26.10.2026, 16:55 Uhr
Anthropic hat am 26. Oktober seinen Börsenprospekt öffentlich bei der US-Börsenaufsicht SEC eingereicht. Der Entwickler der Claude-Modelle will unter dem Kürzel «ANT» an die Nasdaq. Die Zahlen zeigen ein...
Der S&P 500 notiert nahe am Rekord, doch die Gewinne tragen immer weniger Titel. Johannes Hesche, Fondsmanager des ACATIS Value Event Fonds, hält dagegen: Bei vielen Qualitätsaktien passen steigende Gewinne und fallende Kurse nicht mehr zusammen. Er hat das Portfolio entsprechend umgebaut.
Auf den ersten Blick war das dritte Quartal 2026 ein ordentliches Börsenquartal. Der S&P 500 legte 2,3 Prozent zu, auch der MSCI World schloss im Plus. Unter der Oberfläche sah es anders aus: US-Nebenwerte verloren 7,2 Prozent, sieben der elf US-Sektoren beendeten das Quartal im Minus. Getragen wurde der US-Index vor allem von Technologie und Energie. «Der Index stand nahe am Rekord, während jede zweite Aktie unter ihrer 200-Tage-Linie lag», bilanziert Johannes Hesche, Leiter Aktives Portfoliomanagement bei ACATIS Investment, im aktuellen Quartalskompass des Frankfurter Vermögensverwalters.
Die Zahlen dazu sind deutlich. Ende September lag weniger als die Hälfte der Unternehmen im S&P 500 über ihrer 200-Tage-Linie, im Hochsommer waren es noch rund 70 Prozent. Allein der Technologiesektor macht inzwischen rund 40 Prozent des Index aus.
Der Wendepunkt kam im September. Der Konflikt um die Strasse von Hormus verschärfte sich erneut, der Preis für Brent-Öl stieg auf fast 131 US-Dollar. Die Inflation im Euroraum kletterte auf 3,8 Prozent, EZB und Fed erhöhten ihre Leitzinsen. Die Rendite zehnjähriger Bundesanleihen stieg im Quartal von 2,93 auf 3,68 Prozent. Einen derart starken Quartalsanstieg gab es seit 1997 nur dreimal.
Für den ACATIS Value Event Fonds, den Hesche gemeinsam mit Tobias Engl managt, kostete allein der September 3,28 Prozent. Ende August lag der Fonds im Quartal noch knapp 3 Prozent im Plus und rund zwei Prozentpunkte vor seiner Benchmark. Zum Quartalsende stand für die Anteilklasse A ein Minus von 0,41 Prozent, während die Benchmark – je zur Hälfte MSCI World und Euro-Geldmarkt – 1,59 Prozent gewann. «Mit dem Ergebnis sind wir nicht zufrieden», schreibt Hesche.
Das Problem reicht über das eigene Portfolio hinaus. Der MSCI World Quality Index blieb in den vergangenen zwei Jahren fast zehn Prozentpunkte hinter dem MSCI World zurück – einer der schwächsten Zweijahreszeiträume seit fast zwei Jahrzehnten. Gefragt waren vor allem Aktien mit direktem KI-Bezug, die in Qualitätsindizes kaum vertreten sind. Hinzu kommt der Zinsanstieg: Er belastet gerade Unternehmen, deren Wert stark von verlässlichen Gewinnen in vielen kommenden Jahren abhängt.
Wie weit operative Entwicklung und Kurs auseinanderlaufen können, zeigen drei Beispiele aus dem Portfolio. Stryker steigerte im zweiten Quartal den bereinigten Gewinn je Aktie um 18 Prozent, die Aktie verlor im dritten Quartal dennoch 12 Prozent. Brookfield erhöhte den ausschüttungsfähigen Gewinn je Aktie um 15 Prozent und kauft in grossem Umfang eigene Aktien zurück – der Kurs sank trotzdem um 14 Prozent. Nu Holdings wies erstmals einen Quartalsgewinn von über einer Milliarde US-Dollar aus und gab an der Börse ebenfalls nach.
Dass sich die Stimmung schnell drehen kann, zeigt das Beispiel Software. Im ersten Halbjahr hatten viele Anleger befürchtet, künstliche Intelligenz könnte das Geschäft etablierter Softwareanbieter verdrängen. ACATIS stockte Ende Juli und im August SAP und Salesforce auf und kaufte ServiceNow neu. Anschliessend überzeugten die Unternehmen mit ihren Zahlen: Salesforce gewann nach der Veröffentlichung Ende August an einem einzigen Tag knapp 23 Prozent. Über das ganze Quartal stieg Salesforce um 46 Prozent, Microsoft um 39 Prozent und SAP um 38 Prozent. «Aus den grössten Bremsern des ersten Halbjahres wurden die grössten Renditebringer des dritten Quartals», so Hesche.
