24.02.2026, 09:00 Uhr
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Gold startete mit einer Achterbahnfahrt ins neue Jahr. Geopolitische Krisen, die Ernennung eines neuen Fed-Chefs und Rekordnachfrage treiben den Markt – und verunsichern ihn zugleich.
Es war ein Januar für die Geschichtsbücher. Am 26. Januar durchbrach der Goldpreis erstmals die Marke von 5'000 Dollar pro Unze, getrieben von geopolitischen Spannungen. Nur drei Tage später, am 29. Januar, erreichte Gold ein Tageshoch von 5'595 Dollar – fast 1'300 Dollar über dem Jahresendkurs 2025.
Dann kam der Rückschlag. Am 30. Januar nominierte Präsident Trump den ehemaligen Fed-Gouverneur Kevin Warsh als Nachfolger von Jerome Powell an der Spitze der US-Notenbank. Die Märkte reagierten sofort: Der Dollar legte zu, Edelmetalle stürzten ab, Gold verlor an einem einzigen Tag rund 9 Prozent. Warsh gilt als geldpolitischer Falke, der eine straffere Bilanzpolitik und Preisstabilität in den Vordergrund stellt – ein Signal, das den sicheren Hafen Gold zunächst unter Druck setzte.
Der 55-jährige Warsh, Schwiegersohn des Trump-Vertrauten Ronald Lauder, begann seine Karriere bei Morgan Stanley und sass bereits von 2006 bis 2011 im Gouverneursrat der Fed, wo er die Finanzkrise mitmanagte. Warsh kritisiert die unter Powell aufgeblähte Fed-Bilanz von rund 6,6 Billionen Dollar und plädiert für eine deutliche Reduktion. Seine Kernthese: Inflation sei keine Naturgewalt, sondern eine Folge politischer Toleranz.
Doch ganz so eindeutig lässt sich der künftige Fed-Chef nicht einordnen. Analysten erwarten, dass Warsh auf niedrigere Zinssätze drängen wird, was mit der Prognose von zwei Senkungen um je 25 Basispunkte in diesem Jahr übereinstimmt. Auch Warsh selbst signalisierte zuletzt Offenheit gegenüber Zinssenkungen – ein Zugeständnis an Trumps erklärten Wunsch nach billigerem Geld. Die Märkte beruhigten sich nach der anfänglichen Schockreaktion denn auch rasch. Die Wahrscheinlichkeit einer Zinssenkung im Juni lag nach der Nominierung bei rund 47 Prozent und hat sich seither kaum verändert.
Rekordnachfrage als Fundament
Kommen wir zum Edelmetall: Was den Goldpreis jenseits der Tagesvolatilität stützt, sind die strukturellen Treiber. Die weltweite Goldnachfrage überschritt laut dem World Gold Council 2025 erstmals die Marke von 5'000 Tonnen. Das ist ein historischer Rekord. Der Gesamtwert erreichte 555 Milliarden Dollar, ein Anstieg um 45 Prozent gegenüber dem Vorjahr.
Die Investmentnachfrage war der dominierende Faktor: Gold-ETFs verzeichneten Zuflüsse von 801 Tonnen – der zweitstärkste Jahreswert überhaupt. Die Nachfrage nach physischen Barren und Münzen stieg laut Berechnungen von Money Metals auf ein Zwölfjahreshoch. Auch Zentralbanken kauften weiter in grossem Stil, wenn auch etwas weniger als in den Rekordjahren zuvor. Insgesamt erwarben staatliche Stellen 863 Tonnen, wobei Polen laut Investing News Network mit 102 Tonnen erneut grösster Käufer war.
Ein weiterer Treiber: die anhaltende Schwäche des US-Dollars. Der Greenback verlor 2025 fast 10 Prozent gegenüber einem Korb wichtiger Währungen, so Halter Ferguson. Die Abwertung setzte sich Anfang 2026 fort. Was für exportorientierte US-Unternehmen ein Segen sein mag, macht Gold für internationale Käufer günstiger – und befeuert den Trend zur «Entdollarisierung» der Reserven.
Dieser Trend begann nach Russlands Einmarsch in der Ukraine 2022, als die USA russische Devisenreserven einfroren und damit Zentralbanken weltweit alarmierten, wie The Motley Fool schreibt. Seitdem diversifizieren insbesondere China, Indien und andere Schwellenländer massiv in Richtung Gold. Goldman Sachs geht davon aus, dass Zentralbanken 2026 durchschnittlich 60 Tonnen pro Monat kaufen werden – weit über dem historischen Durchschnitt.
Während das physische Gold von Rekord zu Rekord eilt, bleiben die Aktien der Goldminenbetreiber zurück – ein Muster, das sich seit Jahren wiederholt. Der MarketVector Global Gold Miners Index legte im Januar zwar kräftig um knapp 11 Prozent zu, konnte aber nicht mit dem Edelmetall selbst mithalten. Laut VanEck-Portfoliomanagerin Imaru Casanova liegt das daran, dass Minenaktien systematisch mit konservativeren Goldpreisannahmen bewertet werden, als der tatsächliche Spotpreis hergibt.
Doch hier zeichnet sich eine Wende ab: Analysten heben ihre langfristigen Goldpreisprognosen an – nicht nur für 2026, sondern bis 2028 und 2029. Goldman Sachs erhöhte kürzlich sein Jahresendziel für 2026 auf 5'400 Dollar pro Unze, andere Häuser blicken bereits in Richtung 6'000 Dollar. Höhere Konsenserwartungen dürften sich in besseren Bewertungen für den gesamten Minensektor niederschlagen.
Nach dem wilden Januar hat sich der Goldpreis im Februar stabilisiert. Zuletzt notierte das Edelmetall bei rund 5'150 Dollar pro Unze Fortune – deutlich über dem Jahresendkurs 2025, aber unter den Spitzenwerten von Ende Januar. Der World Gold Council spricht von einer wahrscheinlichen Verschnaufpause nach dem rasanten Anstieg, erwartet aber weiterhin starke Investmentnachfrage als prägendes Merkmal des Jahres 2026.
Die Frage ist nicht mehr, ob Gold teuer ist – sondern ob die Welt unsicher genug bleibt, um den Preis oben zu halten. Geopolitische Spannungen, Handelsstreitigkeiten, die Frage der Fed-Unabhängigkeit unter einem neuen Vorsitzenden und die fiskalische Nachhaltigkeit der USA bilden ein Umfeld, in dem das gelbe Metall seine Rolle als ultimativer Krisenschutz erneut unter Beweis stellt. Die Bullenmarkt-These, wie VanEck und zahlreiche andere Marktteilnehmer argumentieren, bleibt intakt – auch wenn die Volatilität zum Begleiter des Aufstiegs geworden ist.