02.03.2026, 15:07 Uhr
Der Angriff der USA und Israels auf Iran hat eine neue geopolitische Zeitrechnung eingeläutet. Für Anleger stellen sich nun drei Szenarien – mit weitreichenden Folgen für Öl, Inflation und Kapitalallokation, wie...
Trotz der Eskalation im Nahen Osten und eines Ölpreisanstiegs von 35 Prozent seit Jahresbeginn setzt die Zürcher Kantonalbank weiter auf Risiko. In ihrer März-Allokation stockt sie Nebenwerte und Rohstoffe auf – und verabschiedet sich von Wandelanleihen.
Die Bilder aus dem Nahen Osten sorgen für Nervosität an den Börsen. Die Eskalation im Iran und die drohende Blockade der Strasse von Hormus treiben den Ölpreis in die Höhe – allein am Montag um zehn Prozent. Global gaben die Aktienmärkte rund zwei Prozent nach, Anleger flüchteten in Gold und Dollar.
Doch bei der Zürcher Kantonalbank (ZKB) bleibt man gelassen. «Wir sind der Überzeugung, dass geopolitische Risiken überschätzt werden», schreibt Anlagestratege Nicola Grass im aktuellen Asset Allocation Update. Die Weltwirtschaft sei robust, die Abhängigkeit von Erdöl tendenziell gesunken. Historisch betrachtet seien Ölpreisschübe durch geopolitische Krisen in aller Regel nur von kurzer Dauer gewesen.
Ganz ohne Vorbehalt will die ZKB ihre Zuversicht allerdings nicht verstanden wissen. Sollte der Ölpreis über die Marke von 100 Dollar klettern, würde man die Risikoposition neu beurteilen. Vorerst aber bleiben die Portfolios in Aktien übergewichtet – abgesichert durch bestehende Positionen in Gold, Staatsanleihen und Rohstoffen.
Die eigentlichen Neuigkeiten liegen im Detail der März-Allokation. Die ZKB trennt sich von Wandelanleihen, die zwar im vergangenen Jahr globale Unternehmensanleihen um sechs Prozentpunkte geschlagen haben, nun aber unter ihrem hohen Anteil an unprofitablen Tech- und Kryptofirmen leiden. Die freigewordenen Mittel fliessen in Nebenwerte, deren Position verdoppelt wird. Das Argument: starkes Momentum von plus zehn Prozent seit Jahresbeginn, günstigere Bewertungen als bei Large Caps und ein erwartetes Gewinnwachstum von 28 Prozent im laufenden Jahr.
Aufgestockt wird auch bei Rohstoffaktien – laut dem hauseigenen Quantmodell derzeit der attraktivste Sektor. Die Kombination aus solidem Momentum, rückläufigen Bewertungen und einem prognostizierten Gewinnplus von 34 Prozent mache den Bereich interessant. Dass Rohstoff-Aktien im MSCI World Index mit rund drei Prozent fast auf einem Rekordtief gewichtet sind, sieht die ZKB als zusätzliches Argument.
Hinter den Umschichtungen steht ein grösserer Trend: Die Begeisterung für künstliche Intelligenz kühlt ab. Laut der jüngsten BofA Fund Manager Survey sind viele Marktteilnehmer der Meinung, die Unternehmen investierten derzeit zu viel in KI. Allein die grossen Hyperscaler – Alphabet, Meta, Amazon, Microsoft und Oracle – werden 2026 voraussichtlich 92 Prozent ihres Cashflows in Infrastruktur stecken. Der Druck, diese Ausgaben zu rechtfertigen, wächst.
Die ZKB reagiert darauf mit einer Rotation weg vom breiten US-Markt hin zu zyklischen Werten. Die Position im Nasdaq bleibt allerdings bestehen. Nach der jüngsten Underperformance seien Technologieaktien relativ betrachtet deutlich günstiger geworden – eine Gegenbewegung sei möglich.
Taktisch schliesst die ZKB zudem ihr Untergewicht im US-Dollar. Kurzfristig sieht sie Aufwärtspotenzial, befeuert durch rekordhohe Short-Positionen am Terminmarkt und die Unsicherheit im Iran. Mittelfristig erwartet sie jedoch weiterhin einen schwächeren Greenback.
Am Anleihenmarkt hält sich die ZKB zurück. Die zehnjährige US-Staatsanleihe rentiert knapp über vier Prozent und damit am unteren Ende der Handelsspanne. Chancen sieht die Bank bei lokalen Schwellenländeranleihen sowie bei australischen Staatsanleihen – letztere vor allem wegen der attraktiv bewerteten Währung bei einer Verzinsung von vier Prozent.
Gold bleibt übergewichtet. In einem Umfeld, in dem die US-Inflation gegen zwei Prozent tendiert und weitere Zinssenkungen wahrscheinlich sind, sieht die ZKB das Gesamtbild für risikobehaftete Anlagen weiterhin als freundlich – Iran hin oder her.