Differenzierung. Das Ausmass des Ausverkaufs erkläre, warum er sich selbst verstärkte: Anleger nutzten Kursverluste nicht mehr für Käufe, sondern suchten nach einem Boden – denn die Fundamentaldaten seien noch zu schwach, um das Vertrauen wiederherzustellen.

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