Bär-Aktien bleiben unter Druck

Analysten sprechen von einer Neubeurteilung des Risikoprofils. Das dürfte für Julius Bär zu höheren Kapitalkosten führen. (Bild lightpoet/Shutterstock)
Analysten sprechen von einer Neubeurteilung des Risikoprofils. Das dürfte für Julius Bär zu höheren Kapitalkosten führen. (Bild lightpoet/Shutterstock)

Die Julius Bär-Aktien setzen ihren seit mehr als einer Woche anhaltenden Sinkflug fort. Weiterhin lastet die Verunsicherung der Investoren wegen der hohen Kredite der Privatbank an das kurz vor dem Zusammenbruch stehende Signa-Immobilienimperium schwer auf den Titeln.

28.11.2023, 12:20 Uhr
Aktien

Redaktion: AWP

Um 10.45 Uhr notieren die Titel um 2,4 Prozent im Minus auf 44,58 Franken, wobei sie zum Handelsbeginn bei 44,05 Franken ein neues Jahrestief markierten. Seit dem vorletzten Montag, als die Aktien nach der Ankündigung eines hohen Abschreibers wegen der Signa-Kredite an einem Tag um rund 12 Prozent absackten, haben die Bär-Aktien an jedem Handelstag nachgegeben - der Kursrückgang für die letzten sieben Handelstage beläuft sich nun auf 20 Prozent.

Belastend wirkt sich am Dienstag eine Rating-Abstufung durch Morgan Stanley auf «Underweight» aus, wobei die US-Investmentbank ihr Kursziel für die Titel von 67 auf 56 Franken gesenkt hat. Die Unsicherheit am Markt um das Kreditbuch werde auch nach den weiteren Informationen des Managements anhalten, kommentierte Analyst Vishal Shah. Das Julius Bär-Management hatte am Montag das Einzelengagement bei der gefährdeten Immobiliengruppe auf 606 Millionen Franken beziffert.

Weitere Abschreiber erwartet

Es sei durchaus möglich, dass Julius Bär im kommenden Jahr weitere Abschreibungen vornehmen müsse, so die Analysten der US-Bank weiter. Sie gehen in ihren Prognosen für 2024 von weiteren 50 Millionen Franken aus.

Die Morgan Stanley-Experten verweisen drüber hinaus auf den generellen Margendruck im Vermögensverwaltungsgeschäft wegen des anhaltend gestiegenen Zinsniveaus. Die höheren Zinssätze dürfte die Julius Bär-Kunden davon abhalten, ihre Portfolios für weitere Investitionen in die Finanzmärkte zu belehnen: Vor allem in der ersten Jahreshälfte 2024 dürften das Volumen der Lombardkredite unter den historischen Durchschnitten bleiben.

Zu hohes Einzelengagement

Auch die Vontobel-Experten gehen davon aus, dass Julius Bär weitere Abschreibungen auf die Signa-Kredite vornehmen muss: Analyst Andreas Venditti erwartet gar einen Verlust von rund 50 Prozent des Julius Bär-Engagements bei Signa - entsprechend werde er seine Schätzungen für die Privatbank anpassen. Während er von einer stabilen Dividende für 2023 und 2024 ausgeht, nimmt er seine Erwartungen bezüglich Aktienrückkäufen klar zurück. Das Kursziel senkt er von 55 auf 50 Franken und bleibt beim «Hold-Rating».

Der Vontobel-Bankenexperte sieht den finanziellen Einfluss der Signa-Angelegenheit auf die Bär-Ergebnisse nicht als das Hauptproblem an. Die Gewährung eines Kredits von rund 600 Millionen Franken an einen Schuldner wie Signa sei einfach zu umfangreich, kritisiert er: Diese Summe entspreche etwa 18 Prozent des Kernkapitals (CET1) der Privatbank.

Der derzeitige Aktienpreis reflektiere entsprechend nicht nur die Verunsicherung wegen der Signa-Kredite, sondern auch eine Neubeurteilung des Risikoprofils. Das dürfte in der Folge zu höheren Kapitalkosten führen, was er in seinem neuen Kursziel berücksichtigt habe, so Venditti.

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