Der Franken als letzter sicherer Hafen: Wenn die Welt am Dollar zweifelt

Dollarschwäche: der Schweizer Franken als sicherer Hafen gefragt.
Dollarschwäche: der Schweizer Franken als sicherer Hafen gefragt.

Die Schweizer Währung steigt auf den höchsten Stand seit über zehn Jahren. Auslöser ist eine Vertrauenskrise in die US-Politik – mit weitreichenden Folgen für die Nationalbank, Exporteure und Konsumenten.

28.01.2026, 08:21 Uhr
Konjunktur

Redaktion: asc

Es ist ein Déjà-vu für die Schweizer Wirtschaft: Der Franken wertet rasant auf, und die Nationalbank steht vor einem Dilemma. Mit rund 0,77 Franken pro Dollar notiert die Schweizer Währung so stark wie seit über einer Dekade nicht mehr. Bereits im Vorjahr hatte der Franken zweistellig zugelegt. Nun setzt sich die Flucht in die Schweizer Währung fort.

Der Auslöser diesmal: eine politische Krise um Grönland und erratische Signale aus Washington, die das Vertrauen in die Verlässlichkeit der US-Politik und die Unabhängigkeit der Federal Reserve erschüttern. Der US-Präsident Donald Trump sagte Anfangs Woche, dass er wegen des Rückgangs des Dollar nicht besorgt sei.

Der letzte verlässliche Hafen

Kommt ein weiterer Umstand hinzu: Der japanische Yen, traditionell ebenfalls ein Zufluchtsort in Krisenzeiten, verliert wegen seiner hohen Volatilität an Attraktivität. Was bleibt, ist der Franken. Dies gestützt auf politische Stabilität, solide Staatsfinanzen, höchste Kreditwürdigkeit und die Tradition der Neutralität.

Dass parallel auch der Goldpreis deutlich anzieht, unterstreicht den allgemeinen Trend zur Risikoaversion. Seit Jahresbeginn legte der Goldpreis bereits wieder um rund 22 Prozent zu, nachdem er 2025 um 65 Prozent gestiegen war.

Druck auf Inflation und Exporte

Für die Schweiz hat die Frankenstärke bekanntlich ambivalente Folgen. Einerseits dämpft sie die Importpreise und damit die ohnehin sehr niedrige Teuerung, die sich nahe der Nulllinie bewegt. Konsumenten und importorientierte Branchen profitieren kurzfristig von günstigeren Einkäufen im Ausland.

Andererseits verschärft ein starker Franken den Druck auf die Exportwirtschaft und den Tourismussektor, die stark vom Euro-Raum abhängen. Schweizer Produkte und Dienstleistungen werden im Ausland teurer, was die Wettbewerbsfähigkeit schmälert und mittelfristig Investitionen sowie Arbeitsplätze gefährden kann.

Die SNB in der Zwickmühle

Ökonomen richten den Blick besonders auf den Euro-Franken-Kurs. Sollte der Euro deutlich unter 0,90 Franken fallen, drohen «schwieriege Gespräche» und ein verstärkter Handlungsdruck auf die Schweizerische Nationalbank, so UBS-Mann Daniel Kalt in der «Financial Times».

Die Optionen der SNB sind indes begrenzt. Eine Zinssenkung könnte Franken-Anlagen unattraktiver machen, doch der Spielraum nach unten ist eng begrenzt – und eine zu aggressive Lockerung riskiert, die Binnenkonjunktur unnötig anzuheizen. Direkte Devisenmarktinterventionen bleiben ein Instrument, sind aber politisch sensibel, seit die Schweiz wegen früherer Dollarkäufe auf eine US-Beobachtungsliste für «Währungsmanipulation» gesetzt wurde.

Ein formales Mindestkurs-Regime gegenüber dem Euro, wie es von 2011 bis 2015 bestand, gilt als kaum durchsetzbar. Die Schweiz und die USA haben in einer gemeinsamen Erklärung betont, nicht aus Wettbewerbsgründen am Wechselkurs einzugreifen.

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