Zusammen steuerten Salesforce, SAP und Microsoft 1,84 Prozentpunkte zur Fondsrendite bei. Am stärksten belastete ASML mit minus 0,98 Prozentpunkten. ACATIS hatte die Position seit Juli schrittweise von ursprünglich 5,7 Prozent reduziert und Mitte September vollständig verkauft. Aufs Gesamtjahr gesehen bleibt der niederländische Chipausrüster dennoch der grösste Renditebringer des Fonds.
Hesche und Engl haben das Portfolio in zwei Schritten neu ausgerichtet. Im Juli und August reduzierten sie nach den starken Kursgewinnen des ersten Halbjahres ASML, TSMC, Alphabet und Amazon und investierten einen Teil der Mittel in SAP, Salesforce und ServiceNow. Abbott kam neu hinzu.
Ende September und Anfang Oktober folgte der zweite Schritt. Gewinne wurden bei Glencore und Schneider Electric mitgenommen, Linde, L’Oréal und PepsiCo reduziert, ASML und S&P Global verkauft. Neu im Portfolio sind Adyen, Allianz, Infineon, Veeva Systems und Booking Holdings. SAP, Salesforce und ServiceNow wurden weiter aufgestockt. Die Aktienquote stieg von 68 auf 71 Prozent. Zugekauft wurde vor allem dort, wo das Managementteam die jüngsten Kursrückgänge für übertrieben hält. Ein Beispiel ist Adyen: Die Erlöse wachsen um 19 Prozent, die Aktie notiert rund 45 Prozent unter ihrem Jahreshoch.
Die Rentenseite des Fonds verlor im Quartal 1,83 Prozent und hielt sich damit deutlich besser als eine neu begebene zehnjährige Bundesanleihe, die rechnerisch rund 5,3 Prozent an Wert verloren hätte. Unter Druck standen vor allem lange Laufzeiten wie Proximus 2036 und Oracle 2040.
Positiv entwickelten sich Sondersituationen und variabel verzinste Papiere. Am 22. September wurde der Verkauf des spanischen Entsorgers Urbaser an Blackstone und EQT vollzogen. Die hochverzinste Holding-Anleihe, die ACATIS zuvor gekauft hatte, wurde wie erwartet zurückgezahlt und brachte im Quartal nochmals 6,9 Prozent. Fiber MidCo gewann 5,8 Prozent und liegt seit Jahresbeginn 30,9 Prozent im Plus. Floater wie Rino Mastrotto und TeamSystem blieben vom Zinsanstieg weitgehend verschont.
Das höhere Zinsniveau sieht Hesche auch als Chance. Bei einer Bundrendite von 3,68 Prozent könne der Zinsertrag eines Jahres rechnerisch einen weiteren Renditeanstieg von rund 0,5 Prozentpunkten auffangen. ACATIS hat die Kursrückgänge genutzt, um Unternehmensanleihen mit attraktiven Renditen zu kaufen oder bestehende Positionen auszubauen.
Der Start ins vierte Quartal ist gelungen: Bis zum 13. Oktober legte der Aktienteil des Fonds um 3,4 Prozent zu, angeführt von Nu Holdings, Visa und MercadoLibre. Einen Trend will Hesche daraus nach zwei Wochen noch nicht ableiten. Die Entwicklung zeige aber, «dass sich die Stimmung bei einzelnen Titeln schnell drehen kann».
Zusätzliche Rendite sieht er an drei Stellen: bei Unternehmen, deren steigende Gewinne und gesunkene Kurse nicht mehr zusammenpassen, bei Sondersituationen wie Urbaser und bei den höheren Renditen neuer Anleihekäufe. Sollte das Wachstum nachlassen und die Zinsen wieder sinken, könnte das Qualitätsaktien zusätzlich helfen – in solchen Marktphasen haben sie historisch besonders gut abgeschnitten. Als Risiken nennt Hesche den Ölpreis, die Lage im Nahen Osten und mögliche weitere Zinserhöhungen.
Für Anleger ist die Botschaft klar konträr zum vorherrschenden Narrativ: Während der Markt auf wenige KI-Gewinner setzt, positioniert sich ACATIS für eine Rotation in die breite Masse solider Qualitätsunternehmen. Ob sie kommt, wird das vierte Quartal zeigen.
Quelle: ACATIS Quartalskompass Q3 2026, ACATIS Value Event Fonds. Bisherige Wertentwicklungen sind keine Garantie für künftige Erträge. Die Nennung einzelner Unternehmen stellt keine Anlageempfehlung dar.